Ärzte Zeitung, 08.07.2010

Kommentar

Bürger sind klüger, als Politiker denken

Von Dirk Schnack

Viele Politiker meiden unbequeme Themen so lange, bis die Gesellschaft selbst aktiv wird und die Politik zum Handeln zwingt. Die von der Ärzteschaft immer wieder angemahnte Priorisierung in der medizinischen Versorgung ist dafür ein Paradebeispiel. Während viele Politiker ihren Wählern immer noch weismachen, dass sie für ihre eingezahlten Beiträge fast jede medizinische Leistung erwarten dürfen, sind die Menschen längst weiter. Auch wer sich nicht professionell mit dem Gesundheitswesen beschäftigt weiß längst, dass begrenzte Ressourcen gezielt eingesetzt werden müssen. Viele sind jedoch erstaunt, dass Ärzte bei ihren Entscheidungen über diesen Einsatz allein gelassen werden und keine Kriterien für Prioritäten formuliert sind.

Die Lübecker Bürgerkonferenz hat hier Pionierarbeit geleistet. Neben den Empfehlungen und der Anregung für ein nationales Gremium ist das Signal wichtig, das von ihrer Arbeit ausgeht: Unsere Gesellschaft muss und will sich mit Priorisierung auseinander setzen und ist in der Lage, die den Ärzten auferlegte Verantwortung zu erkennen und ihnen als Leitlinie eine Empfehlung zu geben. Das sollten Politiker erkennen und daran mitarbeiten, dass die Bürgerkonferenz nur den Auftakt für eine breite Diskussion bildet.

Lesen Sie dazu auch den Hintergrund:
Priorisierung im Gesundheitswesen: Bürger üben den Ernstfall

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