Ärzte Zeitung, 26.03.2010

Weniger Drogentote - doch viele greifen zu Amphetaminen

Die Zahl der Drogentoten geht weiter zurück. Dennoch gibt es keine Entwarnung: 2009 starben 1331 Menschen am Konsum illegaler Rauschgifte, etwa 18 000 Deutsche nahmen zum ersten Mal harte Drogen.

Weniger Drogentote - doch viele greifen zu Amphetaminen

Synthetische Drogen sind auf dem Vormarsch. Viele Konsumenten halten sie fälschlicherweise für besonders rein. © TEA / fotolia.com

BERLIN (sun). Die Zahl der Drogentoten ist in Deutschland weiter rückläufig. Dies gab die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Mechthild Dyckmans (FDP), am Donnerstag in Berlin bekannt. Im Jahr 2009 kamen 1331 Menschen durch den Konsum illegaler Drogen ums Leben - das ist ein Rückgang von acht Prozent im Vergleich zum Vorjahr. "Das zeigt, dass die Drogenzahlen auch langfristig sinken", sagte Dyckmans.

Diese Entwicklung bestätige, dass die Angebote zur gesundheitlichen Versorgung für Drogenabhängige notwendig seien und eine Überlebenshilfe darstellten, so Dyckmans. Immer noch seien aber Überdosen von Heroin und Mischkonsum mit anderen Drogen die häufigsten Todesursachen. "Weiter gestiegen sind vor allem die Todesfälle aufgrund gesundheitlicher Langzeitschäden", erklärt Dyckmans.

Die qualitätsgestützte Substitutionsbehandlung mit Methadon und Diamorphin, die derzeit in die Regelversorgung überführt wird (wir berichteten), sei daher ein unverzichtbares Behandlungsangebot.

2009 wurden in Deutschland 18 139 Menschen registriert, die zum ersten Mal mit harten Drogen in Kontakt kamen. Dies sei ein Rückgang von sechs Prozent im Vergleich zum Vorjahr, berichtete der Präsident des Bundeskriminalamtes, Jörg Zielke. Dennoch dürfe man nicht die Hände in den Schoß legen, betonte die Drogenbeauftragte. Denn entgegen der Gesamtentwicklung sei die Zahl der Erstkonsumenten von Amphetamin im Jahr 2009 im fünften Jahr in Folge um nochmals 1,2 Prozent auf 10 315 Personen gestiegen. "Viele Konsumenten von Amphetaminen halten diese synthetischen Drogen wohl fälschlicherweise immer noch für besonders rein - und damit für ungefährlicher", erklärte Zielke den Anstieg.

Die SPD kritisierte die Drogenbeauftragte: Der Auftritt Dyckmans sei "nichtssagend und inhaltsleer", sagte die zuständige Berichterstatterin Angelika Graf. "Mit dieser Arbeitsweise fällt sie in der Bundesregierung so wenig auf wie in der Öffentlichkeit", so die SPD-Politikerin.

Zudem sei immer noch ungeklärt, ob es auch 2010 einen Sucht- und Drogenbericht gebe. "Sollte Dyckmans tatsächlich keinen Drogen- und Suchtbericht in Auftrag geben, verpasst sie mit dieser Entscheidung, mit neuen Erkenntnissen zu einer verbesserten Aufklärung und Prävention in der Drogen- und Suchtpolitik beizutragen", betonte Graf.

Die FDP-Bundestagsfraktion wehrt sich gegen die Vorwürfe: Die sucht- und drogenpolitische Agenda Dyckmans sei "überzeugend und zukunftsweisend", so die Suchtexpertin der FDP, Christine Aschenberg-Dugnus. Die SPD müsse endlich akzeptieren, dass "sie nicht mehr an der Regierung ist", und "es daher ertragen, dass ihre Pläne zur Sucht- und Drogenpolitik jetzt nicht verwirklicht werden."

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Mehr Metastasen

Immer mehr Männer mit Prostatakrebs in den USA haben schon bei der Diagnose Metastasen. Ihr Anteil hat sich fast verdoppelt. Auch die Inzidenz solcher Tumoren nimmt zu. mehr »

Deutsches Defizit

Diabetes-Prävention, Strategien gegen Polypharmazie, digitale Versorgungsangebote: Neue Initiativen gibt es zuhauf. Doch Patienten müssen davon wissen. Genauo daran hapert es aber. mehr »

"Einfache Ersttherapie ist für fast alle Patienten möglich"

Die antiretrovirale Therapie ist bei neu diagnostizierter HIV-Infektion stets angezeigt, und zwar unabhängig vom Stadium der Infektion oder der Helferzellzahl. mehr »