Ärzte Zeitung, 31.01.2013

Notfallsanitäter

Gefahr für die Notfallmedizin?

Das Notfallsanitätergesetz lässt bei Notärzten alle Alarmglocken läuten. Im Bundestag warnten Ärzte davor, die Mediziner durch den neuen Berufsstand ersetzen zu wollen. Nicht nur die Rettungsdienste halten diese Vorbehalte für stark übertrieben.

Von Anno Fricke

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Immer ein Fall für den Doktor?

© Rüdiger Wölk / imago

BERLIN. Die Bundesärztekammer und Verbände der Notfallmediziner und Anästhesisten haben den Entwurf des Notfallsanitätergesetzes scharf angegriffen. Umstritten sind die Passagen, die den Notfallsanitätern "invasive Maßnahmen" und das "eigenständige Durchführen von heilkundlichen Maßnahmen" erlauben würden.

Unterschiedliche Meinungen gibt es auch zu den im Gesetzentwurf genannten Kosten von 42 Millionen Euro im Jahr für den neuen Beruf. Die geplante neue Berufsgruppe in den Rettungsfahrzeugen als Unterstützer für die Notärzte an und für sich stößt dagegen auf allgemeine Zustimmung.

In einer Expertenanhörung im Bundestag warnte Dr. Annette Güntert von der Bundesärztekammer vor zu hohen Erwartungen an das Gesetz.

Weder werde das neue Berufsbild die präklinische notfallmedizinische Versorgung der Patienten verbessern, noch ließe sich damit Geld sparen, wie es der Entwurfstext andeute.

Vielmehr drohe eine Verschlechterung der Notfallversorgung und der Patientensicherheit, da die geplante dreijährige Ausbildung für die Sanitäter nicht ausreiche, die Folgen ihres Handelns abzuschätzen und Komplikationen zu beherrschen.

Damit sei auch zweifelhaft, ob die aufgewertete Ausbildung tatsächlich Behandlungsfolgekosten einsparen helfe.

In dieses Horn stieß auch Frank Riebandt, der die Notärzte in Deutschland vertrat. Nicht einmal die Approbation biete ausreichende Sicherheit zur Versorgung von Notfallpatienten. Deshalb gebe es die Zusatzweiterbildung "Notfallmedizin".

Selbst Pflegepersonal benötige eine zweijährige Zusatzqualifikation, um auf Intensivstationen eingesetzt werden zu können. dennoch billige ihnen der Gesetzgeber derartig weitreichenden Kompetenzen wie den neuen Notfallsanitätern nicht zu, sagte Riebandt.

Weniger rigide äußerte sich Professor Bernd Böttiger für die Deutsche Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin. Bei den in Frage stehenden heilkundlichen und invasiven Tätigkeiten könne es sich ja nur um solche handeln, die der Sanitäter tatsächlich erlernt habe und beherrsche.

Wichtiger sei zu verhindern, dass mit dem Gesetz die "notarztfreie Notfallrettung" etabliert werde.

Deshalb sollten die Sanitäter lediglich bis zum Eintreffen des Notarztes Verantwortung tragen und nicht selbstständig den Transport ins Krankenhaus organisieren dürfen.

Weniger Absolventen erwartet

Die Gegenreden hielt Marco König vom Deutschen Berufsverband Rettungsdienst (DBRD) und der Einzelsachverständige Dr. Christopher Niehues. "Es geht nicht um Notfallnarkose, um Thoraxdrainage oder darum, Hälse aufzuschneiden, wenn von invasiven Maßnahmen die Rede ist", sagte König in der Anhörung.

Es gehe in erster Linie um Reanimation, die Linderung der Luftnot und die Gabe von Schmerzmitteln.

Schmerzmittel zu verabreichen, sei nach dem vorliegenden Gesetzentwurf nicht erlaubt, ergänzte Niehues. Schon dies falle unter den Begriff invasiv. Selbst bei schweren Verbrennungen dürfe der Notfallsanitäter keine medikamentöse Schmerztherapie einleiten.

Dies erlaube das Gesetz nur dann, wenn eine konkrete Verschlechterung des Zustandes des Verletzten zu erwarten sei. Das sei aber trotz Schmerzen nicht immer unbedingt der Fall.

Niehues plädierte daher für mehr Kompetenzen für die Notfallsanitäter, um den Anspruch der Patienten auf optimale medizinische Versorgung befriedigen zu können.

Umstritten war in der Anhörung auch, ob der Gemeinsame Bundesausschuss beauftragt werden solle, eine Richtlinie zur Übertragung von Aufgaben auf die neue Berufsgruppe erarbeiten solle.

Während Niehues sich dafür aussprach, um bundesweit geltende Grundregeln zu erhalten, auf denen die regional unterschiedlichen Vorgaben der Ärztlichen Leiter von Rettungsdiensten aufsetzen könnten, sprach der Einzelsachverständige Dr. Hartwig Marung dem GBA die Kompetenz an dieser Stelle ab.

Auch die BÄK war dagegen, den GBA einzuschalten, und verwies auf die Empfehlungen der Kammer zu Delegation und Substitution ärtztlicher Leistungen.Ein uneinheitliches Bild ergab sich auch bei der Diskussion über die Finanzierung.

38 Millionen Euro mehr im Jahr soll laut Gesetzentwurf die gesetzliche Krankenversicherung für die Ausbildung der neuen Berufsgruppe aufbringen. Das stieß auf die "grundsätzliche Ablehnung" durch die Kassenseite.

Der Rettungsdienst sei eine öffentliche Aufgabe und müsse daher aus Steuermitteln getragen werden, sagte Robin Rüsenberg vom GKV-Spitzenverband. Zudem gehe die GKV von Mehrkosten bis zu 200 Millionen Euro im Jahr aus.

Die Deutsche Krankenhausgesellschaft schätzt die Belastungen nur für die Ausbildungskrankenhäuser auf 62 Millionen Euro im Jahr. Der Berufsverband Rettungsdienst geht dagegen von sinkenden Ausbildungszahlen und damit auch -kosten aus.

Derzeit würden etwa 4000 Rettungsassistenten im Jahr ausgebildet. Mit der Aufwertung des Berufes steige dessen Attraktivität, die derzeit noch hohe Fluktuation sinke. Die Zahl der Absolventen werde daher auf 2000 bis 2500 zurückgehen.

[14.03.2013, 22:52:09]
Michael Kraus 
Ein paar Worte
Hallo Herr Soll,

ich wollte Ihnen vorneweg nur kurz meinen Dank für Ihre beiden Beiträge aussprechen, es ist selten und daher eine mehr als angenehme Überraschung, wenn man auch mal Unterstützung von akademischer Seite aus bekommt. Vielen Dank.

Nachdem die medizinischen Assistenzberufe sowieso nur eine vergleichsweise kleine Lobby zur Verfügung haben, so ist die des Rettungsdienstpersonals, gegenüber den aufgeblasenen Interessenvertretungen der Ärzteschaft, geradezu mickrig. Prinzipiell bin ich mittlerweile schon glücklich, dass im Rahmen des Notfallsanitätergesetzes, von Seiten des Gesetzgebers aus, nicht über unsere Köpfe hinweg entschieden wurde, sondern der zukünftigen gesellschaftlichen Entwicklung Rechnung getragen wurde - und weniger den scheinheiligen Befürchtungen so mancher Kammer bzw. so manchen Berufsverbandes. Und trotzdem hat man in meinen Augen dieses Gesetz wieder nur halbherzig zu Papier gebracht. Aber was wurde Vorweg nur für eine Schlammschlacht ausgetragen, sachliche Kritik wurde systematisch durch Polemik und Behauptungen ersetzt, Befürchtungen ins Feld geführt, die einer kurzen Überprüfung nicht im Ansatz standgehalten hätten, aber auf Laien durchaus den Eindruck gemacht haben müssen, als wäre auf Seiten des Rettungsdienstpersonals nur ein Haufen wilder Desperados unterwegs, die eine Gefahr für den Patienten darstellen, weil sie Maßnahmen für sich proklamieren, bei denen sogar die BAND im kleinlauten Kalkül zugegeben hat, dass sie von einem Großteil der Notärzte ebenfalls nicht beherrscht werden. Wenn man so vor "aller Welt" die Hosen hinunterlässt, dann scheint die Angst wirklich tief zu sitzen, dabei ist doch ganz unbestritten, dass der Notarzt weiterhin seine Daseinsberichtigung hat, einfach weil es Maßnahmen gibt, die einer großen klinischen Erfahrung bedürfen, wie z. B. die Narkoseeinleitung, oder das schwierige Atemwegsmanagement.
Schade ist allerdings, dass zwar von ärztlicher Seite aus das Notfallsanitätergesetz meist nur kritisiert wurde, aber ihrerseits nur eingeschränkt die Bereitschaft dazu gezeigt wurde, auch die notärtzliche Versorgungsqualität flächendeckend zu verbessern. So kann es nicht sein, dass es Notärzte gibt, die Herzinfarkte nach den neuesten Guidelines versorgen, während andere die Therapie weiterhin nach Gutdünken durchführen. Hier wäre es wünschenswert, würde die Patientenversorgung, nach den neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen erfolgen und zwar durch alle, die Hand an den Patienten legen. Hierzu trägt das Notfallsanitätergesetz auf Seiten des Rettungsdienstpersonals bei, aber was tut dies auf notärztlicher Seite?
Hier zeigt sich in meinen Augen auch der Vorteil der viel kritisierten Paramedicsysteme, wie sie z. B. in hoher Qualität in der Schweiz, in den Niederlanden, Kanada, in Teilen der USA, Australien, Skandinavien und anderen Ländern durchgeführt werden. Nämlich das, was diesen Systemen oft zur Last gelegt wird, machen sie selbst durch ihre eigene Struktur sichtbar, einfach weil sie deutlich transparenter, als das hiesige System sind. So wird dort ausnahmslos nach dem Stand der derzeitigen Wissenschaft gearbeitet, stets evaluiert, stets auch selbstkritisch. Nun kann man das nichtarztgestützte Notfallwesen durchaus kritisieren, aber bitte nur dann, wenn hier selbst so transparent gearbeitet werden würde wie dort. Das erklärt auch, warum es bis heute keine einzige Studie gibt, die beide Systeme objektiv miteinander verglichen hat, oder vergleichen wollte.
Im deutschen Rettungswesen steht noch viel Arbeit an die getan werden muss - und zwar mit- und nicht gegeneinander. Gegenseitige Polemik und Misstrauensbekundungen schaden nicht nur der Arbeit zwischen Rettungsdienstpersonal und den Notärzten, sondern in erster Linie den Patienten. Kritik untereinander muss natürlich erlaubt sein, aber nie aus einer Vormachtsstellung heraus, sondern immer auf Augenhöhe und immer mit einer Erklärung, die das eigene Handeln auch nachvollziehbar macht.

Schönen Abend noch. zum Beitrag »
[13.03.2013, 11:11:00]
Christian Soll 
„Veni creator spiritus“, oder: Was genau an meinem Beitrag, Herr Micka, haben Sie nicht verstanden?
Zunächst einmal möchte ich mich herzlich für Ihre Reaktion bedanken. Zeigt sie doch ganz deutlich, wie richtig ich inhaltlich lag und wie sehr Sie sich ganz offensichtlich angesprochen fühlten!

Zunächst stelle ich Ihnen offen die Frage, ob Sie tatsächlich Konsens suchen, oder ob es Ihnen ausschließlich um rhetorischen Wettstreit geht? Widmet man sich Ihrer „lyrischen Sackgasse“ näher, und das habe ich getan, dann erweckt sich in mir der Eindruck, dass letzteres der Fall ist.

Es erstaunt mich nicht, mit welch „sinistrer“ Art Sie Ihre Polemik verbreiten, denn dieser Modus operandi findet ja mitunter Einzug bis in die höchsten Interessensvertretungen unserer Branche. Es wäre hilfreich, Parolen wie „Held im Superauto“ dort zu verbreiten, wo Geschichten mit derlei reißerischer Aufmachung viel besser ankommen. Nämlich bei (Ihren?) provinziellen Stammtischrunden! An dieser Stelle erlauben Sie mir bitte die, sicher etwas „ketzerische“, Frage, ob die Typbeschreibung besagten Helds mit Superauto (das mit Blaulicht und „Sirene“, Sie meinen sicher Martins- und/oder Elektrohorn!), selbiges soll ja angeblich in seiner Wirkung auf gewisse „Persönlichkeitsstrukturen“ ähnliche Effekte erzielen wie ein PDE 5-Hemmer, nicht vielleicht doch besser auf Sie selber zutrifft? Dass das Enttäuschungspotenzial dann bei Ihren „Nullrunden“ im NEF Dienst derart hoch ist, ist, u.a. vor dem Aspekt, auch klar! Es ist aber auch wirklich unsäglich, dass gerade während Ihrer Dienstzeit keiner einen Unfall erleidet, den Sie dann mit IHREN (gar leibeigenen?) Rettungsassistenten dem Tod „von der Schippe holen" könnten! Tragisch, ohne Frage! Und das Sie dann weder Ihren Geldbeutel, noch den Fundus reißerischer Stammtischgeschichten füllen können, ist natürlich noch viel tragischer! Für „desperate“ Notarztkollegen habe ich aber einen echten Tipp gegen Langeweile im Dienst: Beim Ausbleiben morbider Einsatzsituationen nicht das von Ihnen empfohlene Cape bestellen oder nähen lassen, sondern in der einsatzfreien Zeit einfach selber klöppeln! Wer sicher im Umgang mit ZVK & Co. ist, weil die ganzen überheblichen Nichtskönner (die [leibeigenen?] Assistenten) immer die besten Venen verstechen, für den stellt doch eine „Strick Liesel“ auch keine Herausforderung dar.

Ad rem:
Ihr billiger Versuch, mich „kleinzukriegen“ lässt ja gar keinen anderen Rückschluss zu, als dass Ihnen gute Argumente ausgegangen sind bzw. diese Ihnen erst gar nicht zur Verfügung gestanden haben! Was Sie tun ist der Versuch, mit Demagogie, das von mir angeprangerte Standesdenken weiter brachial, unsinnig und lauthals zu vertreten! Ob Sie ein einfacher Populist sind und das deshalb tun, weil Sie nun mal so sind, oder ob Sie tatsächlich an die von Ihnen verfasste und völlig irrige Auffassung glauben, entzieht sich meiner Kenntnis. Aber wie Sie es getan haben, das spricht schon Bände! Sie, der meine Vita nicht kennt, hat sich der für Demagogen „handelsüblichen“ Werkzeuge ermächtigt, indem er versucht, mit einem Argumentum ad hominem (getreu dem Motto „...ungeheuerlich, ein“Famulus“ begehrt auf...“!) zu polemisieren. Sie hofften schlicht auf Zuspruch, weil Sie natürlich davon ausgehen, dass die ÄRZTE Zeitung in der Majorität von selbigen gelesen wird! Ihre rabulistische(n) Tirade(n), so muss man es korrekterweise ja nennen, denn Argumente waren es ja keine, sollte(n) sich auf dieser Plattform in, ausschließlich für Sie, wahre Tatsachen verwandeln, da sie glaubten, die vermutete Meinung der für Sie relevanten Mehrheit hinter sich zu haben! Derartige Versuche, durch Autoritätsargumente berechtigte Kritiken an einem unsäglichen Zu-oder Umstand, aus niederen, ja gar pekuniären Gründen, denn offensichtlich ist Ihr Leitgedanke bspw. zum Notarztdienst ja gar kein altruistischer, sondern ein knallhart kalkulatorischer, niederzuschmettern, getreu dem Motto: „Immerhin bin ich hier der Träger der weißen Gotteskutte und habe alleine schon deswegen recht!“, misslingen mehr und mehr. Diese „ex cathedra“ verbreiteten Meinungen finden im 21. Jh. immer weniger Abnehmer, das sollten Sie wissen! Entsprechend obsolet ist natürlich auch Ihre Meinung, dass ausschließlich ein Mediziner ärztliche Kunst, so es sich denn überhaupt um solche handelt, beurteilen kann! Dieser von Ihnen behauptete Nonsens zeigt deutlich auf, mit was für einer Arroganz Sie Nicht-Medizinern gegenüber treten. Halten Sie Ihre Mitmenschen, gar Ihre eigenen Patienten, tatsächlich für so dumm, dass diese nicht beurteilen können, ob ärztliches Handeln „Hand und Fuß“ hat? Sie maßen sich an, in Ihrem Artikel eine juristisch fiktive Lage zu formulieren (Rechtfertigung der Gabe von Ketamin), obwohl Sie (vermutlich) gar kein Jurist sind? Garantiert haben Sie sich auch schon über andere, gesellschaftlich fragwürdige juristische oder (gesundheits-) politische Entscheidungen erzürnt und/oder sich dazu eine Meinung gebildet, gerade an (provinziellen) Stammtischen ist das ja Usus. Aber wie konnten Sie das bloß tun? Ohne juristische bzw. wirtschaftswissenschaftliche Ausbildung fehlt Ihnen dann doch denklogischerweise gänzlich der intellektuelle Zugang zu den Themen?!? Von der Befähigung einer Urteilsbildung ganz zu schweigen...! Überdenken Sie einfach mal Ihre Einstellung zum Beruf oder schulen Sie alternativ zum Frisör um, denn auch der trägt einen weißen Kittel und durfte, zumindest früher, sogar behandeln! Apropos weißer Kittel, in Ihrem Fall aber wohl besser „Götterkutte“:
Ihre Reaktion beweist, dass „vornehmes Understatement“ immer eine gute Taktik ist! Führt sie doch dazu, dass der Gegenüber die „Hosen runter“ lässt; so wie Sie es mir gegenüber taten, Herr Kollege Micka. An dieser Stelle darf ich mein „coming out“ mit meinem Dank für den Hinweis, was das Absolvieren eines Medizinstudiums zwecks Horizonterweiterung angeht, verbinden. Dies ist bereits geschehen! Hören Sie also auf, den Arztberuf als eine ganz besondere Kunst zu glorifizieren! Das „kauft“ keiner mehr! Ihr Artikel entbehrt jeglicher Wahrheit! Wahr ist, dass in reinen Pramedicsystemen das „Outcome“ für die Patienten mitunter ein deutlich besseres ist, als es in Notarzt gestützten Systemen der Fall ist. Lange oder kurze Transportwege spielen hierbei keine Rolle. Ich selbst habe als Notfallmediziner in einem solchen (amerikanischen) ER gearbeitet und weiß daher, wovon ich rede. (Das trifft auch für den Umgang mit Ketamin und Midazolam zu!) Auch vermag ich es als Wirtschaftswissenschaftler, der ich auch noch bin, Studien und Statistiken richtig zu interpretieren. Was es in den USA nicht gibt und was somit auch nicht vergleichbar ist, ist derart hinterwäldlerisches Standesdenken, wie es z.B. von Ihnen zum Thema praktiziert wird. Als jemand, der Kittel und Hörrohr an den Nagel gehängt hat, erlaube ich mir bisweilen deutlich kritischere Blicke auf das muntere Treiben innerhalb der deutschen Ärzteschaft. Dabei gelange ich gelegentlich zu Erkenntnissen, die zwar wahr sind, weil sie nicht nur mir genauso auffallen, bisweilen aber zu entsprechenden Gegenreaktionen führen. Damit kann ich sehr gut leben, beweisen diese Gegenraktionen mir doch eine gewisse Richtigkeit meiner Kritik. Man könnte hier auch vom berühmten Hund sprechen, der immer dann bellt, wenn er sich betroffen fühlt! Im Übrigen trägt ein derartiges Verhalten (bellen) zu einem katastrophalen (weiteren) Imageverlust der Ärzteschaft in der Öffentlichkeit bei, auch dessen muss man sich bewusst sein.
Abschließend möchte ich deutlich klarstellen, dass ich mit keinem Wort allgemein ärztliche oder auch „allgemeinärztliche“ Tätigkeit(en) in Misskredit gebracht habe! Dies wurde von Herrn Micka so dargestellt, entbehrt aber jeglicher Wahrheit. Auch habe ich mich ausdrücklich nicht dafür ausgesprochen, dass Notarzt System ersatzlos zu streichen, sondern ich sprach von einem sinnvolleren Einsatz dieser Ressource in Zukunft! Herr Micka braucht also auch keine Angst davor zu haben, dass ich ihm sein „Lieblingsspielzeug“ (das NEF) ganz wegnehmen möchte. Selbstreflexion, Herr Micka, ist übrigens ein probates Mittel, aus Ängsten heraus resultierende Überheblichkeiten abzubauen! Vielleicht gelingt es Ihnen dann künftig auch besser, mit weniger Polemik, dafür aber mit mehr Fakten, zu argumentieren. Mit kollegialer Empfehlung!















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[07.03.2013, 12:11:01]
Maximilian Micka 
Antwort an Herrn Christian Soll
Geschätzter Herr Soll,
ich habe Ihren Kommentar mit großer Aufmerksamkeit gelesen und erlaube mir Ihnen in den folgenden Punkten zu widersprechen:
1. Standesdenken
Ich darf feststellen, daß Ihre Meinung von uns Ärzten nicht besonders groß ist. Sie verweisen auf die Unfähigkeit der Hausärzte und der Notärzte mit dem Tenor: "Gott sei Dank ist ein Rettungssanitäter dabei, sonst würde der Patient ja gar nicht überleben....".
Ich finde diese Haltung sehr schade, torpediert sie doch die Möglichkeit dieses Thema sachlich anzugehen. Ich müßte dann unseren Ärztejargong zitieren und von Möchtegernhelden sprechen, die vor Ankunft des Arztes bereits die drei (SIC!!) besten Venen des Patienten verstochen haben, die mir zu einem dringenden Transport eines jungen Patienten mit Hals-Nacken-Verspannung in die Neurologie raten, obwohl der Patient nach kurzer Behandlung zuhause bleiben kann (alles persönlich und genau so schon erlebt).
Ich schlage vor, wir sprechen lieber von der kompetenten und kompetenzerweiternden Zusammenarbeit, wo meine Rettungsassistenten froh über mein Erscheinen sind, weil in diesem Moment jemand da ist, der eine breitere Fachkenntnis in der Medizin insgesamt hat und die tiefe notfallmedizinische Fachkenntnis der Sanis ergänzt und weil jemand da ist, der alles medizinische Handeln bis zur Übergabe juristisch verantworten kann.
Ich jedenfalls wünsche Ihnen viel Freude beim Gespräch mit dem Richter, wenn sie einen Patienten mit Ihren 5 mg Mida und 50 mg Ketanest in die Apnoe gespritzt haben. ("Ja mei- da muß man halt bebeuteln / Wofür gibt's Anexate ...." OK - viel Spaß beim Gespräch mit ihren Kollegen und Vorgesetzten, ob das jetzt notwendig war.) So viel zum Standesdenken. Prüfen Sie bitte Ihr eigenes!
2. Ausbildung und Fähigkeiten
Sie werden mir zustimmen, daß es in jedem Beruf Typen gibt, die sich das vor der Berufswahl besser überlegt hätten. Das gilt auch bei Ärzten. Aber nicht ausschließlich und auch nicht im besonderen.
Ich schlage mal vor, sie setzen sich mal nur für eine Woche an die Stelle eines der von Ihnen so offensichtlich verachteten Hausärzte und übernehmen seine Verantwortung. Es wird Ihnen im Laufe des ersten Vormittages bereits der Hochmut vergangen sein! Eine Beurteilung, ob ein Arzt fähig ist oder nicht steht Ihnen leider als Nicht-Arzt nicht zu! Sie können die Hälfte der Beweggründe eines Arztes während seiner Behandlung nicht nachvollziehen. Ob Sie dann im Nachhinein recht haben oder nicht spielt keine Rolle. Miteinander sprechen wäre aber hilfreich.
3. Liquidation
Ein Notarzt wird im Einsatz nur für den Patientenkontakt sowie und die Leistungen, die er erbringt oder anordnet. Die Bereitschaftspauschale ist meist vernachlässigbar.
Ein Rettungssanitäter erhält für eine gewisse Dienstzeit einen Stundenlohn - egal was und wieviel er arbeitet.
Nachdem der Rettungssanitäter hauptberuflich seiner Tätigkeit nachgeht und der Notarzt oft in seiner Freizeit tätig ist (Nachts, Wochenende, Feiertage) spielt die Einsatzdichte für den Sani selbstverständlich eine untergeordnete Rolle - im Gegensatz zum Notarzt. Ich persönlich ärgere mich über jede "Nullrunde" in der ich meine Familie vernachlässigt habe, meine Freizeit geopfert habe und vielleicht zusätzliche Strapazen auf mich genommen habe wenn ich nicht einen zusätzlichen Cent dabei verdient habe. Wollen Sie mir das mißgönnen? Oder halten Sie einfach meine Tätigkeit insgesamt für überflüssig? Glauben Sie mir, wenn ich sage, daß ich bei einer mittleren Einsatzdichte von 1,7 Einsätzen pro 24 h (SIC!!) mit einer durchschnittlichen Vergütung pro Patient von ca. 100 Euro VOR Steuern berechtigterweise über die Rentabilität meines Tuns Gedanken mache? Und gehen Sie mit mir konform, daß ich, wenn ich dies nun schon seit über 8 Jahren mache, dies auch aus durchaus nichtmateriellen Gründen tue? Ich finde, sie sollten Ihre Überheblichkeit in diesem Punkt nochmal auf den Prüfstand stellen!
4. "Von GIs für GIs": Amerikanisches Gesundheitssystem....
Ja, genau, Kriegs- und Krisenmedizin! Diese Äußerung bzw. dieses Schlagwort anzuführen weist Ihre persönliche Einstellung zum Beruf aus:
Der Held, der auszieht um im Superauto (mit Blaulicht und Sirene) auszieht, bei Wind und Wetter, Tag und Nacht, die Schwachen und Kranken zu retten, der Superheld, der sich aber leider immer als Sidekick im Schatten des Partners sieht (Robin immer unter der Fuchtel Batmans), der sich jetzt erwachsen wähnt und halt auch mal dürfen möchte... Lassen Sie sich ein Cape nähen! Mit Reflexstreifen! Dann können Sie auch endlich die graue Mütze weglegen. Aber nett, daß es aus Ihrer Sicht auch einige wenige Notärzte gibt, die auch was können - nach den Sanis halt...
Sie können doch das amerikanische System nicht mit dem deutschen vergleichen! Die Unterschiede sind zu groß! Die Krankenversorgung hüben wie drüben unterscheidet sich fundamental. Schon allein wegen der Distanzen die bisweilen zurückgelegt werden müssen. Nur daß es in Übersee ja "auch funktionert" bedeutet noch lange nicht, daß hierzulande mehr Leute auf dem Transport versterben während alle in den amerikanischen "emegency-rooms" gerettet werden. Wer dies glaubt, hat zu viel oder zu wenig der entsprechenden Serien gesehen.
Herr Soll, meine Ausführungen sollten Ihnen aufzeigen, daß Ihr Plädoyer für den Notfallsanitäter nicht zielführend sein kann. Sie müssen an mancher Stelle vor der eigenen Tür kehren! Alternativ können Sie auch gerne ein Medizinstudium beginnen, damit Ihren Horizont erweitern und die Probleme auch einmal von anderer Seite betrachten. Sie könnten dabei etwas Selbstreflexion lernen und Gedankengänge neu bewerten, die Sie vielleicht bis heute noch mit einer gewissen Sorglosigkeit behandeln.

Hochachtungsvoll

Maximilian Micka
Facharzt für Allgemeinmedizin
Notarzt (Mitglied der agbn)
Chirotherapie zum Beitrag »
[05.03.2013, 18:59:31]
Christian Soll 
Patientengesundheit vs. "Standesrecht und Standesdenken"
Ich kann mich Herrn Steenberg nur anschließen! Solche Fälle sind keine Ausnahme, sondern die traurige Regel! Hier wird die Unversehrtheit der Patienten auf dem Altar des Standesdenkens der Ärzteschaft schamlos geopfert! Es wird seitens der Ärzteschaft befürchtet, dass "Boden unwiederruflich verloren gehen könnte". Einschnitte im Standesrecht sind für ganz viele Kolleginnen & Kollegen ja auch gleichbedeutend mit Einschnitten finanzieller Art! Wenn plötzlich Maßnahmen von geschultem Assistenzpersonal und nicht mehr vom Medicus persönlich erbracht (und liquidiert) werden, ja wo kämen wir denn da hin?!? Nur darum geht es den Herrschaften! Dieses "Herrschen nach Gutsherrenart" im Gesundheitssektor ist mittlerweile unerträglich und kostet im schlimmsten Falle sogar Menschenleben! Das wird aber offensichtlich gerne inkauf genommen. Unsere Nachbarn bis hin in die USA liefern täglich den Beweis dafür, dass ein Paramedicsystem extrem effektiv sein kann! Die Ärzteschaft nebst den üblichen Lobbyisten versteht es nur, ein solches bis dato in Deutschland geschickt zu verhindern, Menschenleben hin oder her! Da wird von fachlicher Kompetenz für Notfallpatienten vor Ort gesprochen; zum totlachen! Wie oft "retten" denn erfahrene und gut ausgebildete Rettungsassistenten (RA), so wie im Beitrag zuvor, die Situation, weil die angeblich hochqualifizierten Akademiker hoffnungslos überfordert sind?!? Zustand nach "hilflosem Hausarzt", wie es im Leitstellenjargon in der Notfallmeldung per Funk oft hiess....! Dass Patienten die Schmerzen vernünftig therapiert bekommen, ist für mich nicht nur notfallmedizinisch zwingend notwendig, sondern schlicht und ergreifend ein Gebot der Menschlichkeit! Ketanest bspw. ist speziell im Vietnamkrieg zur Therapie schwerster Kriegsverletzungen entwickelt worden! "Von GI's für GI's". Und das soll heute für top ausgebildetes Personal (notärztliche Kollegen inklusive!) zu "unbeherrschbaren" Komplikationen führen?!? Ihr lieben "Flechter alter Zöpfe, Lobbyisten & Co.", wem wollt Ihr denn das weiß machen? Wenn wir über eine deutliche Erhöhung der Qualität im Rettungsdienst reden wollen, dann bitte richtig. Dann müsste es allerdings bundesweit zu Vereinheitlichungen kommen, was den "Notarzt" bzw. dessen formaljuristische Qualifikation angeht, nämlich: Facharztstatus in einem einschlägigen Gebiet! Nachweis über mind. ein Jahr intensivmedizinischer Tätigkeit (Gefälligkeitsatteste, nur um den NEF Dienstplan voll zu kriegen, zählen hierbei nicht!), absolute Sicherheit im Atemwegsmanagement (auch bei Kindern), Ausbildung in Einsatztaktik & Organisation. Thema Leitstelle: Hier koordinieren seit eh und jeh bundesweit Nicht-Ärzte die Einsätze. Bereits diese "Schnittstelle" müsste dann ärztlich besetzt werden. Die berechtigte Frage folgt unmittelbar: Wer soll denn das bezahlen? Denn dann sehe ich die meisten Oberärzte wieder Notarztdienst versehen und selbst bei deren Qualifikation bin ich da mitunter skeptisch. Einig sind wir uns auch, was die Gabe von Notfallmedikameneten angeht:Die BÄK kann hierzu lediglich Empfehlungen herausgeben, kein Gestz (Gott sei Dank!)! Bei diesen Empfehlungen handelt es sich allerdings leider viel zu oft um derartige, die aus einer Zeit stammen, als die "Krankenwagenfahrer" noch graue Mützen trugen, entsprechend "wertvoll" sind diese dann auch meistens...! Wer dafür sorgt, egal ob durch persönliches Handeln oder "nur" durch öffentliche Stimmungsmache, dass Patienten die situationsbezogene, dringend notwendige Therapie, auch durch Nicht-Ärzte, vorenthalten wird, der fordert m.E. öffentlich zu einer Unterlassung bzw. zur unterlassenen Hilfeleistung auf und gehört augenblicklich "entsorgt"! Mal ganz abgesehen davon: Als es um die Beschneidung von Kindern muslimischer oder jüdischer Eltern ging, da wurde (aus Angst vor einem allzu starken Gegner) sehr schnell klein beigegeben und die verantwortlichen zogen sich erbärmlich aus der Affäre! Es wurde einfach zugelassen, dass ein Nicht-Arzt, bspw. ein Rabbi, einen chirurgischen Eingriff an einem Säugling durchführen darf, fachgerecht natürlich......!!!! Und hier soll medizinischem Fachpersonal, die auf nichts anderes als Notfallmedizin gedrillt wurden, verboten werden, bspw. ein Quick Trach zu benutzen, 50 mg Ketamin oder 5 mg Midazolam bei einem Krampfanfall zu spritzen?!? Es ist unfassbar, wir geben uns in diesem Land mehr und mehr der Lächerlichkeit preis! Nur, und das abschließend, um nicht falsch verstanden zu werden, das NA-System gänzlich abschaffen will ich gar nicht. Aber auch ich will diese Ressource höchst effektiv und zielgerichtet einsetzen. Bei bestimmten Notfällen, die es im Einzelfall sicher zu diskutieren gilt, ist ein erfahrener Arzt oder auch "Medical Coordinator" sehr wichtig, mitunter gar unerlässlich! Der ischämische Insult bspw. gehört aber ganz sicher nicht dazu! Wie dem auch sei, egal ob Banker und ihre Boni, ob Hotelbesitzer und die Mehrwertsteuer, Ärzteschaft und ihre Pfründe, was es in diesem Lande auch sei, wir können sicher sein, dass auch hier wieder Standesdenken und Lobbyismus als zweifelhafte Sieger hervorgehen werden! Wie immer beschämend!  zum Beitrag »
[11.02.2013, 10:05:52]
Anne C. Leber 
Leserzuschrift von Dr. Gerhard Schnorrenberg
Sind Notärzte nötig?
Ein Notarzt trägt eine Fachbezeichnung und darf nicht mit einem Bereitschaftsdienst ausübenden Arzt verwechselt werden.
Im Rahmen des Rettungsgesetzes werden hervorragende Rettungssanitäter ausgebildet, die der fachgerechten Erstversorgung üblicher Notfälle vollauf gerecht werden. Überwiegend müssen sie, häufig genug vor dem Eintreffen eines Notarztes, als Erstbetreuer die richtigen Entscheidungen treffen und kompetent eingreifen. Dafür wurden und werden sie unterrichtet. Durch tägliche, praktische Einsätze routiniert erwarben und erwerben sie Erfahrungen, insbesondere bei Reanimationen, die vielen Ersthelfern, meist jungen Notärzten, überlegen sind.
Die tägliche Praxis lehrt, dass Notfallpatienten in aller Regel umgehend mit Blaulicht und Martinshorn in ein Krankenhaus eingeliefert werden. Dies ist verständlich, da die Erstversorger meistens die Notfallpatienten und deren Krankengeschichte nicht kennen. Deshalb können sie nur das akute Geschehen beurteilen. Hinzu kommt, dass für ein anderes Verhalten, insbesondere des Notarztes, Verantwortung übernommen werden müßte, die unangenehm belastet.
Rettungssanitätern bleibt aus rechtlichen Gründen nichts anderes übrig, als nach der Erstversorgung das nächste, zuständige Krankenhaus anzusteuern. Das Gleiche veranlaßt nahezu ausschließlich auch der Notarzt.
Was also ist die besondere Bedeutung eines Notarztes? Durch ihn entstehen nur zusätzliche Unkosten (Notarztwagen, Vorhalten einer entsprechenden Ausrüstung des Wagens, Bezahlung des Einsatzes und der Bereitschaftsdienstzeit) ohne zusätzlichen Gewinn für den Patienten.
Blaulicht und Martinshorn sind heute Standard und suggerieren, es gäbe heute wesentlich mehr Notfälle als etwa vor 30 oder 40 Jahren. Es stimmt, es wird mehr Aufwand und amerikaähnliche Agitation in vorgeschriebener Zeit als früher getrieben bei wohl gleichbleibender Morbidität der Bevölkerung.
Die Zunahme von Notfalleinsätzen hängt sicher auch damit zusammen, dass Hausärzte durch die politisch gewollte Reduzierung von Hausbesuchen immer weniger von akuten Krankheitsexacerbationen ihrer Patienten unterrichtet werden, da geradezu reflexartig und in der Annahme, der Hausarzt käme sowieso nicht, Notrufe an eine Leitstelle gehen. Die Empfehlung, in Notfällen erst den Hausarzt zu informieren und zu bestellen, erst dann die Leitstelle zu alarmieren, wurde längst ad acta gelegt. Dieses Handeln bedeutet sicher in vielen Fällen eine nicht geringe Kostensteigerung im Gesundheitswesen durch unnötige Notfallversorgung und Krankenhauseinweisung. Doch scheint dies den Krankenkassen und den ärztlichen Selbstverwaltungen unerheblich.
Brauchen wir also den Notarzt? - In mit potenten und geübten Rettungssanitätern ausgestatteten Regionen: Nein. Dies mag in unterversorgten Landkreisen nicht zutreffen und dort notärztlicher Sachverstand gefragt sein. Was wir jedoch unbedingt brauchen, um unnötige, kostenaufwendige Krankenhauseinweisungen zu vermeiden, ist der dienstbereite und verantwortungsvolle Allgemeinmediziner, der für dringende, als Notfall erklärte Besuche bezahlt wird und nicht einen Teil von ihnen umsonst machen muß. In medizinischen Akutsituationen, in denen der behandelnde Arzt nicht erreichbar ist oder ein Unfallgeschehen vorliegt, reicht in gut versorgten Bereichen der Einsatz von Rettungssanitätern.
Dr. Gerhard Schnorrenberg,
Allgemeinarzt aus Kiefersfelden zum Beitrag »
[04.02.2013, 12:35:33]
Maximilian Micka 
Wer trägt eigentlich die Verantwortung?
Als Haus- und Notarzt sehe ich die Problematik so:

Ich kenne genug erfahrene Rettungssanitäter, die eine Neuetablierung des Notfallsanitäters ablehnen. Diese - in meinen Augen sehr kompetenten und durch lange Dienstzeit auch sehr erfahrenen Sanitäter - haben schon teilweise die Einrichtung des "Rettungsassistenten" erlebt, dabei viel erhofft und wurden kläglich enttäuscht. Anstelle von mehr Kompetenz kam mehr Bürokratie, dem Patienten wurde damit nicht geholfen.
Der Notfallsanitäter (schon alleine die Namensgebung ist für die bisher arbeitenden Sanis herabsetzend) wird also auch nicht die Verbesserung bringen die er soll.
Wie stellen wir uns denn die Dienstplanung vor?
Wer muß auf einem Retter fahren?
Wieviele Stellen pro Rettungswache sollen dafür geschaffen werden?
Was ist mit den Kollegen, die bereits fahren?
Was ist mit der Vergütung und wie gut (oder schlecht) soll der Viertelgott unterm Martinshorn bezahlt werden?

WER ÜBERNIMMT DIE VERANTWORTUNG BEI EINEM KUNSTFEHLER????
Soll sich der Sani dann selbst versichern? Oder macht das der Rettungsdienst? Wer übernimmt diese zusätzlichen Kosten, wenn jetzt in der medizinischen Versogung hinten und vorne alles fehlt. Kann der Rettungsdienst dann verklagt werden, wegen eines nicht alles absichernden Algorhytmus, der zwar eine Medikamentengabe vorschlägt aber den Sani dann wohlmöglich mit den Nebenwirkungen und Komplikationen alleine und ohne Spielräume läßt.
Was soll dann der Arzt sagen, wenn er nicht nur zur Analgesie gerufen wird sondern zusätzlich zu einer "iatrogenen" Komplikation. Vielen Dank?!

Wie wäre es stattdessen mit etwas Kommunikation?
Wie wäre es stattdessen mit etwas Geduld?
Wie wäre es stattdessen mal damit, die verdammte Politik und das Schachern aus taktischen Gründen wegzulassen?
Wie wäre es damit, die Kassen kräftig für ihre schlechte Zahlungsmoral zur Verantwortung zu ziehen. Hier liegt nämlich in der größte Bremsklotz in der medizinischen Versorgung begraben - auch in der Notfallmedizin.
Wie sollen wir Nachwuchs für unterbesetzte Standorte gewinnen, wenn nur 75% Abschlag pro Einsatz an den Notarzt bezahlt werden?
Das Problem mit der Versorgung der Bevölkerung ist auf anderem Niveau gelagert und es wird Zeit nicht an einzelnen Blättchen zu zupfen sondern die Wurzeln anzugehen.
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[01.02.2013, 16:21:32]
John Kruger 
Das Rad soll neu erfunden werden???
Ich frage mich seit längerer Zeit, warum solch ein rießen Aufstand geprobt wird? Muss man in Deutschland denn immerwieder versuchen das Rad neu zu erfinden? Warum einfach wenns auch Kompliziert geht?!

Es werden hitzige Diskussionen geführt, hier auf biegen und brechen eine Berufsbild zu schaffen, das bis heute nur ansatzweise dessen Kostenaufkommen berücksichtigt. "Notfallsanitäter" !!! Ich teile jedermanns Auffassung, dass eine Zeitanpassung und Neustrukturierung erfolgen muss. Wie einfach wäre es, den bestehenden Rettungsassistenten neu zu Formieren? Warum muss mann dafür ein neues Berufsbild schaffen, um dem RD-Personal erweiterte Aufgaben zu zuteilen? Wieviel Prozent der Einsätze sind denn wirklich echte Notfalleinsätze? Wohin geht die Reise? Zu Krankentransporten!!!! Was nutzt das gelernte wenn es nur wenig angewandt werden kann? Sicheres Beherrschen setzt eine regelmäßige Anwendung vorraus!!!! Wer von den Kolleginnen/Kollegen hat regelmäßig Endotracheal Intubiert um Sagen zu können, "Ja ich Beherrsche das aus dem FF"? Bewährt haben sich die Erweiterten Versorgungsmaßnahmen bis zu Eintreffen des NA. Wozu muss man einen Notfallsanitäter Bauen, der ohne Nachforderung des NA einen Zugang legen kann/darf? Leute, haltet doch den Ball flach, nutzt bestehende Strukturen und baut auf diesen auf!!!!

Zug um Zug und Zeitgemäß den Anforderungen die beiden, RS und RA, in deren Ausbildung erweitern, auch so kommt man ans Ziel. Ewig dieses Kompetenzgerangel!!!! Notärzte werden Rar, auch deren (noch Bestehende)Kompetenz lässt immer mehr zu Wünschen übrig, und dem muss entgegengesteuert werden mittels Kompetenzerweiterung (EVM)des RD Personals. Aber muss das Zwingend heißen, wieder eine neue Bezeichnung zu Schaffen???

Hier soll der Hochkompetente Notfallsanitäter Geboren werden, auf der anderen Seite lässt man völlig unerfahrene FSJler (viele nutzen die Zeit um eine lockere Sause zu machen ohne echtes Interesse an dem Job)auf die Menschheit los. Was ich bisher -seit Zivis durch FSJler ersetzt wurden- mit den neuen erlebt habe lässt sich kaum Beschreiben. Und wer trägt die Verantwortung auf dem Fahrzeug für den Patienten?? Ein Notfallteam setzt mind. zwei Personen vorraus die sich ihrer Handlungen und Entscheidungen Bewußt und Sicher und Eingearbeitet sind. Welcher FSJler kann dies von sich Behaupten wenn er ohne vorrherige Kenntnis nach ein paar Wochen auf einem RTW zur Notfallrettung eingesetzt wird?? Soll dann der Notfallsanitäter alles allein Entscheiden Machen und Tun????

Tut mir Leid, ich kann das ganze um den Notfallsanitäter nicht Verstehen und habe dafür auch kein Verständnis mehr, solange vorher andere Differenzen und Unklarheiten nicht beseitigt wurden.

Ich für meinen Teil, sollte das so kommen wie es Geplant ist,werde jegliche Weiterqualifizierung vom Rettungsassistenten zum Notfallsanitäter Verweigern. Erweiterte und zeitgemäße Anpassung der vorhandenen Strukturen ja, aber so nicht.......  zum Beitrag »
[01.02.2013, 14:56:20]
Tim Köbrich 
Ein Beitrag aus der Schweiz
Sehr geehrte Damen und Herren,

auch wir aus der Schweiz verfolgen die Diskussion um das neue Notfallsanitätergesetz mit Interesse. Die gestrige Diskussion im Gesundheitsausschuss war ein eindrückliches Beispiel für den gelebten Paternalismus der Ärzteschaft im deutschen Gesundheitswesen. Von aussen betrachtet erscheint es doch fraglich, inwiefern die Förderung der allseits bemühten Patientensicherheit bei der Debatte noch im Vordergrund steht. Glaubt man der Medienberichterstattung, so ist der Mangel an Notärzten in Deutschland nicht Zukunftsmusik sondern Realität. Es ist also offenbar an der Zeit eine Systemanpassung vorzunehmen. Das an der Kompetenzerweiterung der zukünftigen Notfallsanitäter kein Weg vorbeiführt, erscheint mir doch offensichtlich. Ein Blick ins Ausland würde vielleicht helfen zu erkennen, dass auch andere Wege nach Rom führen. Die Behandlung von Standard-Krankheitsbildern via Algorithmen bzw. Standard Operating Procedures (SOP) ist in vielen Ländern der Welt durchaus üblich und hat bislang nicht ins Verderben geführt. Menschen ohne universitäre medizinische Bildung die Fähigkeit abzusprechen, auch komplexe Einsatzsituationen mit der entsprechenden Ausbildung meistern zu können, zeigt doch eine fragwürdige Grundhaltung. Ich denke, dass man sich doch eher darüber austauschen sollte, wie die benötigten Kompetenzen der Notfallsanitäter erlangt und beibehalten werden können. Dies wäre doch ein Gewinn für alle.

Freundliche Grüsse

Tim Köbrich
Schweizerische Gesellschaft für Recht in der Notfallmedizin GeRN zum Beitrag »
[01.02.2013, 10:27:42]
Prof. Dr. Ingo Heberlein 
Warten auf den Notarzt?
Das Elend der Diskussion zeigt das Ärzteblatt dieser Woche: zuerst plädiert der Präsident der ÄK Thüringen gegen eine Kompetenzausweitung im Notdienst. Eine Seite später fordert ein Allgemeinarzt von der Front für für Notfallkenntnisse und -kompetenz der Pflege: die verfasste Ärzteschaft muss aus den Schützengräben klettern!
Es ist doch irrwitzig, eine - in der Qualaifikation höchst unterschiedlich besetzte - Leitstelle über die Notarztindikation entscheiden zu lassen, statt das den Kräften vor Ort zuzutrauen. Die sollen dann warten, bis der Notarzt kommt? statt den Patienten so schnell wie möglich in die Klinik zu schaffen? Das ist nicht nur die Aufforderung zu strafbarer unterlassener Hilfeleistung. Es grenzt an Täterschaft durch Unterlassen.
Prof. Dr. Ingo Heberlein
 zum Beitrag »
[01.02.2013, 09:53:06]
Jan Gregor Steenberg 
Ein Bericht aus der Realität
Ich möchte an dieser Stelle einmal einen Einsatzbericht beisteuern, wie er sich vor einigen Wochen mitten in Deutschland abgespielt hat.

Ich wurde im Rahmen eines First-Responder-EInsatzes zu einem Status epilepticus gerufen. Wir waren mit 2 Mann (ich und ein weiterer Helfer) nach ca. 5 min. an der Einsatzstelle. Die Patientin lag krampfend am Boden. Wie lange dies nun bereits der Fall war konnte niemand sagen, wahrscheinlich aber bereits deutlich mehr als 20 Minuten. Nachdem wir der Patientin Sauerstoff über eine Maske und kurz die Anamnese erhoben hatten, war klar, dass die Frau umgehend einen i.V. Zugang zur medikamentösen Krampfdurchbrechung benötigte. Aufrgund der Tatsache, dass die Patientin kurz zuvor eine Chemo abgeschlossen hatte und zusätzlich noch eine hochdosierte Kortisontherapie bekam, war zumindest mir sehr schnell bewusst, dass dies ein sehr schweres Unterfangen würde. Der erste Versuch einer Venenpunktion scheiterte. Nach ca. 13 Minuten traf der Rettungsdienst ein. Ich fragte diese dann, ob sie ein MAD-System hätten, dies wurde jedoch nicht mitgeführt. Daraufhin wollte der Rettungsassistent vom RTW nachmals eine Vene punktieren. Auch dies misslang. Ich bat in der Zwischenzeit den RS vom RTW doch bitte den Kinderkoffer zu holen, so dass wir zumindest einmal mit einer Diazepam-Rectiole einen Versuch starten könnten (der Erfolg war mäßig). Weiter fragte ich den RS, ob sie ein i.o.-Set bei sich führen würden. Dies wurde bejaht, doch kam die Antwort, dass nur der Notarzt i.o.-Bohren dürfe.

Wohl gemerkt, wir befinden uns nun ca. 20 Minuten im Einsatz und die Patientin krampft weiterhin!

Nach insgesamt 25 Minuten traf die Notärztin ein. Ich sagte dieser, dass sie umgehend einen i.O.-Zugang bräuchte. Sie meinte jedoch, dass sie zunächst versuchen würde einen i.V.-Zugang zu legen. ... Arme, Beine erfolglos, V. juguliaris externa aufgrund des bestehenden Krampfes!!! unmöglich.

Nach 5 Punktionsversuchen meinte dann auch die Notärztin, dass es vielleicht sinnvoll sei, einen i.O.-Zugang zu legen. Es wurde ein easyIO-Bohrer in die Wohnung gebracht. Die Ärztin sagte darauf hin, ob dieses Gerät auch die Nadel in den Knochen schießen würde. Ich erklärte ihr die Funktionsweise. Sie fragte daraufhin in die Runde, wer dieses Gerät schon einmal benutzt habe. Alle anwesenden Retter verneinten dies. Daraufhin sagte die Notärztin zu mir gerichtet: "Herr Kollege, können Sie nicht vielleicht das Bohren übernehmen?"

Daraufhin erklärte ich der Notärztin, dass ich kein Arzt sei, sondern in Deutschland auch "nur" Rettungsassistent wäre, jedoch aufgrund meiner Tätigkeit in der Schweiz und dort als Dipl. Rettungssanitäter HF regelmäßig bohren würde, da in unserem Algorithmus nach der zweiten Fehlpunktion umgehend gebohrt wird. Daraufhin durfte ich als quasi "Laienhelfer" in diesem Einsatz bohren. Der Zugang saß, die Patientin konnte nach über 45 Minuten schlussendlich medikamentös behandelt werden und der Krampf war durchbrochen.

Nun muss ich mich ernsthaft Fragen, was es noch für einen Diskussionsbedarf gibt. Dieses Beispiel ist kein Einzelfall. Es wird in meinen Augen auf dem Wohl der Patienten diskutiert. Wenn hier regelmäßig die Patientensicherheit ins Feld geführt wird, so lade ich gerne alle Standesvertreter in die Schweiz ein. Dort wird nun seit Jahren ein sinnvolles System (je nach Kanton) der präklinischen Notfallmedizin umgesetzt. Es geht um die qualifizierte Erstversorgung (auch medikamentös) und die zügige Zuführung zur klinischen Therapie, denn nur dort wird der Patent geheilt.

Es geht nicht darum den Notarzt einzusparen, doch soll diese Ressource dann zum Einsatz kommen, wenn sie wirklich benötigt wird.

Und wenn das Thema Patientensicherheit angeführt wird und von den Standesvertretern die äußerst hohe Qualifikation der Notärzte ins Feld geführt wird, so bitte ich auch darum, hier erst einmal in den eigenen Reihen zu kehren. Die Qualifikation "Notarzt" ist in Deutschland nur bedingt als Qualität in der Notfallmedizin anzusehen. Wenn es wirklich darum geht qualifizierte Notärzte auszubilden, so bitte ich darum, einen Facharzttitel für Notfallmedizin einzuführen. Unbenommen sind Anästhesisten die Qualität, welche es in der Notfallmedizin braucht. Doch ein Chirurg, welcher aufgrund des Anästhesistenmangels im KH schnell mal auf den Fachkundenachweis Notfallmedizin geschickt wird und dann wider Willen, die Dienste mit abdecken muss, muss nicht unbedingt derjenige sein, welcher den schwierigen Atemweg gemanaged bekommt. Wenn ich demgegenüber eine Person drei Jahre lang auf solche Situationen schule, so darf die Frage der Patientensicherheit durchaus gestellt werden. Doch bin ich mir nicht sicher, wer schlussendlich die Nase vorn haben würde.

Es geht hier um das Recht der Patienten auf eine schnelle und gute präklinische Versorgung. Das Personal in der paramedizinischen Versorgung braucht hier eine hohe Qualifikation und eine entsprechende Rechtssicherheit und wenn diese Qualifikation dazu führt, dass bei oben genanntem Beispiel der Patientin nach zwei Versuchen der Venenpunktion mittels einer io-Bohrung geholfen wird und dies durch einen nicht-Arzt geschieht, so ist das Ziel einer guten Patientenversorgung erreicht.

Mir persönlich kommt es auch so vor, dass diejenigen Notärzte, welche aktiv in der präklinischen Notfallmedizin tätig sind, durchaus ein hoch qualifiziertes Berufsbild neben sich schätzen, welches durchaus auch invasive Maßnahmen durchführen kann. Dagegen scheinen die Vertreter der ärztlichen Bundesvereinigungen lediglich Standespolitik zu betreiben (und dies in meinen Augen auf den Köpfen der Patienten).

Ich freue mich auf eine spannende Diskussion.

Jan Gregor Steenberg LL.M.
Arbeitsgemeinschaft RettungsdienstRecht e.V.
Rechtsanwalt, Lehrrettungsassistent und Dipl. Rettungssanitäter HF (Schweiz) zum Beitrag »

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