Ärzte Zeitung, 16.04.2014

Teilzeit bei Ärzten boomt

"Einen Fulltime-Job könnte ich nicht organisieren"

Immer mehr Ärzte arbeiten in Teilzeit, belegt die neue Arztstatitik. So auch Dr. Gabriela Winkelmüller. Die Oberärztin arbeitet an drei Tagen pro Woche jeweils fünf Stunden in der Klinik. Warum die Radiologin damit zufrieden ist, erzählt sie im Interview mit der "Ärzte Zeitung".

Zum 1. März 2014 hat Dr. Gabriela Winkelmüller eine Teilzeitstelle angetreten. Die Oberärztin ist nach 16-monatiger Kinderpause in die Radiologie am Friedrich-Ebert-Krankenhaus in Neumünster zurückgekehrt, wo sie seit 2008 beschäftigt ist. Dort arbeitet Dr. Winkelmüller jetzt an drei Tagen pro Woche jeweils fünf Stunden.

"Einen Fulltime-Job könnte ich nicht organisieren"

Dr. Gabriela Winkelmüller arbeitet seit März als radiologische Oberärztin in Teilzeit.

© FEK

Ärzte Zeitung: Frau Dr. Winkelmüller, was schätzen Sie persönlich an der Teilzeitbeschäftigung?

Dr. Gabriela Winkelmüller: Dass ich ausreichend Zeit für meine Tochter habe und trotzdem im Beruf bleibe. Eine Vollzeitstelle wäre für mich auf keinen Fall in Frage gekommen. Ohne die Möglichkeit, Teilzeit zu arbeiten, wäre ich zu Hause geblieben - einen Full-Time-Job hätte ich mit einem voll berufstätigen Partner nicht organisieren können. Daneben hat die Rückkehr in den Beruf natürlich auch finanzielle Gründe.

Wie schwer war es, den Arbeitgeber und die Kollegen von der Teilzeit zu überzeugen?

Winkelmüller: Das war kein Problem. Es stand für mich und meine Kollegen vorher fest, dass ich nur in Teilzeit wiederkomme. Ich habe mich mit meinem Chef besprochen und wir haben eine Lösung gefunden, die für beide Seiten hilfreich ist.

Ich weiß aber, dass es nicht an jedem Krankenhaus und in jedem Fach so einfach ist. Ich glaube, dass wir es in der Radiologie einfacher haben als etwa in der Chirurgie.

Wie organisieren Sie ihren Teilzeitjob und die Familie?

Winkelmüller: Ich fahre für drei Tage die Woche für meine Arbeit von Kiel nach Neumünster. Neben meiner fünfstündigen Arbeitszeit brauche ich für Hin- und Rückfahrt zusammen eine Stunde. In dieser Zeit kann ich meine Tochter in die Betreuung geben. Länger würde ich sie nicht betreuen lassen.

Und wie sieht es mit der Karriere aus - ist die Teilzeit nicht ein Hemmnis?

Winkelmüller: Das weiß ich nicht. Meine Erfahrungen sind noch zu kurz, ich habe vorher immer Vollzeit gearbeitet. Ich hoffe aber nicht, dass es Nachteile für mich hat. Allerdings denke ich derzeit auch nicht an den nächsten Karriereschritt.

Viele Teilzeitjobs sind überladen und in der verkürzten Zeit gar nicht zu bewältigen. Wie oft beginnt denn bei Ihnen der Feierabend später als geplant?

Winkelmüller: Noch nie. Ich habe genau gegenteilige Erfahrungen gesammelt. Solange ich Vollzeit gearbeitet habe, war ein pünktlicher Feierabend nie selbstverständlich. Seit ich als teilzeitarbeitende Mutter zurück bin, habe ich immer pünktlich Schluss machen können.

Was erwarten Sie von den Arbeitgebern?

Winkelmüller: Dass es in allen Fächern so gut läuft, wie bei uns in der Radiologie. Und dass auch Vollzeit-beschäftigte Eltern pünktlich Feierabend machen können.

Das Interview führte Dirk Schnack

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