Ärzte Zeitung, 11.02.2011

Sachsen-Anhalts Kinder im Fokus

Sachsen-Anhalt hat eine in Deutschland einmalige Zahlenreihe zur Kindergesundheit. Seit 1991 werden die Daten erhoben -  sie zeigen deutlich, wie sehr Übergewicht vom sozialen Status abhängt.

Von Petra Zieler

Sachsen-Anhalts Kinder im Fokus

Engagierte Erstklässler: In Sachsen-Anhalt wird geprüft, wie fit sie mit Blick auf ihre Gesundheit sind.

© Sven Simon / imago

MAGDEBURG. Die meisten Kinder in Sachsen-Anhalt sind gesund - so die Botschaft der fünften Landesgesundheitskonferenz, auf der vor kurzem Ergebnisse zur Gesundheit von Kindern und Jugendlichen vorgestellt worden sind.

Grundlage für die positive Aussage sind Ergebnisse der jüngsten Schulanfängerstudie: Erstmals erschien sie 1991 und ist heute bundesweit eine einmalige Langzeit-Datenreihe. Für die aktuelle Studie in den Jahren 2008 bis 2010 wurden die Eltern von 3 621 Schulanfängern befragt.

Sachsen-Anhalts Gesundheitsminister Norbert Bischoff (SPD) verwies darauf, dass Bronchitis und Lungenentzündung seit 1991 kontinuierlich zurückgehen, immer mehr Kinder geimpft seien und sich die Zahngesundheit deutlich verbessert hat. So wurde das WHO-Gesundheitsziel "Weniger als ein kariöser Zahn bei Zwölfjährigen bis zum Jahr 2020" in Sachsen-Anhalt bereits im Schuljahr 2008/2009 erreicht.

Sorgen macht dem Minister allerdings, dass Gesundheit und Gesundheitsverhalten bei Kindern und Jugendlichen stark von deren sozialem Status abhängen. Dank der ausführlichen Datenreihe kann man zwar feststellen, dass der Anteil von Einschulungs-Kindern mit Übergewicht seit dem Jahr 1991 kontinuierlich bei etwa 11,6 Prozent geblieben ist.

Allerdings nehmen die Extreme deutlich zu: Der Anteil von sehr übergewichtigen Kindern stieg von 0,6 Prozent im Jahr 1991 auf 3,3 Prozent 2010.

Und: Kinder, deren Eltern rauchen und dazu eine niedrige Schulbildung haben, litten fast zweimal häufiger an Übergewicht (12,6 Prozent) und fast dreimal häufiger an Adipositas (7,1 Prozent) als Kinder mit hohem Sozialstatus (Übergewicht: 7,1 Prozent, Adipositas: 2,6 Prozent).

Auch Entwicklungsrückstände lassen Schlüsse auf die Herkunft der Kinder zu. Defizite in der emotionalen und motorischen Entwicklung, aber auch Sprachstörungen sind bei Kindern aus benachteiligten Familien höher.

Allerdings ergab die Studie auch, dass Mädchen und Jungen, die in Kindertagesstätten betreut wurden, weniger Sprachstörungen hatten. Bischoff plädierte deshalb für ganzheitliche Tagesangebote in Kitas und Schulen.

Gleichzeitig forderte er, auch Kindern, deren Eltern arbeitslos und zu Hause sind, eine Ganztagsbetreuung in Kindertagesstätten zu ermöglichen. Sie könnten derzeit nur eine stundenweise Betreuung in Anspruch nehmen. In Schulen müsste es nachmittags interessante und abwechslungsreiche Freizeitbeschäftigungen geben, so Bischoff.

Auf der Landesgesundheitskonferenz wurden ebenso fünf Modellprojekte für eine gesunde Entwicklung von Kindern ins Leben gerufen.

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