Ärzte Zeitung, 31.05.2011

VUD kritisiert Pläne zu Oldenburger Uniklinikum

Drei Oldenburger Krankenhäuser wollen zusammenwachsen zur Universitätsklinik Oldenburg (UKO) - das ruft die Kritik der Unikliniken auf den Plan.

Von Christian Beneker

"Unikliniken Hamburg und Hannover - das reicht doch!"

Das Klinikum Oldenburg: Es ist eines von drei Krankenhäusern, aus denen die Uniklinik gebildet werden soll.

© Klinikum Oldenburg

OLDENBURG. Geht es nach den Planern, so soll zum Wintersemester 2012 der erste deutsche Bachelor-Master-Studiengang für Medizin an den Start gehen - und zwar als European Medical School Oldenburg-Groningen in Kooperation der Universitäten Groningen in Holland und Oldenburg (wir berichteten).

Eben erst wurde der Gründungsdekan benannt: Professor Eckhart Georg Hahn, derzeit Dekan der Fakultät für Gesundheit der Universität Witten/Herdecke. Das evangelische Krankenhaus Oldenburg, das Pius-Hospital und das Klinikum Oldenburg sollen parallel dazu zum Uniklinikum Oldenburg (UKO) werden.

Siewert kritisiert Oldenburger Pläne

Professor Rüdiger Siewert, Vorstandsvorsitzender des Verbandes der Universitätsklinika Deutschlands (VUD), kritisierte das Vorhaben der Oldenburger: "Ich kann nicht verstehen, wie das gehen soll", sagte Siewert der "Ärzte Zeitung", "in Oldenburg fehlt es einfach an der Qualität, um eine Uniklinik einzurichten." Er sieht Oldenburg nicht im Kreis der Uni-Klinika. "Der VUD ist keine Laienspielgruppe."

Überhaupt sieht Siewert keinen Anlass für eine weitere Uniklinik im Nordwesten. "Wir haben Hamburg und Hannover, das reicht doch!", sagt er. Zwar habe Oldenburg "eine faire Chance verdient, aber der Wissenschaftsrat hat die Messlatte hoch gelegt." Legt man einen Forderungskatalog des VUD zugrunde, so müsste Oldenburg 60 hauptamtliche humanmedizinische Professuren bieten und 150 Studienanfänger pro Jahr.

Wissenschaftsrat sieht Nachbesserungsbedarf

Der Wissenschaftsrat (WR) hat auf Antrag Niedersachsens eine Beurteilung zum Thema Uni-Klinik in Oldenburg abgegeben. Darin heißt es, das Oldenburger Vorhaben werde begrüßt, aber die drei Kliniken hätten erheblichen Nachbesserungsbedarf, um ihr Ziel zu erreichen. Es fehle zum Teil an ausreichender wissenschaftlicher Expertise.

Außerdem sei die Leistung in der Grundlagenforschung bisher zu gering, "um das notwendige Methodenspektrum für eine forschungsbasierte Lehre ausreichend sicherzustellen". Es fehle dem Personal zum Teil an universitätsmedizinischer Qualität.

Stufenplan soll vorgelegt werden

Oldenburg plant, 21 der 24 außerplanmäßigen Professorinnen und Professoren als ordentliche Profs zu übernehmen, um zunächst 40 Studienanfänger zu unterrichten. Der Rat empfiehlt dagegen, "nur eine sehr geringe Anzahl" als ordentliche Professoren zu übernehmen und ansonsten auf "berufungsäquivalente Verfahren", zu setzen, um an qualifizierteres Personal zu gelangen.

Die Kosten für weitere Fachleute in der Fakultät für Mathematik und Naturwissenschaften würden unterschätzt. Zudem sei die Form einer GmbH der drei Kliniken "unzureichend", so der Wissenschaftsrat.

"Der Initiator des Projektes, Professor Rudolf Raab vom Klinikum Oldenburg, erklärte: "Der Wissenschaftsrat weiß natürlich, dass wir am Anfang noch nicht das Endergebnis vorlegen können." Will sagen: Die Berufung neuer ordentlicher Professoren werde dann einsetzen, wenn die zunächst aus den drei Krankenhäusern Übernommenen in den Ruhestand gehen. "Wir werden einen Stufenplan vorlegen", so Raab.

Geld vom Land Niedersachsen nötig

"Schon jetzt können wir außer der Transplantationsmedizin alles abdecken", sagte der Geschäftsführer des Klinikums Oldenburg, Rudolf Mintrop. Auf jeden Fall braucht das Uniklinikum Oldenburg Geld vom Land Niedersachsen. Laut Raab kostet die Grundausstattung einer klinischen Professur je nach Fach und Situation zwischen 100 000 und 500 000 Euro im Jahr.

Klar, dass die beiden Uniklinika Hannover und Göttingen fürchten, weniger Geld vom Land zu erhalten, weil Oldenburg auf den Plan tritt. Diese Ängste hält Raab für unbegründet. Überflüssig findet er das neue Uniklinikum gar nicht.

"In Niedersachsen leben zehn Prozent der deutschen Bevölkerung, aber nur fünf Prozent der Medizinstudierenden studieren hier in zwei Fakultäten. Bayern und Baden-Württemberg haben nur etwas höhere Bevölkerungszahlen aber je fünf Fakultäten", so Raab.

Wahl der Unternehmensform

Neben der personellen Ausstattung macht dem UKO die Unternehmensform zu schaffen. Die ursprünglich geplante GmbH ist dem Wissenschaftsrat zu locker. "Wir werden ein neues tragfähiges Konzept für die drei Krankenhäuser entwickeln", so Raab.

"Wir werden keine Universitätsklinik nur auf dem Papier werden", sagt er, "und wir werden mit einer Stimme sprechen."

Demnächst wird der Gründungsausschuss des UKO zusammentreten. Mit am Tisch: Vertreter der Uni Göttingen und der MHH. Die Oldenburger planen den Start der neuen Fakultät für das Wintersemester 2012/ 2013.

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