Ärzte Zeitung, 12.11.2009

Psychotherapeutenkammer will von den Kassen Forschungsbonus

Von Thomas Hommel

Die Psychotherapieforschung komme zu kurz in Deutschland, kritisieren Experten - und rufen nach einem eigenen Etat dafür.

BERLIN. Der Präsident der Bundestherapeutenkammer (BPtK), Professor Rainer Richter, hat eine "chronische Unterfinanzierung" der Erforschung psychotherapeutischer Behandlungen in Deutschland bemängelt. "Die Erforschung personenzentrierter Krankenbehandlung ist massiv benachteiligt", sagte der Experte am Mittwoch in Berlin.

Forschende Pharmaunternehmen hätten in Deutschland im vergangenen Jahr rund fünf Milliarden Euro in Forschung und Entwicklung neuer Medikamente gesteckt. "Dem standen staatliche Fördergelder für Psychotherapieforschung von unter zehn Millionen Euro gegenüber", so Richter. Es sei daher dringend notwendig, dass nicht-medikamentöse Behandlungsverfahren in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) stärker als bislang erforscht würden.

Um die Defizite in der Psychotherapieforschung zu beheben, schlägt die BPtK einen "Forschungsbonus für personenzentrierte, nicht-medikamentöse Behandlungen" vor. Für den Forschungstopf sollten von den rund 1,3 Milliarden Euro, die die Kassen derzeit für die Vergütung ambulanter, vertragsärztlicher Leistungen im Bereich der Psychotherapie bereitstellten, 0,5 Prozent abgezwackt werden. Das entspräche einem jährlichen Forschungsetat von rund 6,5 Millionen Euro. 50 Prozent des Betrages sollten die Psychotherapeuten selbst, sprich aus ihrer Honorarsumme beisteuern.

Die anderen 50 Prozent könnten die Kassen finanzieren, schlug Richter vor. "Ein solcher Forschungsetat ergäbe ein solides finanzielles Fundament, um neue psychotherapeutische Verfahren, Methoden und Techniken zu erforschen", betonte der BPtK-Präsident. Es dürfe nicht länger dem Zufall überlassen werden, ob innovative Behandlungsverfahren erforscht würden oder nicht.

Richter räumte dem Vorstoß der Psychotherapeutenkammer gute Chancen auf Realisierung ein. "Ich glaube, dass wir bei Politik und Kassen auf offene Ohren stoßen." So habe der neue Bundesgesundheitsminister Philipp Rösler (FDP) der Versorgung psychisch kranker Menschen große Bedeutung zugemessen.

Die Kassen wiederum stünden unter einem "erheblichen" finanziellen Druck, da die Zahl psychischer Erkrankungen weiter steige und zu hohen Kosten infolge von Arbeitsunfähigkeit führe, betonte Richter. Es brauche jetzt aber eines "Impulses aus der Regierung", um einen Forschungsbonus für Psychotherapie in der kommenden Gesundheitsreform festzuschreiben.

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