Ärzte Zeitung, 11.05.2010

Rösler setzt auf eine neue politische Mentalität

Rösler setzt auf eine neue politische Mentalität

Vertrauen auf die Fähigkeit zur Verantwortung und Problemlösungsfähigkeit von Menschen, aber auch Sicherung der Solidarität - das sind die Maximen von Minister Philipp Rösler in der Gesundheitspolitik.

Von Helmut Laschet

Rösler setzt auf eine neue politische Mentalität

"Politik muss auch Früchte tragen." Philipp Rösler, Bundesgesundheitsminister © Lösel

DRESDEN. Es war ein warmer Empfang, den die Delegierten des 113. Deutschen Ärztetages dem Novizen im Amt des Bundesgesundheitsministers am Dienstag in Dresden bereiteten. Die Hoffnungen, die sich mit dem FDP-Politiker Philipp Rösler verbinden, sind jedenfalls groß - so groß, dass Jörg-Dietrich Hoppe, der Präsident der Bundesärztekammer erstmals seit langem wieder Optimismus verbreitete und eine Offensive wagte.

Und Rösler? Was bleibt, waren nachdenkliche Worte am Ende seiner Rede. "Seit dem vergangenen Sonntag wissen wir, dass man Menschen auch enttäuschen kann", sagte er fast kleinlaut. Die Wähler in Nordrhein-Westfalen haben die konservativ-liberale Regierung beendet, deren Mehrheit im Bundesrat beseitigt und damit die Berliner Koalition auf den schwierigen Weg des Kompromisses Im Bundesrat gezwungen.

Und noch eine Erkenntnis nahm Rösler vom vergangenen Sonntag mit: "Dass Politik nämlich auch Früchte tragen muss."

Welche Botschaften hatte Rösler am Dienstag für die Ärzte? Die Versicherung, dass der Bachelor - anders als bei anderen Berufen - als Qualifikation in der Humanmedizin nichts taugt.

Und dass es einer Neudefinition des Berufsbildes der Ärzte bedarf, mit der Karriere und Familie kompatibel gemacht werden sollen. Für Frauen und Männer gleichermaßen. Die Arbeit als angestellter Arzt in Medizinischen Versorgungszentren sieht Rösler dabei als eine wichtige Option. Der zentrale Punkt sei, dass die Freiberuflichkeit des Arztes gesichert bleiben müsse und die medizinische Orientierung der dominierende Maßstab sei. Mit den beiden Spitzenorganisationen der Ärzte ist sich Rösler einig, dass Aktiengesellschaften als Träger von MVZ möglicherweise eher nach den Regeln des Kapitalmarktes als nach denen der Medizin funktionieren könnten.

Einig sei man sich auch darin, dass das Morbiditätsrisiko nicht den Ärzten überantwortet werden dürfe. Anders als die Bundesärztekammer sieht Rösler jedoch keinen Sinn in einer gesellschaftlich diskutierten Priorisierung - das lasse sich nicht in allen Details durchdeklinieren. "Unethisch ist es vor allem, Verschwendung zuzulassen", schrieb Rösler den Delegierten ins Gewissen. Darum setze er auf Eigenverantwortung.

Wie schon vor einer Woche beim Hauptstadtkongress mahnte Rösler eine neue Mentalität des Vertrauens und Zutrauens zu Ärzten und Patienten an. Die Stärkung des mündigen, eigenverantwortlichen Patienten sieht Rösler als Grundlage dafür, die Medizin von den vielen Fesseln bürokratischer Bevormundung zu befreien.

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