Ärzte Zeitung, 21.05.2010

Davon träumen die Kassen im Norden: Ärztenetze und Kliniken in einem Boot

Die Betriebskrankenkassen wünschen sich Kliniken und Netze als gemeinsame Ansprechpartner.

Von Dirk Schnack

Davon träumen die Kassen im Norden: Ärztenetze und Kliniken in einem Boot

BKK-Vorstand Manfred Puppel. © di

HAMBURG. Ziel der Kassen im Norden sind regionale Versorgungsverträge. Dafür erhoffen sie sich Pilotprojekte. "Die Krankenkassen würden es begrüßen, wenn sie Ärztenetz und Klinik in gemeinsame Konzepte einbinden können. Das erfordert, dass die Akteure sich vorher abstimmen und zu Kooperationsmodellen finden. Ein Quantensprung wäre es, wenn sich Krankenhäuser und Ärztenetze gemeinsam auf Ausschreibungen zu Versorgungsmodellen in einer Region beteiligen", sagte Manfred Puppel.

Der Vorstand des BKK Landesverbandes Nord kann sich vorstellen, dass es in seiner Region in wenigen Jahren hierzu Pilotprojekte geben wird. Einige Netze haben bereits ihre Organisation und Rechtsform darauf eingestellt und sehen sich für solche Modelle vorbereitet.

Puppel hält insbesondere die junge Generation von Ärzten für aufgeschlossen für Verträge, die sektorenübergreifend die Versorgung einer Region verbessern könnten. Als Voraussetzung nennt Puppel ein neues Verhältnis zwischen Kassen und Leistungserbringern: "Eine bessere Versorgung erreichen wir nur, wenn wir alte Feindbilder nicht länger pflegen und die Zusammenarbeit zwischen den Leistungserbringern selbst, aber auch zwischen Ärzten und Kostenträgern verbessern", sagte Puppel.

Dies erwartet er auch von der hausarztzentrierten Versorgung. Wie berichtet hat der BKK Landesverband im Norden früher als andere Kassenarten auf Verträge nach Paragraf 73 b gedrängt und ist mit unterschiedlichen Vertragspartnern einig geworden: in Schleswig-Holstein mit der Ärztegenossenschaft und dem Hausärzteverband, in Mecklenburg-Vorpommern mit KV und Hausärzteverband. In Hamburg ist noch keine Einigung erzielt worden.

Puppel warnte davor, den Ärzten zu viele unterschiedliche HzV-Verträge anzubieten. "Fünf bis zehn" unterschiedliche Verträge hält Puppel für das Maximum, wenn die Praxen diese den Patienten anbieten sollen. Ob Bereinigungs- oder Add-on-Verträge die richtigen Wege sind, wird sich nach Puppels Ansicht erst nach einer Evaluation herausstellen: "Man darf nicht den Fehler machen, einen dieser Wege von vornherein zu verteufeln. Wer nur ablehnt und nichts ändert, wird auch nichts verbessern."

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