Ärzte Zeitung, 08.04.2015

WIdO

Arzneimittel-Preise purzeln

Das bis Ende 2017 reichende gesetzliche Preismoratorium für Arzneimittel verbietet steigende Preise. Tatsächlich sinken diese sogar.

Arzneimittel-Preise purzeln

BERLIN. Steigende Ausgaben für Arzneimittel gehen seit geraumer Zeit nur noch auf wachsenden Verbrauch und auf die Einführung hochpreisiger Innovationen zurück.

Die Preise in einem bestehenden Warenkorb sind hingegen sogar rückläufig, wie aus dem jüngst veröffentlichten GKV-Arzneimittelindex des Wissenschaftlichen Instituts der Ortskrankenkassen (WIdO) hervorgeht.

Danach sanken die Arzneimittelpreise im gesamten GKV-Markt von Januar 2014 bis Januar 2015 um 2,9 Prozent. Die offiziellen Preise der Arzneimittel mit Festbetrag gingen sogar um 3,6 Prozent zurück.

Weitere Einsparungen erzielen Krankenkassen dann, wenn sie mit Herstellern Rabattverträge vereinbaren. Deren Sonderkonditionen sind im GKV-Arzneimittelindex nicht abgebildet. Für Arzneimittel ohne Festbetrag mussten die Kassen zwischen Januar 2014 und Januar 2015 2,4 Prozent weniger bezahlen.

Steigende Preise für rezeptfreie Arzneien

Lediglich die Preise für rezeptfreie Arzneimittel haben sich um 0,6 Prozent geringfügig erhöht. In diesem Marktsegment gilt das gesetzliche Preismoratorium, das bis Ende 2017 reicht, allerdings nicht.

Für Ärzte bedeutet die tatsächliche Preisentwicklung einen deutlich wachsenden Verordnungsspielraum bei steigender Morbidität oder bei teuren Innovationen.

Schon bei der im Oktober 2014 zwischen Kassenärztlichen Bundesvereinigung und GKV-Spitzenverband geschlossenen Rahmenvereinbarung zur Entwicklung der Arzneimittelausgaben war der Faktor Preis von ursprünglich plus 3,8 auf plus 1,9 Prozent für 2014 nach unten korrigiert worden.

Nun zeigt sich, dass die Preise tatsächlich um 2,9 Prozent rückläufig waren - eine Abweichung von 4,8 Prozent nach unten. Als Folge dessen wurde das 2014 zur Verfügung stehende Arzneimittelausgabenvolumen von den Ärzten nicht ausgeschöpft.

In der Vereinbarung für 2015 waren die Vertragspartner von einem möglichen Zuwachs der Arzneimittelausgaben von 5,5 Prozent ausgegangen. Aufgrund rückläufiger Preise, die inzwischen realisiert sind, soll die Innovationskomponente 6,6 Prozent betragen können. (HL)

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