Ärzte Zeitung, 08.07.2008

KOMMENTAR

Unerträgliche Schreie von nebenan

Von Pete Smith

Wenn irgendwo in Deutschland erneut ein Kind verhungert, zu Tode geprügelt oder erstickt wird, werden die Zeitungen und Nachrichtensender wieder in großer Aufmachung darüber berichten. Von den alltäglichen Schlägen, Erniedrigungen und Vernachlässigungen jedoch bekommt selten jemand etwas mit.

In aller Regel nämlich werden die wehrlosesten Angehörigen der Gesellschaft gerade dort misshandelt, wo sie den größten Schutz zu erwarten hätten - daheim. Selten geschieht es, dass ein mutiger Nachbar die Polizei alarmiert, weil die Schreie von nebenan unerträglich werden. Häufiger dagegen sind es aufmerksame Ärzte, die misshandelte Kinder vor weiterem Leid bewahren, indem sie die Symptome, unter denen ihre Patienten leiden, zutreffend deuten und entsprechende Schritte einleiten.

Solche Ärzte lassen sich nicht durch seichte Erklärungen der Eltern abspeisen und scheuen auch den bürokratischen Mehraufwand nicht, den ihr entschlossenes Einschreiten verlangt. Zu selten werden diese Kollegen öffentlich gewürdigt, da ihr ärztliches Ethos Verschwiegenheit geradezu impliziert.

Nichtsdestoweniger kann die Gesellschaft sie unterstützen, indem sie Netzwerke schafft, bürokratische Hindernisse zur Seite räumt und ihnen Hilfen an die Hand gibt, die sie im Umgang mit misshandelten Kindern schulen und in ihrem Einschreiten bestärken. Jede Form von Gewalt gegen Kinder - wozu auch der "kleine Klaps auf den Po" gehört - muss geächtet werden.

Lesen Sie dazu auch den Hintergrund:
Körperlich und seelisch misshandelte Kinder - wie Ärzte in der Praxis reagieren können

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