Ärzte Zeitung, 27.01.2010

Bürger wollen Vorfahrt für Spitzenmedizin

Aktuelle Umfrage zeigt: Die Menschen in Deutschland wollen einen besseren Zugang zu innovativer Medizin. Dafür würden sie bei Bagatellen tiefer in die eigenen Taschen greifen.

Von Anno Fricke

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Viele Menschen wollen einen besseren Zugang zu medizinischen Innovationen. © Natalie / fotolia.com

BERLIN. Das wichtigste Ergebnis der TNS-Emnid-Umfrage im Auftrag des Verbandes forschender Arzneimittelhersteller zum gesundheitspolitischen Meinungsbild der Menschen in Deutschland ist für die Politik niederschmetternd. Lediglich 17 Prozent der Befragten geben an, das Gesundheitssystem zu verstehen. Daraus erwachse ein großes Unbehagen, sagte der TNS-Emnid-Geschäftsführer Klaus-Peter Schöppner bei der Vorstellung der Umfrageergebnisse am Dienstag in Berlin. Etwa 85 Prozent der Befragten verspürten beim Blick auf ihre Zukunft im Gesundheitswesen Angst.

Die Antworten auf konkreter gestellte Fragen atmen mehr Zuversicht. So hoffen 70 Prozent der Befragten, dass eine zukünftige Gesundheitsreform ihnen nützt. 46 Prozent der Befragten rechnen aber mit steigenden Beiträgen zur gesetzlichen Krankenversicherung in den kommenden Jahren.

Die 25 Prozent Besserverdiener der Gesellschaft gehen davon aus, dass sie sich bei der Einführung einer Kopfprämie finanziell schlechter stellen werden als bisher.

Insgesamt kommt das Gesundheitswesen in der Umfrage gut weg. Etwa zwei Drittel sind zufrieden. Allerdings sehen 46 Prozent den Zugang zu medizinischen Innovationen als nicht ausreichend an.

In West und Ost spaltet sich die Gesellschaft, wenn es darum geht, ob im Gesundheitssystem alle notwendigen Behandlungen für alle bezahlbar sind. Für die Menschen in den neuen Ländern ist dieser Anspruch richtig und bezahlbar, für die im Westen ebenfalls richtig, aber nicht bezahlbar.

Die Menschen seien bereit, Einschnitte im Gesundheitssystem hinzunehmen. Die Umfrage belege, dass nicht bei der Spitzenmedizin gespart werden solle, sondern bei Bagatellen. Befragt hatte TNS-Emnid Mitte Januar 1004 Personen über 14 Jahre.

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Ein Jahr nach seiner Einführung scheint der Gesundheitsfonds akzeptiert zu sein - jeder zweite sieht aber Reformbedarf.

Jeder Patient müsse am medizinischen Fortschritt teilhaben können, kommentierte Cornelia Yzer das Umfrageergebnis. Die Hauptgeschäftsführerin des Verbandes forschender Arzneimittelunternehmen nannte zwei Wege, um das Gesundheitssystem finanzierbar zu halten. Zum einen fordere ihr Verband eine transparentere Kosten-Nutzen-Bewertung von Arzneien nach internationalen Standards. Der Nutzen dürfe nicht alleine am Preis festgemacht werden. Im Mittelpunkt müsse der Behandlungserfolg und damit das Patienteninteresse stehen. 

Zum anderen trügen auch direkte Verträge zwischen Herstellern und Kassen zur Kostenkontrolle bei. Yzer forderte, Ärzte von der ökonomischen Verantwortung im Arzneimittelsektor zu entbinden und von der Wirtschaftlichkeitsprüfung freizustellen.

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