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Ärzte Zeitung, 16.07.2015

IQWiG

Nutzenbewertung kann noch optimiert werden

Der Jahresbericht des Kölner Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen für 2014 zeigt, dass ein überwiegender Teil der geprüften Wirkstoffe nicht das hält, was er dem Patienten verspricht.

Von Ilse Schlingensiepen

Nutzenbewertung kann noch optimiert werden

Das IQWiG erstellte im vergangenen Jahr 36 Bewertungen auf der Basis von 33 Dossiers.

© IQWIG

KÖLN. Bei mehr als der Hälfte der frühen Nutzenbewertungen konnte das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) im vergangenen Jahr keinen Zusatznutzen der geprüften Wirkstoffe feststellen. Das zeigt der Jahresbericht 2014 des Kölner Instituts.

Die frühe Nutzenbewertung nach dem AMNOG ist ein Arbeitsschwerpunkt des Instituts. 2014 erstellten die Mitarbeiter insgesamt 36 Bewertungen auf Basis von 33 Dossiers - bei drei Wirkstoffen mussten sie jeweils zwei unterschiedliche Indikationen bewerten.

Bei 21 kamen sie zu dem Ergebnis, dass kein Zusatznutzen feststellbar sei. In drei Fällen gab es einen geringen Zusatznutzen, in jeweils vier einen beträchtlichen oder einen erheblichen. Bei weiteren vier Bewertungen war der Zusatznutzen nicht quantifizierbar.

Indikationsspezifische Unterschiede

Der Gemeinsame Bundesausschuss (GBA), der die Dossierbewertungen beim IQWiG in Auftrag gibt, schloss sich bei 23 der 33 Wirkstoffe der Bewertung des IQWiG an.

In fünf Fällen entschied der Bundesausschuss für einen höheren Zusatznutzen, in anderen fünf Fällen für einen geringeren Zusatznutzen als vom IQWiG empfohlen.

Bei der frühen Nutzenbewertung schneiden Antidiabetika deutlich schlechter ab als onkologische Arzneimittel. Im Zeitraum von 2011 bis April 2015 hat das Institut insgesamt 20 Dossiers zu Antidiabetika bewertet. Dabei stellte es bei zwei Wirkstoffen einen erheblichen und bei einem einen geringen Zusatznutzen fest.

Bei allen anderen wurde kein Zusatznutzen festgestellt. Bei 29 bewerteten Onkologie zeigten dagegen nur neun keinen Zusatznutzen. Bei sechs stufte das Institut den Zusatznutzen als erheblich ein, bei acht als beträchtlich und bei fünf als gering. In einem Fall war der Zusatznutzen nicht quantifizierbar.

Das IQWIG weist auf Optimierungspotenzial hin. "Beispielsweise sollte die frühe Nutzenbewertung auch die Beantwortung relevanter Fragestellungen (zum Beispiel Indikationserweiterungen) bei älteren Arzneimitteln (Zulassung vor 2011) ermöglichen", heißt es im Bericht.

Außerdem sei eine tatsächliche frühe Nutzenbewertung bei Orphan Drugs sinnvoll und machbar.

Bei den Arzneimitteln für seltene Erkrankungen bewerten die Wissenschaftler im Auftrag des GBA die Angaben der Hersteller zur Größe der Zielpopulation und zu den Kosten der Therapie. "Bei Orphan Drugs gilt der Zusatznutzen mit der Zulassung automatisch als belegt, sodass eine Bewertung durch das IQWiG nicht erfolgt."

Über alle Bereiche hat das Institut im vergangenen Jahr 75 wissenschaftliche Arbeiten abgeschlossen. Dazu gehörten neben 43 Dossierbewertungen (inklusive zehn zu Orphan Drugs) drei Rapid Reports, also Schnellberichte zu relevanten aktuellen Themen, sechs Potenzialbewertungen im Rahmen der Erprobungsregelung und vier Arbeitspapiere, bei denen das Institut in eigener Regie Fragen von grundlegender Bedeutung aufgreifen kann.

Jahresetat von 18,3 Millionen Euro

Das IQWiG hatte Ende 2014 insgesamt 183 Beschäftigte. Der Haushaltsplan hatte ein Volumen von 18,8 Millionen Euro.

 "Der im Dezember 2014 verabschiedete Haushaltsplan für 2015 sieht ein Volumen von 18 317 000 Euro vor." Das Institut finanziert sich aus Zuschlägen für ambulante und stationäre GKV-Leistungen.

Der Systemzuschlag im stationären Sektor betrug im vergangenen Jahr 1,27 Euro pro Fall. Bei den ambulanten vertragsärztlichen und vertragszahnärztlichen Leistungen waren es 7,63 Cent pro Fall.

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