Ärzte Zeitung, 27.09.2011

Neue Assistenten sollen Ärzte entlasten

Internisten und Chirurgen fördern die Entlastung von Ärzten durch die Delegation von ärztlichen Leistungen. Assistenten sollen vor allem den Papierkrieg in Praxen und Kliniken übernehmen. Aber auch Handreichungen im Operationsaal und bei der Anamnese sind nicht mehr tabu.

Von Anno Fricke

Neue Assistenten sollen Ärzte entlasten

Vor allem den Papierkrieg sollen Assistenten für Internisten übernehmen.

© Gina Sanders / fotolia.com

BERLIN. Der Medizinisch-Administrative Assistent übernimmt für den Internisten Papierkrieg, die Operationstechnische Assistentin geht dem Chirurgen zur Hand. Neue Assistentenberufsbilder sollen Ärzte entlasten.

Darauf haben sich der Berufsverband Deutscher Internisten (BDI) und der Berufsverband der Deutschen Chirurgen (BDC) verständigt. Dies wurde bei einer Diskussionsveranstaltung zum Thema "Delegation" beim 4. Deutschen Internistentag in Berlin bekannt.

Ziel: alle administrative Aufgaben weg von den Ärzten

"Es muss unser Ziel sein, alle administrativen Aufgaben von den Ärzten wegzunehmen", sagte Chirurgen-Verbandschef Professor Hans-Peter Bruch. Dabei dürfe man aber nicht stehen bleiben. Es sei durchaus denkbar, dass nichtärztliche Helfer auch zur "Entnahme von Venen" eingesetzt würden. Warum sollten Ärzte den OP-technischen Assistenten nicht auch die "unspannenden Nähte" überlassen, fragte Bruch.

Die neuen Berufsbilder sollten "aus der Pflege heraus aufgebaut" werden, sagte Bruch. Das sei besser, als die Qualifizierung in Bachelor- und Masterstudiengängen anzusiedeln. "Dann geht's Richtung Barfußarzt", warnte Bruch.

Mehr an Selbstständigkeit und Verantwortung im Beruf

Auch für die Medizinischen Fachangestellten (MFA) setzt sich der Zug in Richtung eines motivierenden Mehr an Selbstständigkeit und Verantwortung im Beruf auch offiziell allmählich in Bewegung. Die Landesärztekammer Hessen hat federführend ein qualifizierendes Curriculum für die MFA entwickelt.

Seitdem der 111. Deutsche Ärztetag in Ulm sich eindeutig positiv zur Delegation ärztlicher Leistungen an nichtärztliche Fachkräfte geäußert hat, nehmen die Scheindebatten über dieses Thema massiv ab.

Vorwürfe der Ärzte an Politiker und Krankenkassen werden leiser, diese planten die Ausweitung der Delegation ärztlicher Leistungen ausschließlich aus Kostendämpfungsgründen. Es überwiegt die Erkenntnis, dass die Realität das Wunschdenken der Ärzte längst überholt hat.

 "Wir bewegen uns in einer Grauzone", gestand Dr. Wolf Römer ein. Der Erste Vizepräsident des Internistenverbandes vermutete, dass "mehr delegiert und substituiert wird, als vorstellbar". Nur wenn etwas schiefgehe, falle jeweils ein Lichtstrahl auf diese Grauzone in Praxen und Kliniken.

Ärztekammer: Nein zur Substitution ärztlicher Tätigkeiten

Hart bleiben wollen die Ärzte bei der Substitution ärztlicher Arbeit durch nichtärztliche Angehörige von Heilberufen. "Es bleibt bei einem klaren Nein zur Substitution ärztlicher Tätigkeiten", betonte Gottfried von Knoblauch zu Hatzbach, der Präsident der Ärztekammer Hessen.

Allerdings weichen auch hier die Positionen auf. Die Diskussion beim Internistentag zeigte auf, dass Ärzte sich damit anfreunden könnten, Doppler-, Herzecho- oder Ultraschalluntersuchungen als Teil der Anamnese zu delegieren. Dies rief engagierte Gegenreden hervor: Untersuchungen, in deren Verlauf vom Untersuchenden eine Entscheidung verlangt werde, könnten nicht delegiert werden.

Spielregeln für Assistenten von niedergelassenen Ärzten

Gesetzgeber und Selbstverwaltung arbeiten seit Jahren an Spielregeln für die Delegation ärztlicher Leistungen. Im Stellungnahmeverfahren beim Gemeinsamen Bundesausschuss ist derzeit eine Liste von 40 Tätigkeiten, die Kranken- und Altenpflegekräfte künftig selbstständiger ausführen können sollen als bisher.

Es war die Pflegegesetzgebung, die hierfür den Anstoß gegeben hat. Deshalb sind die MFA dabei außen vor. Das Versorgungsstrukturgesetz will deshalb die Manteltarifpartner in die Pflicht nehmen, eine vergleichbare Liste für die Assistenten der niedergelassenen Ärzte zu erarbeiten.

Mit dem neuen Paragrafen 63c des SGB V hat auch die Substitution Einzug gehalten. Ein erster Modellversuch mit Physiotherapeuten ist angelaufen.

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