Ärzte Zeitung, 01.03.2010

Vancouver 2010: Fast unbeschwerte Sport-Leidenschaft

Nach der perfekten Propagandashow in Peking hat die Wintersportwelt in Kanada wieder ein menschliches Bild der Spiele gezeigt. Freuen dürfen sich die deutschen Sportler: Sie zeigten ihre Stärken im Wintersport - und die Frauen holten acht der zehn Goldmedaillen.

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Von den Vonn-Spielen zu den Riesch-Spielen: Zwei Mal Gold holte Maria Riesch in der Kombination und im Slalom - und nicht ihre amerikanische Konkurrentin Lindsay Vonn.

VANCOUVER (dpa/bee). Deutschland bleibt eine bedeutende Wintersportnation, darf aber die neuen olympischen Trends nicht verschlafen. "Hut ab, Chapeau! Es ist ein fantastisches Ergebnis gegen eine viel stärkere Konkurrenz", bilanzierte Chef de Mission Bernhard Schwank am Schlusstag der XXI. Olympischen Winterspiele in Vancouver. Der Spitzenplatz von Turin ging verloren, obwohl Axel Teichmann mit Silber im Langlauf-"Marathon" die 30. Medaille - eine mehr als 2006 - gewonnen hat.

"Die goldenen Spiele", titelte die kanadische Zeitung "Globe and Mail". Nach der beängstigend perfekten Propaganda-Veranstaltung in Peking waren die menschlichen Spiele in Kanada eine Rückkehr zu unbeschwerter Leidenschaft. Vancouver präsentierte ein stimmungsvolles Athleten-Fest mit einem hohen Sympathiefaktor - und zugleich mit abschreckender Wirkung. In dieser Einheit der Widersprüche begegneten sich olympische Ideale und die gefährliche Sensationsgier ignoranter Funktionäre. Ein begeistertes Sportpublikum, ein einzigartiges Athletendorf und gefeierte Trendsportarten dienten als Wegweiser für die Zukunft - die Sturzserie im schnellsten Eiskanal der Welt als tödliche Warnung.

Bei den fröhlichen Spielen trumpften vor allem die deutschen Frauen auf - 19 der 30 Medaillen gingen auf ihr Konto, die zudem acht der zehn Gold-Stücke gewannen. Deutschland liegt so auf Rang zwei der Medaillenwertung. Von Platz eins im Medaillenspiegel war Gastgeber Kanada mit 26 Edelplaketten nicht mehr zu verdrängen. Die USA wurde trotz der olympischen Rekordzahl von 37 Medaillen nur Dritter. Kanada feierte am letzten Wochenende der Spiele vier weitere Olympiasiege. Der frenetisch bejubelte 3:2-Erfolg im Eishockey-Finale gegen den Erzrivalen USA setzte den goldenen Schlusspunkt für die "Ahornblätter".

"Deutschland ist im Leistungssport ein Frauensportland", meinte Thomas Bach, Präsident des Deutschen Olympischen Sportbunds (DOSB) und forderte die Männer bis Sotschi 2014 zur Emanzipation auf: "Ich hoffe, dass die männliche Seite sich das zum Vorbild nimmt und Gleichberechtigung schafft."

Hausaufgaben muss aber auch der DOSB machen, der in den Trendsportarten Shorttrack, Snowboard und Freestyle nichts Zählbares erreichte. "Die Analyse hat schon begonnen, da brauchen wir ein Umdenken", erklärte Bach. Immerhin gibt es in diesen modernen Disziplinen 60 Medaillen zu gewinnen. Die deutsche Wintersport-Kultur ist aber eher klassisch und konservativ geprägt. "Es ist noch nicht so, dass eine Pistenkultur angekommen ist, wie es sie in den USA oder Kanada gibt", sagt Bach. Gleichzeitig werde die Luft in den klassischen Disziplinen "immer dünner", so Alfons Hörmann, Präsident des Deutschen Skiverbandes. Ein "großes Ausrufezeichen" waren für ihn die drei alpinen Olympiasiege von Maria Riesch (Kombination/Slalom) und Viktoria Rebensburg (Riesenslalom) sowie zweimal Gold durch Biathlon-"Königin" Magdalena Neuner und dem siegreichen Langlauf-Duo Evi Sachenbacher-Stehle/Claudia Nystad.

Trotz des Debakels bei den Biathlon-Männern und dem schwachen Abschneiden der Nordischen Kombinierer bleibt Deutschland mit den zwei Olympiasiegen und drei weiteren Medaillen erneut die Nummer eins in der Rodel-Welt. Bob-Pilot André Lange avancierte mit seinem vierten Olympia-Gold zu einem der bedeutendsten deutschen Wintersportler.

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