Ärzte Zeitung, 02.03.2009

Rückenschmerz-Patienten erhalten in Berlin koordinierte Behandlung

KV und Kaufmännische Krankenkasse starten im März spezialisierte ambulante Versorgung / Alle Vertragsärzte können sich beteiligen

BERLIN (ami). Ein neues Versorgungskonzept, das bei Patienten die Chronifizierung von Rückenschmerz verhindern soll, startet ab März in Berlin. Die KV Berlin hat es gemeinsam mit einem interdisziplinären Expertengremium entwickelt.

"Die KV Berlin versteht sich auch als Organisator einer verbesserten medizinischen Versorgung in Berlin. Mit diesem Konzept wollen wir die Patientenversorgung verbessern und zeigen, dass wir dabei durchaus innovativ sind und über die Grenzen der Sektoren hinausdenken", sagte die Berliner KV-Chefin Dr. Angelika Prehn. Sie kritisierte in diesem Zusammenhang, dass die KVen bei den Integrationsverträgen nach Paragraf 140 a ausgeschlossen sind.

Erfreut zeigte sich Prehn jedoch, dass mit der Kaufmännischen Krankenkasse (KKH) eine Krankenkasse als Partner zur Umsetzung des langjährig entwickelten Versorgungskonzepts gefunden ist. Dazu hat die KV mit der Kasse eine Rahmenvereinbarung und einen Vertrag nach Paragraf 73c zur spezialisierten ambulanten Versorgung geschlossen.

KKH-Hauptabteilungsleiter Klaus Böttcher sprach von einem "neuartigen Projekt". Prehn hofft, dass andere Krankenkassen dem Beispiel der KKH folgen und das Projekt auch in andere Regionen ausstrahlt. Das Konzept sieht eine dreistufige Behandlung von maximal zwölf Wochen Dauer vor, die mit einem Screening eingeleitet wird. Abgestimmte Behandlungsschritte und die enge Zusammenarbeit von Ärzten, Psychotherapeuten, Physiotherapeuten, Krankenhäusern und Reha-Einrichtungen sollen Schnittstellenprobleme vermeiden und die Qualität und Wirtschaftlichkeit der Behandlung steigern (wir berichteten).

Mitwirken können niedergelassene Ärzte aller Fachrichtungen. Sie erhalten als koordinierende Ärzte in jedem Fall 30 Euro für das Eingangsscreening der Patienten. Wird der Patient in das Programm aufgenommen, fließen weitere 50 Euro. Die Vergütung erfolgt zusätzlich zur Regelversorgung.

Für die stationäre Versorgung wird der kommunale Klinikkonzern Vivantes über einen Integrationsvertrag eingebunden. Anfangs war das Gesamtkonzept als Projekt der Integrierten Versorgung geplant.

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