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Ärzte Zeitung, 25.06.2008

KOMMENTAR

Der Klage müssen nun Taten folgen

Von Raimund Schmid

Zweiklassenmedizin ist eine Vokabel, die Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt gar nicht mag. Umso erstaunlicher ist es, dass ihr Staatssekretär Dr. Klaus Theo Schröder beim Kinder- und Jugend-Ärztetag in Berlin selbst eingeräumt hat, dass die Chancen der Kinder, in Deutschland gesund aufzuwachsen, ungleich verteilt sind.

Das ist natürlich eine politische Steilvorlage gewesen, die die Pädiater flugs beim Schopfe ergriffen. Ihr Hauptkritikpunkt: Das System tauge kaum dazu, gesundheitliche Chancengleichheit herzustellen. Dafür sind vor allem drei Gründe ursächlich: Viele Niedergelassene kommen an Kinder aus sozial benachteiligten Familien erst gar nicht ran. Die Vorsorgeangebote greifen nur begrenzt. Und: Werden besonders gefährdete Kinder doch erreicht, reichen die Instrumente der Ärzte nicht aus, um effektiv auch intervenieren zu können.

Doch wo den Hebel ansetzen? Sicherlich auch am Honorar, das den Pädiatern in Brennpunktgebieten ohne Privatpatienten längst nicht mehr reicht. Schröder hat sich in Berlin sogar für Sicherstellungszuschläge ausgesprochen, die das Ministerium allerdings allein den Krankenkassen aufbürden möchte.

Am meisten würden benachteiligte Kindern jedoch aufsuchende Vorsorgemodelle nutzen. Das kostet viel Geld. Wer aber - wie Ulla Schmidt - Kinder nicht in einem Zweiklassensystem aufwachsen sehen möchte, sollte diese Investitionen nicht scheuen.

Lesen Sie dazu auch:
Pädiater beklagen Zwei-Klassen-Medizin

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