Samstag, 1. November 2014
Ärzte Zeitung, 08.11.2011

Nachruf auf Jörg-Dietrich Hoppe

Hoppe - Kämpfer für einen freiheitlichen Arztberuf

Professor Jörg-Dietrich Hoppe ist tot. Er starb am 7. November nach kurzer und schwerer Krankheit. Vor wenigen Tagen ist Jörg-Dietrich Hoppe 71 Jahre alt geworden. Für viele kam die Nachricht völlig überraschend.

Kämpfer für einen freiheitlichen Arztberuf

Im Alter von 71 Jahren ist Jörg-Dietrich Hoppe gestorben.

© dpa

Erst im Juni hatte sich Jörg-Dietrich Hoppe als Präsident der Bundesärztekammer und Präsident des Deutschen Ärztetages von der bundespolitischen Bühne verabschiedet - nach Jahrzehnten aufopferungsvoller Arbeit für die Ärzteschaft.

Trotz seines angegriffenen Gesundheitszustands hatte er seinen Kollegen beim Ärztetag in Kiel versprochen, auch künftig gegen Ungerechtigkeiten im Gesundheitssystem seine Stimme zu erheben. Bis zu seinem Tod war der Ehrenpräsident des Ärztetages und der Bundesärztekammer auch Kammer-Chef in Nordrhein.

Wahl zum BÄK-Präsidenten 1999

Erstmals wurde Hoppe 1999 in Cottbus zum Präsidenten der Bundesärztekammer gewählt. Er trat damals die Nachfolge von Professor Karsten Vilmar an und setzte sogleich seine politischen Akzente - zunächst gegen eine rot-grüne und später gegen eine rot-schwarze Gesundheitspolitik.

Der Mann des Ausgleichs und der Harmonie profilierte sich als harter Gegner der Ministerinnen Andrea Fischer (Grüne) und Ulla Schmidt (SPD). Das stieß auf Sympathie bei den Kollegen: Seine Wiederwahl 2003 beim Ärztetag in Köln war somit reine Formsache.

Hoppe stellte sich an die Spitze der Ärzteproteste

Die Folgejahre sollten den Präsidenten von einer noch härteren Seite zeigen. Er stellte sich an die Spitze der Ärzteproteste, die im Jahr 2006 ihren Höhepunkt fanden.

Sie waren Ausdruck einer tiefen Sorge über die Folgen politischer Weichenstellungen: der Ökonomisierung der Medizin, ihrer Kommerzialisierung und einer heimlichen Rationierung auf Kosten der Patienten.

 Die Proteste schweißten die Ärzte im gemeinsamen Bestreben für mehr Freiberuflichkeit zusammen. Wie ein roter Faden zog sich die Forderung nach einer offenen Priorisierung, nach einem gesellschaftlichen Diskurs über die Möglichkeiten der modernen Medizin durch Hoppes Amtszeit.

Sein Monitum blieb bei der Politik bis heute ungehört. Für seinen Nachfolger ist es ein Vermächtnis.

Politik gelernt hat Hoppe beim Marburger Bund

Rückblende: Als Hoppe 1970 und 1971 im Streit um eine Vergütung der Bereitschaftsdienste den ersten Streik des Marburger Bundes mitorganisierte, den berühmten "Bleistiftstreik", entdeckte er seine Leidenschaft für die ärztliche Berufspolitik, die ihn seinen ganzes Leben nicht mehr losließ.

Auch die spätere Arbeit im Vorstand der Bundesärztekammer trug bereits seine Handschrift, lange bevor Jörg-Dietrich Hoppe Präsident der Bundesärztekammer wurde.

Mitte der 70er Jahre stellte Hoppe zusammen mit seinen Kollegen im Vorstand der Bundesärztekammer maßgeblich die Weichen für die politische Ausrichtung der Kammer. Parallel dazu machte Hoppe in der Ärzte-Gewerkschaft Karriere. Von 1979 bis 1989 war er Vorsitzender des Marburger Bundes.

Hoppe nimmt sich Herausforderung Wiedervereinigung an

1991 schaffte Hoppe den Sprung in das Spitzengremium der Bundesärztekammer. Die Delegierten wählten Hoppe in Hamburg zum Vize-Präsidenten der Bundesärztekammer und des Deutschen Ärztetages.

Eine weitere Zäsur markierten die Jahre zwischen 1989 und 1992. Es waren die Jahre der Wiedervereinigung - für Hoppe eine große Herausforderung.

Sein Ziel war es, die Versorgung in beiden Teilen Deutschlands auf ein gemeinsames hohes Niveau zu stellen. Dazu war es wichtig, etwa die Weiterbildungsgänge zu harmonisieren. Dies gelang ihm 1992.

Bescheidener, kluger und warmherziger Mensch

Wer die letzten Jahre seiner Amtszeit Revue passieren lässt, stellt fest, dass sich Hoppe neben seinem Engagement für den Erhalt der Freiberuflichkeit immer stärker um ethische Fragen in der Medizin gekümmert hat. Damit ist er nicht selten angeeckt, hat Proteste hervorgerufen - auch innerhalb seiner eigenen Profession.

Doch davon hat sich Hoppe nie irritieren lassen. Er ist stets für seine Überzeugungen eingetreten. Und sollte er sich geirrt haben, hat er auch zu diesen Fehlern gestanden.

Hoppes Tod ist ein schmerzhafter Verlust für seine Familie. Hoppes Tod ist aber auch ein großer Verlust für all diejenigen, die ihn am Rande der großen Auftritte als einen bescheidenen, loyalen, klugen und warmherzigen Menschen erlebt haben.

Wolfgang van den Bergh

Lesen Sie dazu auch:
Jörg-Dietrich Hoppe ist tot
Bundesweite Trauer um Hoppe

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[10.11.2011, 09:55:20]
Dr. Ursula Günther 
Einer, für den man sich nicht schämen mußte.
Danke für den Nachruf! - Stimmt! Hoppe war ein Arzt, für den man sich als Arzt nicht schämen mußte, wenn man Äußerungen von ihm oder etwas von seinem Tun erfahren hatte. Vermutlich, weil er sich seines eigenen Schamgefühls noch nicht entledigt hatte. Bin wirklich traurig.  zum Beitrag »

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