Ärzte Zeitung, 19.10.2009

Therapie im Maßregelvollzug? Fehlanzeige!

MAGDEBURG (zie). Von gravierenden Mängeln bei der Versorgung psychisch Kranker ist im jüngsten Bericht des Landespsychiatrieausschusses die Rede, der Ende September im Landtag Sachsen-Anhalt präsentiert wurde. In der Kritik steht vor allem die Forensische Psychiatrie im Maßregelvollzug Uchtspringe, Landkreis Stendal und abgeschwächt auch in Bernburg.

"Die Bilanz", so Dr. Bernd Langer, Ausschussvorsitzender und Chefarzt des Psychiatriezentrums der Arbeiterwohlfahrt in Halle, "ist skandalös". Trotz Lockerungsstufe würden Patienten nur einmal im Monat ausgeführt, Therapiegespräche seien aufgrund des Personalmangels nur alle 14 Tage möglich. Die Mitarbeiter selbst beklagten beim Besuch des Psychiatrieausschusses, dass Therapiestunden nicht mehr bedarfsgerecht angeboten werden können.

Bis zu 40 Patienten erhielten keine adäquate Ergotherapie, Resozialisierungsmaßnahmen seien auf ein Minimum beschränkt. Die Ursache liege vor allem im Personalmangel. So seien im Landesfachkrankenhaus für forensische Psychiatrie Uchtspringe, einer gemeinnützigen GmbH, über 70 Planstellen unbesetzt.

Die Mitglieder des Ausschusses sehen einen Zusammenhang mit politisch gewollten Sparmaßnahmen. "Weniger Personal, heißt weniger Therapie. In der Folge verlängert sich der Aufenthalt in der Einrichtung. Die Einsparungen kommen uns dann alle teuer zu stehen", resümiert Langer.

Heißer Tobak für Landessozialministerin Dr. Gerlinde Kuppe (SPD), die zwar Probleme einräumte, den Vorwurf, hier werde am falschen Platz gespart, jedoch energisch zurückwies. Der Auftrag des Maßregelvollzugs, psychisch kranke und suchtkranke Straftäter zu therapieren und zugleich sicher zu verwahren, werde in Sachsen-Anhalt verlässlich umgesetzt. Aus Ministeriumssicht gebe es bei der Besetzung von freien Stellen zwar immer wieder Engpässe, doch habe die Situation in diesem Jahr weitgehend entspannt werden können, so die Ministerin.

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