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Ärzte Zeitung, 10.06.2014

Generika

Verband setzt auf mehr Nachhaltigkeit

Eine Abkehr von der rein auf die Preise und Marktverengung zielenden Politik fordern die Hersteller von Generika. Produktion und Versorgung sollten nachhaltig werden. Einigkeit bei Biosimilars: Substitution soll es nicht geben.

Von Anno Fricke

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Prüfender Blick der Krankenschwester. Biosimilars werden oft als Infusion verabreicht.

© contrastwerkstatt / fotolia.com

BERLIN. Die Schere geht immer weiter auf. Die Bedeutung der Generika für die Arzneimittelversorgung wächst, die Ausgaben der gesetzlichen Krankenkassen dafür sinken. In den zehn Jahren seit der Gründung des Branchenverbands Pro Generika ist der Anteil der generisch hergestellten Arzneien an der Versorgung nach Verbandsangaben deutlich gestiegen. 2005 lag er bei 56 Prozent, 2013 hatte er 75 Prozent erreicht.

2005 lag der Umsatz mit Generika demnach noch bei 3,6 Milliarden Euro. 2007, dem Jahr, bevor die Rabattverträge richtig scharfgeschaltet wurden, sogar bei 4,1 Milliarden Euro. 2013 haben die realen Umsätze nach Angaben des Verbandes mit 1,9 Milliarden Euro einen neuen Tiefpunkt erreicht. Lege man die Herstellerabgabepreise zugrunde hätten die Kassen mit den Rabattverträgen im Berichtsjahr rund 2,9 Milliarden Euro gespart.

Für den Vorsitzenden des Branchenverbandes Pro Generika ist damit ein Wendepunkt erreicht. Die durch die Rabattverträge ausgelösten Konzentrationstendenzen hätten bedenkliche Ausmaße angenommen, sagte Wolfgang Späth, Vorstandsvorsitzender der Core Hexal AG bei einer Fachkonferenz anlässlich des zehnjährigen Bestehens von Pro Generika.

Durch Vorgaben der Europäischen Union entstehe zusätzlicher wirtschaftlicher Druck. Es müsse ein Schwenk hin zur Nachhaltigkeit von Produktion und Versorgung erfolgen, forderte Späth. Er setze dabei auf den von der großen Koalition angestoßenen Pharma-Dialog zwischen Regierung und Unternehmen.

Die Entwicklungen auf den von den Rabattverträgen erfassten Märkten wirkten sich schon heute unmittelbar auf die Patientenversorgung aus, sagte Späth. Bis Ende des Jahres würden die Unternehmen zwischen 15 und 30 Prozent der Wirkstoffe und Produkte mit Pharmazentralnummern vom Markt nehmen. Grund sei, dass die Kassen Rabattverträge meist nur für das Kernsortiment an Darreichungsformen und Wirkstärken ausschrieben.

Von den Generikaherstellern eigens für Kinder entwickelte Darreichungsformen wie zum Beispiel angenehm schmeckende, antibiotikahaltige Säfte würden von den Ausschreibungen nicht erfasst und auch vom Festbetragssystem nicht honoriert.

Straub: "Dämliche Strategie"

Die ersten zehn Jahre der Geschichte von Pro Generika standen im Zeichen der Generika. In den nächsten zehn Jahren könnten die Biosimilars an Bedeutung gewinnen.

Im kommenden Jahr werden erstmals die Patentabläufe biopharmazeutischer Produkte ein höheres Umsatzvolumen haben als die Patentabläufe chemischer Produkte, erwartet Pro Generika. Bis 2020 werden demnach Biopharmazeutika mit einem weltweiten Umsatz von fast 68 Milliarden US-Dollar (rund 50 Milliarden Euro) ihren Patentschutz verlieren und durch Biosimilars ersetzt werden können.

Unter den wenigen bislang verfügbaren Biosimilars gibt es Beispiele, die auf Preisspielräume von um die 30 Prozent hinweisen. Die Kassen wollen von dieser Entwicklung profitieren.

"Lassen Sie uns die Erfolgsgeschichte der Generika mit den Biosimilars wiederholen", sagte AOK-Vorstand Uwe Deh. Barmer GEK-Chef Dr. Christoph Straub setzt vor allem auf die Aufklärung der Ärzte, um die bislang sehr übersichtlichen Marktanteile der Biosimilars allmählich anzuheben. Der Arzt müsse verordnen, entweder das Original oder das Nachahmerprodukt. An dieser Stelle bei den Ärzten neuen Regressdruck aufzubauen, wäre eine "dämliche Strategie", so Straub. "Dann ist der Ofen aus."

"Substitution ist kein Thema", bestätigte der Vorsitzende der Arzneimittelkommission der Ärzteschaft, Professor Wolf-Dieter Ludwig. Er mahnte allerdings zu Realismus in der Betrachtung der Marktchancen.

Die seien in der Rheumatologie gegeben. Neue Entwicklungen in der Entwicklung von Krebsmedikamenten könnten es Ärzten allerdings noch auf Jahre hinaus schwer machen, sich für biosimilare Produkte zu entscheiden.

Lesen Sie dazu auch den Kommentar:
Market Building auf Rezept

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