Ärzte Zeitung, 06.10.2011

Gesundheitstreff für Migrantinnen in Frankfurt

Sie sind oft völlig verunsichert, wenn es um ihre eigene Gesundheitsversorgung und die ihrer Kinder geht. Ein interkultureller Treff in Frankfurt am Main will Frauen mit Migrationshintergrund helfen.

Von Sabine Schiner

Gesundheitstreff für Migrantinnen

Türkische Frauen mit Kopftüchern - für viele Frauen ist das deutsche Gesundheitswesen undurchsichtig.

© Gero Breloer / dpa

FRANKFURT/MAIN. Für viele Migranten ist das deutsche Gesundheitswesen undurchsichtig und fremd. In Frankfurt/Main gibt es seit Jahresanfang einen interkulturellen Gesundheitstreff im Nachbarschaftsbüro in der Nordweststadt.

Jeden Dienstag von 10 bis 12 Uhr ist die Anlaufstelle geöffnet. "Das Angebot wird gut angenommen", sagt die Projektkoordinatorin Margit Schmalhofer von der Selbsthilfe Frankfurt.

"Die Verunsicherung ist groß"

Wie finde ich einen türkisch sprechenden Kinderarzt? Was ist eine Vorsorgeuntersuchung? Welcher Sportverein ist der Richtige für mein Kind? Mit solchen Fragen hat es Ümmügül Bükin in der Sprechstunde zu tun.

Die interkulturelle Gesundheitslotsin klärt die Besucher, es sind meist junge türkische Frauen mit Kindern, über Themen wie Ernährung, Prävention, Sport oder seelische Gesundheit auf. Sie erklärt auch die Grundlagen des deutschen Gesundheitssystems und erläutert, welche Kosten die Krankenkassen für bestimmte Behandlungen übernehmen. "Die Verunsicherung ist groß", erzählt sie.

Ümmügül Bükin leistet auch erste Hilfe bei Alltagsproblemen. Sie vermittelt Deutschkurse, übersetzt für die Migrantinnen Arztbriefe oder hilft beim Ausfüllen von Formularen. Bei Bedarf hat sie auch Adressen von mehrsprachigen Arztpraxen parat. "Wenn ich höre, dass jemand mit einem Arzt besonders zufrieden ist, dann notiere ich mir das", sagt sie.

Gute Zusammenarbeit mit Gesundheitsnetzwerk

In regelmäßigen Abständen organisiert sie Gesundheitsgespräche, etwa zum Thema Kindergesundheit. Kürzlich hatte sie auch eine Frauenärztin eingeladen, die über Themen wie Wechseljahre und Vorsorgeuntersuchungen referierte. Viele Frauen, so Ümmügül Bükin, seien gut vorbereitet mit einer Frageliste zum Vortrag gekommen. "Das war ein Erfolg", freut sie sich.

Die Gesundheitslotsin ist gut vernetzt und arbeitet eng mit dem Gesundheitsnetzwerk des Stadtteils zusammen. Ihm gehören Ärzte, Therapeuten, Vereinsvertreter, Politiker und Vertreter von Beratungsstellen an. "Oft reicht es schon aus, wenn Angebote koordiniert werden", sagt Margit Schmalhofer.

TK fördert das Angebot zwei Jahre

Zu den Projektpartnern gehören das Amt für Gesundheit, die Selbsthilfe-Kontaktstelle, die Diakonie und das Frankfurter Programm Aktive Nachbarschaft. Die Techniker Krankenkasse fördert das Angebot für zwei Jahre mit 19.000 Euro. Geplant sind Sport- und Gymnastikkurse für Migrantinnen.

Auch beim Thema Pflege sieht Ümmügül Bükin noch Bedarf. In vielen Familien seien es traditionell die Frauen, die sich um die Alten und Kranken kümmerten. Sie trügen eine hohe Verantwortung. Allerdings sei es "eine hohe Kunst", ältere Migrantinnen zu erreichen.

Sie hofft, dass sich die Angebote des interkulturellen Gesundheitstreffs nach und nach herumsprechen. "Mundpropaganda ist wichtiger als Flyer", so die Erfahrung von Margit Schmalhofer.

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