Ärzte Zeitung, 23.09.2008

Neue Leistungen nur via Kostenerstattung

Krankenkassen wollen Innovationen in der Praxis nicht extrabudgetär vergüten

MÜNSTER (iss). Vertragsärzte werden im kommenden Jahr neue Leistungen nur dann über das Sachleistungsprinzip erbringen, wenn die Krankenkassen dafür zusätzliche Finanzmittel zur Verfügung stellen.

"Wenn die Krankenkassen sich nicht bewegen, werden wir 2009 keine neuen Leistungen einführen", sagte KBV-Chef Dr. Andreas Köhler auf der Vertreterversammlung der KV Westfalen-Lippe.

Leider hätten sich die Kassen unter Verweis auf den Gesundheitsfonds entgegen den Beschlüssen des Erweiterten Bewertungsausschusses auf den Standpunkt gestellt, dass 2009 neue Leistungen nicht extrabudgetär bezahlt werden. Als Folge werde die KBV mit den Kassen im Bewertungsausschuss auch nicht über solche Leistungen verhandeln. Das gelte auch für neue vom Bundesausschuss beschlossene Leistungen. Köhler nannte die Balneophototherapie, die intravitreale Injektion und das Neugeborenen-Hörscreening.

Die Ärzte könnten diese Leistungen nach der Gebührenordnung für Ärzte abrechnen, die Versicherten müssten sich das Geld dann bei der Krankenkasse wiederholen - sie haben schließlich einen gesetzlichen Anspruch auf die entsprechende Versorgung. "Das werden die Krankenkassen nicht lange durchhalten und sich bewegen", erwartet Köhler.

Das Thema zeigt seiner Ansicht nach die Konsequenzen, die der Gesundheitsfonds langfristig für die Versorgung haben kann. "Werden Patienten künftig Innovationen nur noch über Zusatzprämien erhalten?", fragte Köhler.

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