Ärzte Zeitung, 07.02.2011

Gibt es den Landarzt im Norden bald nur noch im Fernsehen?

Kommunen im Norden sehen in Medizinischen Versorgungszentren, die an Kliniken angesiedelt sind, eine Gefahr für die ärztliche Versorgung in der Fläche. Um Landärzte zu finden, wollen sie nun eigene Aktivitäten entwickeln.

Von Dirk Schnack

Gibt es den Landarzt im Norden bald nur noch im Fernsehen?

Ministerpräsident Peter Harry Carstensen mit dem langjährigen Darsteller des Fernseh-Landarztes, Walter Plathe. Reale Ärzte kann Carstensen auf dem Land in Schleswig-Holstein in nächster Zeit wohl eher selten begrüßen.

© Pfeiffer / dpa

KIEL. Die Tendenz, dass Krankenhäuser Arztsitze aufkaufen und an ihren MVZ in den Zentren des Planungsraumes ansiedeln, bereitet dem Schleswig-Holsteinischen Gemeindetag (SHGT) Sorgen.

"Diese MVZ befinden sich ausschließlich in den Städten. Die dort angesiedelten Sitze gehen der Fläche zunehmend verloren", sagte SHGT-Geschäftsführer Jörg Bülow im Gespräch mit der "Ärzte Zeitung".

Er befürchtet, dass die Versorgung auf dem Land weiter ausgedünnt wird, während Klinik-MVZ mit den Kassenarztsitzen an anderen Standorten des Kreises Gewinnmaximierung betreiben. Nach Zahlen des SHGT sind von 51 MVZ im Land nur zwei in ländlichen Zentralorten und eines in einem nicht zentralen Ort.

Verpflichtender Einsatz auf dem Land gefordert

"Wir brauchen eine kleinräumigere Bedarfsplanung, weil die KV dann besser steuern könnte", steht deshalb für Bülow fest. Um junge Ärzte an die Landarzttätigkeit heranzuführen, sollte aus seiner Sicht auch an den Hochschulen mehr für das Thema getan werden.

Um für das Berufsbild zu werben, regte er einen "Lehrstuhl mit dem Bildungsauftrag Landarzt" an, um entsprechende Defizite auszugleichen.

Auch über eine verpflichtende Tätigkeit auf dem Land während der Famulatur sollte nach seiner Ansicht nachgedacht werden: "Junge Ärzte müssen mit dem Berufsbild Landarzt in Berührung kommen", fordert Bülow.

Um die Provinz für Ärzte wieder attraktiver zu machen, sind viele Gemeinden nach seiner Beobachtung bereits aktiv geworden. Die Maßnahmen in Schleswig-Holstein reichen wie berichtet bis zur Einrichtung von Praxen und befristeter Mietbefreiung.

Kommunen kommen Ärzten aber in vielfältiger Hinsicht entgegen, als Beispiel nannte Bülow etwa Lockerungen bei den Bestimmungen über die vorzuhaltenden Stellplätze an den Praxen.

"Wir müssen aber auch dafür sorgen, dass sich die Familien der Ärzte auf dem Land wohl fühlen", sagte Bülow. Das lässt sich nach seiner Ansicht nur erreichen, wenn die Kommunen Kinderbetreuungen, Schulen und andere Infrastruktur bereithalten.

Um niederlassungswillige Ärzte zu unterstützen, wünscht sich Bülow erfahrene Lotsen, die junge Kollegen beim Aufbau der Praxis beraten. Von den in der Fläche vertretenen Geldinstituten forderte Bülow mehr Know-How bei der wirtschaftlichen Beratung der Ärzte.

Eine Niederlassung dürfe nicht am Unverständnis der "normalen Hausbank" scheitern. Auch die häufigen Honorarreformen sind aus seiner Sicht schädlich, weil sie die Planungssicherheit beeinträchtigen.

Öffentlichkeit soll sensibilisiert werden

Der SHGT will das Thema weiter begleiten. Derzeit bereitet man ein Arbeitspapier vor, das Kommunen, Politik und Öffentlichkeit für das Thema sensibilisiert. Gemeinsam mit der KV will Bülow Gemeinden aufzeigen, wie Ärzte unterstützt werden könnten.

Lesen Sie dazu auch den Kommentar:
Junge Ärzte muss man locken

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