Ärzte Zeitung, 07.02.2008

Vor der Fahrt nach Peking Tollwut-Impfung empfohlen

Die meisten Hunde in China sind nicht geschützt

MARBURG (ug). Wer zu den Olympischen Spielen nach Peking fährt, sollte gegen Tollwut geimpft sein. Denn nach Indien ist China das Land mit den höchsten Tollwutinzidenzen bei Menschen und Tieren.

Tollwut sei "ein vergessenes Risiko", sagte Dr. Sigrid Baumgarte, Leiterin der Virologie am Institut für Hygiene und Umwelt in Hamburg. Das Thema Tollwut gehöre aber grundsätzlich zur Reiseberatung dazu -"wie eine Platte, die jedesmal abgespielt wird". Vor allem in Asien, Afrika, Südamerika, Osteuropa und der Türkei ist das Tollwut-Risiko hoch.

Hauptüberträger des Rabies-Virus weltweit sind Hunde. In China, wo nach der Kulturrevolution das Halten von Hunden verpönt war, werden sie nun als Haustiere immer beliebter. "Es gibt einen massiven Anstieg von Hunde-Tollwut in China", so Baumgarte auf dem 5. Marburger Tag der Reise- und Tropenmedizin. Denn die meisten Hunde, vor allem die in den Städten, seien nicht geimpft. Im Gespräch mit der "Ärzte Zeitung" rät sie deshalb dazu, jeden, der zu den Olympischen Spielen fahren möchte, ob Sportler oder Zuschauer, prophylaktisch zu impfen.

Auch andere Tiere können das Tollwut-Virus übertragen: Füchse, Waschbären, Skunks und auch Katzen. Asienreisende müssen auch vor den Tempeläffchen gewarnt werden. Immer häufiger wird weltweit die Fledermaus-Tollwut. "In den USA sind die Tiere so klein, dass die Menschen gar nicht merken, dass sie gebissen werden. Sie denken dann, es wäre ein Insektenstich", sagte Baumgarte.

Reisenden, die ungeimpft in ein Risikogebiet fahren, muss erklärt werden, dass sie nach dem Biss eines tollwutverdächtigen Tiers die Wunde mit Seifenlauge auswaschen. Außerdem brauchen sie eine postexpositionelle Therapie. Dazu sind fünf aktive Impfungen nötig. Simultan mit der ersten Impfung muss ein Immunglobulin verabreicht werden. Für diese Therapie gibt es keine Kontraindikation.

Es heißt immer, mit der postexpositionellen Therapie solle man spätestens nach sieben Tagen beginnen. Doch Baumgarte macht klar: "Zu spät gibt es hier nicht!" Die Impfstoffe, die in den Tollwut-Endemieländern zur postexpositionellen Impfung eingesetzt werden, sind häufig neurotoxische Lebendvakzinen. "Deshalb lieber einmal zu viel prophylaktisch impfen als einmal zu wenig", so der Rat der Virologin.

STICHWORT

Tollwut

Das Tollwut-Virus ist ein zu den Rhabdoviren gehörendes RNA-Virus. Das Virus kommt weltweit vor. Das Tollwut-Virus hat ein extrem breites Erregerspektrum, das praktisch alle Warmblüter und sowohl Wildtiere als auch Haustiere befällt. Die Übertragung erfolgt durch den infizierten Speichel. Ohne Behandlung wandern die Viren zum Gehirn und verursachen eine perniziöse Enzephalitis, die immer tödlich verläuft. (eb)

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