Ärzte Zeitung, 17.11.2011

Hygieniker mahnen mehr Nachwuchs an

BERLIN (wul). Um das am 1. Juli in Kraft getretene verschärfte Infektionsschutzgesetz umsetzen zu können, haben Hygiene-Experten bei den 11. Berliner Gesprächen vor allem im ärztlichen Bereich deutlich mehr qualifiziertes Personal gefordert.

"Zurzeit werden pro Jahr bundesweit nur wenige Fachärzte für Hygiene ausgebildet", beklagte Professor Volkhard Kempf vom Institut für Medizinische Mikrobiologie und Krankenhaushygiene der Universität Frankfurt. Das sei eindeutig zu wenig, um die Ziele des Gesetzes zu erreichen.

Insgesamt schaffe das Hygieneschutzgesetz aber eine gute Basis im Kampf gegen multiresistente Keime in den Kliniken, waren sich die Hygiene-Experten auf dem Diskussionspodium einig.

Angesichts des Mangels an Fachpersonal dämpften sie allerdings die Erwartungen auf eine rasche Umsetzung des Gesetzes.

Fast 300 zusätzliche Ärzte benötigt

Um die Empfehlung des Robert-Koch-Instituts (RKI) zur Krankenhaushygiene und Infektionsprävention anwenden zu können, würden beispielsweise rund 270 Hygiene-Fachärzte, 1800 hygienebeauftragte Ärzte und 1300 Hygienefachkräfte gebraucht, rechnete ein Vertreter der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG) vor.

"Auch dann wird nicht jede Klinik über einen eigenen Hygiene-Facharzt verfügen", sagte er.

Professor Martin Exner vom Hygiene-Institut der Universität Bonn forderte, dass Ärzte und Pflegekräfte bereits in ihrer Ausbildung lernen sollen, wie sie Hygiene in alltägliche Behandlungsprozesse sinnvoll integrieren können.

Keime machen an Sektorengrenzen nicht halt

Ohnehin könne der Kampf gegen multiresistente Erreger wie MRSA aus Sicht der Experten nur in Zusammenarbeit zwischen den Sektoren gewonnen werden.

"Hygiene ist ein multifaktorielles Geschehen. Es reicht nicht aus, sich ausschließlich auf Krankenhäuser zu fokussieren", mahnte Kempf. Oft sei die Kommunikation zwischen dem ambulanten und dem stationären Sektor aber mangelhaft.

Deshalb ist es aus Sicht des Hygiene-Experten besonders wichtig, funktionierende Abläufe für solche Patienten zu schaffen, die die Sektorengrenzen durch eine Krankenhauseinweisung oder -Entlassung überschreiten und potenziell gefährliche Keime an sensiblen Einrichtungen verbreiten können.

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