Ärzte Zeitung online, 12.11.2013

Bundesamt

Etwas weniger Antibiotika in Tiermast

Die Verwendung soll begrenzt werden, um die Wirksamkeit der Antiinfektiva beim Menschen nicht zu gefährden.

BERLIN. Für die Tierhaltung in Deutschland sind im vergangenen Jahr etwas weniger Antibiotika verteilt worden.

Die Menge ging im Vergleich zu 2011 um 87 Tonnen auf 1619 Tonnen zurück, wie das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) am Montag in Berlin mitteilte.

Bei der Wirkstoffklasse der Fluorchinolone, deren Einsatz in Ställen kritisch gesehen wird, wurde aber eine Zunahme um zwei auf zehn Tonnen registriert. Hintergrund ist, dass diese Stoffe auch bei Menschen als Reserve-Antibiotika für schwere Infektionen verwendet werden.

Ein Großteil der Antibiotika wurde den amtlichen Angaben zufolge weiterhin an Tierärzte in Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen abgegeben.

Allein in den Postleitzahlbereich 49, der Kreise beider Nachbarländer vereint, gingen mehr als 500 Tonnen. Dort gibt es viele große Tiermastanlagen.

Massenhafter Antibiotika-Einsatz in der Tiermast wird seit Jahren kritisiert. Die Verwendung soll sinken, um die Gefahr zu verringern, dass Antibiotika bei kranken Menschen nicht mehr wirken.

Ein Gesetzespaket, das Anfang 2014 in Kraft tritt, soll die Verwendung in der Tierhaltung eindämmen. (dpa)

[12.11.2013, 15:19:12]
Dr. Horst Grünwoldt 
Antibiotika
Zunächst ist es eine gute Nachricht, daß der Verbrauch von verschiedenen Antibiotika in der Tierhaltung im Zeitraum von 2011 auf 2012 abgenommen hat.
Ob es tatsächlich noch einen "massenhaften Einsatz" in der Tiermast gibt, muß bezweifelt werden, nachdem der schon seit vielen Jahren arznei- und futtermittelrechtlich verboten ist.
Bekanntlich werden bestimmte Antibiotika notgedrungen nach Operationen im Stallbereich prophylaktisch gegen spätere Wundinfektionen eingesetzt. Das sind in der Regel keine Humanpräparate. Ansonsten kommen neben Impfstoffen vor allem bei Jungtier-Erkrankungen (Atemwegs- und Durchfall-Symptomatiken) Veterinär-Anti-Infektiva zur Behandlung.

Wenn allerdings das BVL in Berlin eine Zunahme der Wirkstoffklasse der Fluorchinolone im Nutztier-Bereich festgestallt hat, dann dürfte das höchst bedenklich sein. Schließlich handelt es sich dabei um sog. Reserve-Präparate, die nur ausnahmsweise in unklaren und schweren Infektions-Fällen zum therapeutischen Einsatz kommen sollen, und zwar selbst in der Human-Medizin nur kurzzeitig bis zur Bestimmung des spezifischen Infektions-Erregers.
Nachdem ich als Tierarzt selbst z.Z. wegen einer akuten Harnwegsinfektion mit Ciprofloxacin aus dieser Wirkstoffgruppe initial behandelt werde, und sogar zehn Tage später an der positiven Wirkung dieses "Breitspektrum-Antibiotikums" zweifeln muß, wird unverzüglich die bakterielle Erreger- Bestimmung und der Resistenz-Test fällig.
Gerade auch, weil mir der Beipackzettel zu o.g. Pharmazeutikum geradezu ein "Wundermittel" verspricht, das für praktisch jeden infizierten Organbereich -ohne spez. Erregerbenennung- von "oben bis unten" anti-infektive Wirksamkeit verkündet!
Dr. med. vet. Horst Grünwoldt (FTA für Hygiene und Mikrobiologie), Rostock
 zum Beitrag »

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Zahl der Behandlungsfehler stagniert

Die neue Statistik der Bundesärztekammer liegt vor. Sie zeigt, wo die meisten Behandlungsfehler passierten und wie die Schlichterstelle meistens entschied. mehr »

Abstimmung über Trumps Gesundheitsreform verschoben

Die Republikaner haben nicht genügend Stimmen für die Abschaffung von "Obamacare" zusammen, verschieben die Abstimmung im Kongress. Trump muss warten - das kann ihm nicht schmecken. Aber das Weiße Haus macht Druck. mehr »

Regelmäßiges Frühstück ist offenbar gut fürs Herz

Wer regelmäßig frühstückt, beugt damit offenbar kardiovaskulären Erkrankungen vor, berichtet die American Heart Association (AHA). mehr »