Ärzte Zeitung online, 10.10.2016

KBV-Chef

Gibt es 500 Kliniken zu viel in Deutschland?

DÜSSELDORF. In Deutschland gibt es nach Ansicht der Kassenärztlichen Bundesvereinigung 500 Krankenhäuser zu viel. "Heute gibt es über 2000 Krankenhäuser. So viele brauchen wir sicher nicht. Schaut man ins Ausland, würde eine Zahl von 1500 wohl ausreichen", sagte Vorstandschef Andreas Gassen der "Rheinischen Post".

Jeder vierte Fall, der im Krankenhaus behandelt werde, gehöre eigentlich in den ambulanten Bereich. "Man sollte die überflüssigen Kliniken vom Netz nehmen und die Mittel und Ressourcen in andere Häuser und die ambulante Versorgung umleiten, um dort Pflegenotstand und andere Engpässe zu beheben", sagte Gassen.

Anfang 2016 war die umstrittene Krankenhausstrukturreform von Gesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) in Kraft getreten. Das Gesetz sieht vor, dass es künftig für besonders gute Leistungen bei Operationen und Patientenversorgung Zuschläge geben soll. Schlechte Leistungen werden mit Abschlägen geahndet.

Krankenhäuser, die durch anhaltend schlechte Qualität auffallen, laufen Gefahr, dass einzelne Abteilungen geschlossen werden oder sogar das ganze Haus. Auf diesem Wege sollen Überkapazitäten bei den 2000 Krankenhäusern abgebaut werden, ohne jedoch die Versorgung in der Fläche zu beeinträchtigen. (dpa)

Lesen Sie dazu auch: Exklusiv-Interview mit KBV-Chef: "Dieses Gesetz zielt gegen die Vertragsärzte!"
KBV in der Krise: Mit "Geist von Blankenfelde" gegen mehr Staatskontrolle

[10.10.2016, 16:27:18]
Thomas Georg Schätzler 
Oh Herr, lass Hirn regnen - offener Brief an Kollege Andreas Gassen
So geht das nun wirklich nicht! Wer als Spitzenfunktionär der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) niedergelassene Haus-, Fach- und Spezialärzte in der GKV als Vertragsärzte vertritt, Herr Kollege Andreas Gassen, sollte sich erstmal mit stationär/ambulanten Klinik-Situationen und medizinischen Versorgungsrealitäten vertraut machen: Die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) residiert im Nachbarhaus direkt neben ihrer KBV.

500 kleinere deutsche Krankenhäuser mit jeweils durchschnittlich ca. 300 Betten (angenommener Mittelwert) schließen zu wollen, bedeutet 150.000 Betten einfach dicht zu machen Bei einer durchschnittlichen Verweildauer von 6 Tagen sind das 25.000 klinisch relevante Patienten, die bitterschön W E R zu versorgen hat?

Wir niedergelassenen Haus- und Fachärzte arbeiten bereits jetzt bis zum Anschlag bei gedeckelter Gesamtvergütung und "blutigen" Krankaus-Entlassungen, einem fortwährenden Ärzte-"Bashing", einer um ganze 0,9 Prozent von Ihnen, Kollege Gassen, als Verhandlungsergebnis für 2017 ausbaldowerten Punktwert-Erhöhung und einem Almosen-Euro für den Medikationsplan für Hausärzte, während Fachärzte o h n e Leistungserbringung dafür automatisch bis zu 0,94 Euro im Quartal bekommen sollen.

Ein EU-Vergleich erübrigt sich, da unsere Kolleginnen und Kollegen in Europa gar kein GKV-System kennen und im Übrigen nicht nur im Nationalen Gesundheitsdienst (NHS) in GB und Nordirland wesentlich besser bezahlt werden. Japan, das Land mit der höchsten Lebenserwartung der Welt, hat 139 Krankenhausbetten gegenüber Deutschland mit 83 Betten auf 10.000 Einwohner (Datenstand WHO 2010)
http://www.laenderdaten.de/gesundheit/medizinische_versorgung.aspx

Herr Kollege Andreas Gassen, besinnen Sie sich bitte auf Ihre Kernkompetenzen mit Kooperation statt Konfrontation, verbessern Sie bitte Ausbildungs- und Arbeitsbedingungen, Lebensperspektiven, Honorar- und Nachwuchsprobleme, Sinnhaftigkeit und Nachhaltigkeit vertragsärztlichen Tuns, konzentrieren Sie sich bitte auf den Sicherstellungsauftrag und lenken Sie bitte nicht mit unseriösen Nebelkerzen bei der klinischen Krankenhaus-Versorgung in Deutschland ab.

Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund

Cc
info@kbv.de; rstahl@kbv.de
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