Ärzte Zeitung, 11.05.2010

Der Standpunkt

Dialog schafft Vertrauen

Von Wolfgang van den Bergh

Es ist an der Zeit, ein neues Kapitel in den Beziehungen zwischen der Ärzteschaft und dem Bundesgesundheitsministerium aufzuschlagen. Die kämpferischen Töne sind den ruhigen Tönen gewichen, in der Hoffnung, gemeinsam die anstehenden Probleme im Gesundheitswesen zu lösen.

Die Steilvorlage, die der Bundesgesundheitsminister dazu beim Hauptstadtkongress in Berlin gegeben hat, ist bei der Eröffnung des 113. Deutschen Ärztetages dankend vom Präsidenten der Bundesärztekammer aufgenommen worden. Spätestens seit gestern ist klar, dass Pragmatismus ideologischen Starrsinn verdrängt hat.

Nur: Jetzt müssen den Worten Taten folgen. Und hier sind beide Seiten noch am Anfang eines langen Weges. Es geht darum, die in Zukunft wichtigen Probleme etwa im Zusammenhang mit dem demografischen Wandel, dem Ärztemangel und der Zunahme von Patienten mit chronischen Krankheiten im Diskurs zu erörtern. Dazu sind regelmäßige Treffen und die Einrichtung entsprechender Arbeitsgruppen ein erster wichtiger Schritt. Einen Fehler sollte jedenfalls die Ärzteschaft nicht machen: den Minister auf seine ursprüngliche Profession als gelernter Arzt zu reduzieren.

Philipp Rösler hat einmal mehr das Angebot zu Gesprächen gemacht, wohl wissend, dass es in vielen Punkten, wie etwa in der Frage der Priorisierung unterschiedliche Standpunkte gibt. Doch auch die können kontrovers diskutiert werden, denn Vertrauen kann nur im gemeinsamen Dialog (Hoppe) wachsen.

Ein solcher Prozess fordert allerdings auch ein Hinterfragen eigener Positionen. So sollten Strukturen, die von den Gremien der Ärzteschaft selbst zu verantworten sind, überprüft werden - und das gilt selbstverständlich nicht nur für den Weiterbildungsbereich. Professor Jörg-D. Hoppe hat in seiner Funktion als Präsident aller Ärzte gestern den Anfang gemacht. Er forderte nicht nur, das "Medizinstudium zu durchlüften", sondern appelliert, endlich die Arbeitsbedingungen der Lebenswelt junger Ärzte anzupassen.

"Heute müssen wir nicht kämpfen, um uns Gehör zu verschaffen", sagte Hoppe zu Beginn seiner Rede - vielleicht weil alle Beteiligten den Ernst der Lage erkannt haben.

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