Ärzte Zeitung, 12.11.2008

Die Sicht Der Ärzte

Furcht vor "Ökonomisierung"

Das Modell kann die sektorale Zerteilung des Gesundheitswesens überwinden und eine bessere Effizienz erschließen. Dennoch überwiegt bei Ärzten - Funktionären wie auch praktisch tätigen Medizinern - die Furcht vor Wettbewerb und Ökonomisierung durch Budgetverantwortung.

Aus Sicht der Ärzte sind die Vorteile des PVZ-Szenarios rasch aufgezählt: stärkere Professionalisierung, Anreize zu effizienter Leistungserbringung, Chancen für die Überwindung der Leistungssektoren.

Kritisch gesehen werden jedoch die "Ökonomisierung" und die "Konzernisierung" des Arztberufs, verbunden mit der Aufgabe der wirtschaftlichen Freiberuflichkeit. Das Management müsse in der Hand der Ärzte bleiben, wird gefordert. Eine Trägerschaft durch private Investoren, Kapitalgesellschaften oder private Klinikketten wird abgelehnt; öffentliche und frei gemeinnützige Träger sind dagegen eher willkommen.

Das größte Einsparpotenzial wird in der Vermeidung von Krankenhauseinweisungen gesehen. Dabei sollten die Fachärzte in die PVZ integriert werden. Skeptisch wird gesehen, ob es gelingt, eine flächendeckende PVZ-Struktur aufzubauen. Zumindest in ländlichen Regionen werde dieses Modell nicht funktionieren.

Bezweifelt wird, ob Versicherte und Patienten in der Lage sind, die Qualität der Versorgung zutreffend zu beurteilen und aufgrund dessen verantwortliche Wahlentscheidungen für ihr PVZ zu treffen. Budgetverantwortung und pauschale Vergütung der Ärzte könne zum Qualitäts- und Leistungsabbau führen, auch im Interesse der Gewinnmaximierung. Ferner bestehe die Gefahr, dass PVZ sich im Wettbewerb um Patienten mit Leistungen ohne Evidenz profilieren. Insofern halten Ärzte die Wettbewerbsorientierung für fehlkonstruiert.

Für die Weiterentwicklung des Leistungskatalogs und die Aufnahme von Innovationen in die GKV-Medizin wollen Ärzte es bei der zentralen Rolle des Bundesausschusses belassen. Sie plädieren dafür, die gegenwärtig unterschiedliche Vorgehensweise für ambulante und stationäre Medizin zu vereinheitlichen. Danach sollen Innovationen in Kliniken nur nach einem positiven Bescheid des Bundesausschusses eingeführt werden können.

In der Arzneimittelversorgung hält man es nicht für möglich, dass PVZ eine solche Nachfragemacht bündeln können, dass es zu Verträgen zwischen PVZ und Herstellern kommt. Auch die Aufhebung von derzeit geltenden arztbezogenen Regulierungen wie Richtgrößen und Regresse wird kritisch gesehen.

Lesen Sie dazu auch:
Eine Chance für Prävention und Effizienz
Rationierung kann verzögert werden
Das PVZ-Modell wäre für vier von zehn Bürgern eine Alternative
Wettbewerb mit Qualität und Effizienz
"Szenario A - ein gangbarer Weg"
Hohe Verantwortung und viel Macht bei den Ärzten

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Was neue Onkologika den Patienten tatsächlich bringen

Ist das Glas halb voll oder halb leer? Neue Onkologika haben die Überlebenszeit von Krebspatienten in den vergangenen zwölf Jahren im Schnitt um 3,4 Monate verlängert. Dieser Vorteil geht oft zulasten der Sicherheit. mehr »

Kassen und KBV drücken aufs Tempo

Bisher trat die Selbstverwaltung bei der Digitalisierung eher als Bremser auf. Bei den Formularen geben KBV und Kassen jetzt Gas: Im Juli kommt der digitale Laborauftrag. mehr »

"Auch mit Kind zügig möglich"

Eine Weiterbildung, die auch mit Elternzeit nur sechs Jahre dauert? Das ist möglich, sagt Dr. Sandra Tschürtz. Die angehende Allgemeinmedizinerin steht vor ihrer Facharztprüfung – und blickt auf ihre Zeit in einem Weiterbildungsverbund zurück. mehr »