Sonntag, 12. Februar 2012
Ärzte Zeitung, 12.11.2009

Präventionsprogramm gegen Darmkrebs will Betriebe stärker einbeziehen

Startschuss für ein ehrgeiziges Projekt: In der Metropolregion Rhein-Neckar werden die Unternehmen in die Darmkrebsprävention eingebunden.

Von Ingeborg Bördlein

Präventionsprogramm gegen Darmkrebs will Betriebe stärker einbeziehen

Ein ehrgeiziges Projekt für Darmkrebsprävention: Professor Jürgen Riemann.

Foto: Köppen

HEIDELBERG. Die "Stiftung LebensBlicke" hat sich zum Ziel gesetzt, in den kommenden drei Jahren 1000 Menschen in der Metropolregion Rhein-Neckar vor dem Darmkrebstod zu bewahren. In dieses Präventionsprojekt "1000 Leben retten" sollen Firmen, Kommunen, Kliniken und Organisationen aus der Großregion mit 2,4 Millionen Einwohnern einbezogen werden. Erstmals werden Risikogruppen unter den Mitarbeitern in den Betrieben ermittelt.

Grundlage für das Projekt sind die Kalkulationen von Dr. Dirk Wuppermann, Vorstandsvorsitzender des Fördervereins Stiftung LebensBlicke: In der Rhein-Neckar-Region erkranken pro Jahr etwa 2000 Menschen an Darmkrebs und über 750 sterben daran. Geht man auf dieser Grundlage von 2250 Todesfällen in den kommenden drei Jahren aus, sollen mit dem Projekt 1000 davon verhindert werden.

Die Aktion wendet sich in einem ersten Schritt an alle Organisationen und Firmen - vom Einmann-Betrieb bis zum Großkonzern. Die Stiftung LebensBlicke hat dafür eine neue Präventionsstrategie entwickelt. "Wir wollen weg von dem Image, dass jeder denkt, Darmkrebsvorsorge bedeutet Darmspiegelung", sagte Wuppermann der "Ärzte Zeitung". Vorsorgekoloskopien würden in der Bevölkerung noch sehr schlecht angenommen. Die Teilnahmerate liegt bei etwa drei Prozent pro Jahr.

Deshalb hat die Stiftung einen Fragebogen zum Selbsttest des persönlichen Risikos entwickelt. Er enthält fünf einfache Fragen und ist laut Dr. Uschi Wuppermann, ebenfalls Vorstandsmitglied der Stiftung LebensBlicke, in einer Minute auszufüllen. Die Stiftung geht davon aus, dass weit mehr als die Hälfte der Befragten nicht in die Risikogruppe fällt. Risikoträgern wird eine weitere Diagnostik angeraten, wie etwa einen immunologischer Stuhlbluttest (FOBT). Letztlich wird nur ein Fünftel für eine Darmspiegelung in Frage kommen. Für die Stuhlbluttests werden Gutscheine ausgegeben.

Auf die teilnehmenden Betriebe kommen dafür nach Aussagen der Initiatoren Kosten von etwa zwei Euro pro Mitarbeiter zu. Dieser Aufwand für die Vorsorge rechne sich, erklärte der BASF-Betriebsarzt Dr. Stefan Webendörfer bei der Auftaktveranstaltung. Permanente Aufklärungsaktionen bei dem Großunternehmen hätten zu einer Teilnahmerate bei Vorsorgemaßnahmen von fast 40 Prozent geführt.

Für diese "gemeinsame Aktion der besonderen Art", so Professor Jürgen Riemann, Vorstandsvorsitzender der Stiftung LebensBlicke, zeichnen mehrere Partner verantwortlich: Dazu zählen der Verein Zukunft Metropolregion Rhein Neckar Dreieck, das Gesundheitsnetz Rhein-Neckar-Dreieck und der Bundesverband mittelständische Wirtschaft. Die Schirmherrschaft haben Manfred Lautenschläger, Mitbegründer der MLP AG, und die Ludwigshafener Oberbürgermeisterin Eva Lohse übernommen.

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