Kongress, 02.05.2011

Grußwort zur Kongresseröffnung

"Gesundheitspolitik geht endlich wieder in die richtige Richtung"

Für ein geordnetes Nebeneinander von Kollektiv- und Selektivverträgen plädiert BDI-Chef Dr. Wolfgang Wesiack. Wir dokumentieren Auszüge aus seiner Rede zur Eröffnung des Internistenkongresses, die uns vorab zur Verfügung stand.

Von Wolfgang Wesiack

"Gesundheitspolitik geht endlich wieder in die richtige Richtung"

BDI-Präsident Wesiack: "Der Dialog zwischen Ärzten und Politik funktioniert wieder."

© Reiner Zensen / imago

Dies ist eine besondere Veranstaltung für die Innere Medizin in Deutschland. Mit Gesundheitsminister Dr. Rösler haben wir die Freude, ihn hier auch als Arzt und Kollegen begrüßen zu dürfen.

Nach Jahren des rot-grünen Mehltaus und vieler sozialistischer Experimente geht Gesundheitspolitik endlich wieder in die richtige Richtung - der Dialog zwischen Ärzteschaft und Politik funktioniert wieder.

Sehr geehrter Herr Minister Rösler! Sie sollen wissen, dass die Innere Medizin in Deutschland mit ihrer wissenschaftlichen Gesellschaft, der DGIM, und Ihr Berufsverband, der BDI, viele Ihrer gesundheitspolitischen Ziele teilen und Sie deshalb weiter unterstützen werden.

Für uns Ärzte ist es befreiend zu hören, dass der Ärztemangel in der Politik nicht weiter geleugnet wird, dass unmenschliche Arbeitszeiten und Arbeitsbedingungen endlich auch offiziell thematisiert werden und dass man die Notwendigkeit erkennt, den Arztberuf wieder attraktiver zu machen.

Diese Probleme - und noch einige mehr - wollen Sie mit dem Versorgungsgesetz angehen. So viel Mut, Herr Minister, verdient nicht nur Anerkennung, sondern auch Unterstützung. Und die haben Sie von uns!

Die Probleme der medizinischen Versorgung sind groß und werden noch größer werden. Die ärztliche Basisversorgung ist gefährdet. Bis zum Jahr 2020 wird es wohl knapp 7000 Hausärzte weniger geben. Und deshalb müssen wird jenseits aller ideologischen Voreingenommenheit analysieren, welche Ressourcen uns dann noch zur Verfügung stehen.

Internisten sind bereit und auch fähig, Versorgung mehr in der Breite abzudecken, als wir das im Augenblick tun können. In einem Versorgungsgesetz mit Nachhaltigkeitsanspruch wird dies zu berücksichtigen sein.

Etwas Weiteres macht diese Veranstaltung zu etwas ganz Besonderem. Und damit bin ich bei Ihnen, sehr verehrter, lieber Herr Professor Hoppe.

Dies ist heute Ihre Abschiedsvorstellung als scheidender Präsident der Bundesärztekammer bei uns in Wiesbaden. Das Ärztliche in seiner Vielfalt zu artikulieren, zu vertreten und auch kritisch zu hinterfragen, dies haben Sie herausragend getan.

2011 ist ein Jahr der Wahlen, auch in der Berufspolitik. Mit Dr. Köhler und Dr. Müller ist im März der Vorstand der KBV wieder gewählt worden. Trotz dieses Vertrauensbeweises ist die Welt des Vertragsarztes nicht mehr in Ordnung.

Die Mehrheit der niedergelassenen Kollegen fühlt sich von der KBV nicht mehr ausreichend vertreten. Immer mehr Bürokratie, ständige Änderungen in der Abrechnung, eine missglückte Honorarreform mit Pauschalierungen statt Einzelleistungsvergütung, eine fragwürdige Honorarverteilung zwischen den KV-Regionen und innerhalb der einzelnen Arztgruppen haben zu einer tiefen Unzufriedenheit mit dem KV-System geführt.

Der Streit zwischen Kollektiv- und Selektivverträgen muss beendet werden. Der Kollektivvertrag hat Vorrang, aber in Selektivverträgen können neue und bessere Versorgungsformen erprobt werden. Ein geordnetes Nebeneinander statt ein Gegeneinander ist erforderlich.

Aber auch in den Kliniken liegt vieles im Argen. Also gerade dort, wo unser ärztlicher Nachwuchs, unsere Zukunft für die ärztliche Versorgung aus- und weitergebildet wird. Hier sind wir gemeinsam gefordert, Politik und Ärzte.

Ein Blick auf die Innere Medizin zeigt uns, dass wir noch viele Felder zu bearbeiten haben. Die Weiterbildung in der Inneren Medizin ist und bleibt stetige Herausforderung unserer beiden Gesellschaften, sowohl inhaltlich als auch strukturell - und zwar in Klinik und in der Praxis.

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