Ärzte Zeitung, 26.03.2010

Prävention und Bewegung - ein neuer Versuch

Mit der Initiative "Deutschland bewegt sich" will die Barmer GEK die Diskussion um Prävention wiederbeleben -  doch viele Forderungen klingen wie ein Mantra.

Von Anno Fricke

zur Großdarstellung klicken

Sport ist die beste Prävention: Die Barmer GEK wirbt für die Aktion "Deutschland bewegt sich". © reflektastudios / fotolia.com

BERLIN. Die Barmer GEK will die Diskussion über die gesundheitliche Prävention neu entfachen. "Nicht im medizinischen Fortschritt stecken die größten Gesundheitsreserven, sondern in ausreichend Bewegung und ausgewogener Ernährung", sagte Kassenchefin Birgit Fischer zum Auftakt der Aktion "Deutschland bewegt sich".

Die Folgen von Bewegungsmangel und Fehlernährung lassen sich in der Rechnung der Kasse plakativ darstellen: Während ein 50-jähriger gesunder Mann die Kasse durchschnittlich 312 Euro im Jahr koste, fielen für den gleichaltrigen Typ-2-Diabetiker mit Begleiterkrankungen der Nieren, Nerven, Augen und Gefäße rund 20 000 Euro an, sagte Fischer. Patienten mit chronischen Krankheiten verursachten fast 100 Milliarden der jährlich 236 Milliarden Euro Krankheitskosten in Deutschland, so Fischer. Zu wenig Bewegung und falsche Ernährung steigerten das Risiko deutlich, chronisch zu erkranken, erinnerte die Kassen-Chefin.

Wie deutlich das Risiko steigt, ist allerdings umstritten. "Wir brauchen mehr Gewissheit über Kosten-Nutzen-Effekte von präventiven Maßnahmen", gibt Fischer zu.

Eines ist jedoch sicher: Prävention muss dort ansetzen, wo die Menschen erreicht werden. Zum Beispiel in Schulen. "Schule macht dick", stellte Professor Jürgen Buschmann fest. Untersuchungen seines Instituts hätten ergeben, dass bei der Einschulung 15 Prozent der Kinder Übergewicht hätten, in der vierten Klasse schon 26 Prozent. Auffallend seien dabei vor allem Kinder mit Migrationshintergrund, sagte der Leiter des Zentrums für olympische Studien der Kölner Sporthochschule. Ob sich Kinder und Erwachsene von selbst mehr bewegen, da ist Buschmann skeptisch. Denn Lebensstiländerungen in der Bevölkerung könnten nur gelingen, wenn Wissenschaft, Politik und Kassen zusammenarbeiteten, so Buschmann.

Was das angeht, bewegt sich in Deutschland nicht viel. Diese Forderungen werden seit vielen Jahren wie ein Mantra wiederholt. Unter der schwarz-roten Koalition scheiterte ein Präventionsgesetz am Streit der beiden Parteien, die seit Oktober amtierende schwarz-gelbe Koalition hat ein Präventionsgesetz komplett beerdigt. Für die Kassen ist dieser Stillstand nicht nur ärgerlich. Im heraufziehenden Wettbewerb über Zusatzbeiträge sind freiwillige Präventionsleistungen wie die Aktion "Deutschland bewegt sich" der Barmer GEK sowie weiterer Partner willkommene Marketinginstrumente.

Niedergelassene Ärzte, die täglich Gesundheitsaufklärung betreiben, sind in Debatten und Aktionen zur Prävention unterrepräsentiert. Dabei weisen regionale Initiativen wie das Gesundheitsnetz Kinzigtal den Weg: Nämlich Ärzte auch für die Erhaltung und Förderung von Gesundheit zu bezahlen und nicht nur für die Intervention im Krankheitsfall.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Generelle Landarztquote ist vom Tisch

Der Masterplan Medizinstudium 2020 ist in trockenen Tüchern. Länder können, müssen aber keine Zulassungsquote für Landärzte in spe festlegen. mehr »

Was neue Onkologika den Patienten tatsächlich bringen

Ist das Glas halb voll oder halb leer? Neue Onkologika haben die Überlebenszeit von Krebspatienten in den vergangenen zwölf Jahren im Schnitt um 3,4 Monate verlängert. Dieser Vorteil geht oft zulasten der Sicherheit. mehr »

Kassen und KBVdrücken aufs Tempo

Bisher trat die Selbstverwaltung bei der Digitalisierung eher als Bremser auf. Bei den Formularen geben KBV und Kassen jetzt Gas: Im Juli kommt der digitale Laborauftrag. mehr »