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Ärzte Zeitung online, 08.08.2012

Honorarminus 2013

KBV fordert Spar-Stopp

Streit ums Geld. Die Kassenärztliche Bundesvereinigung fürchtet, die Krankenkassen wollten den Ärzten den Geldhahn weiter zudrehen - und geht auf die Barrikaden.

KBV fordert Abkehr von rigidem Sparen

Brandloch: Was wird aus den Honoraren im kommenden Jahr?

© K.-U. Häßler / fotolia.com

BERLIN (af). Es scheint Pläne der Kassen zu geben, im nächsten Jahr deutlich weniger Geld für die ambulante Versorgung der Versicherten ausgeben zu wollen.

Zu den aktuellen Verhandlungen erklärte KBV-Chef Dr. Andreas Köhler: "Ein rigider Sparkurs ist nicht nur verantwortungslos gegenüber den Patienten, sondern steht auch im Widerspruch zum Gesetz."

Der Gesetzgeber fordere, dass sich die Vergütung der Vertragsärzte - und psychotherapeuten ab 2013 der Entwicklung der Morbidität anpassen müsse, sagte Köhler.

In Deutschland litten immer mehr Menschen an langwierigeren Krankheiten wie Diabetes und Demenz, die immer teurere Behandlungen erforderten.

Gutachten am Donnerstag

Die KBV fordert ein Plus von 3,5 Milliarden Euro für das Jahr 2013. Damit sollen gestiegene Betriebskosten und auch die Inflation seit 2008 ausgeglichen werden, sagte Köhler am Mittwoch.

Sparforderungen der Kassen seien ein verheerendes Signal an junge Ärzte, sich auf dem Land niederzulassen, so Köhler.

Hintergrund der Äußerungen Köhlers ist ein Gutachten, das das Forschungsinstitut Prognos AG im Auftrag des GKV-Spitzenverbandes erstellt hat.

Darin untersuchen die Wissenschaftler, wie sich das Verhältnis von Aufwand und Vergütung für die Versorgung der gesetzlich Versicherten in den vergangenen Jahren entwickelt hat.

Gegenstand ist damit auch die Preiskomponente in der vertragsärztlichen Versorgung, der Orientierungswert. Der GKV-Spitzenverband will das Gutachten morgen, Donnerstag, vorstellen.

[09.08.2012, 23:04:26]
Dr. Thomas Georg Schätzler 
Was vom jetzigen ominösen Prognos-Gutachten zu halten ist
Die schweizerische Prognos-AG hatte sich im Auftrag des GKV-Spitzenverbands der Krankenkassen bereits mit einem Gutachten zur ersatzlosen Streichung von bis zu 12.000 Vertragsarztsitzen einen Namen gemacht: Bei einem Versorgungsgrad von 110 % wären theoretisch 765 hausärztliche Sitze in Starnberg, München und Freiburg zu viel. Denn bundesweit liegt der Versorgungsgrad der hausärztlichen Praxen g e n e r e l l nur bei 100% oder darunter. Bei den F a c h-Ärzten wollte Prognos dagegen einen Vernichtungsfeldzug starten: Ein Versorgungsgrad von 130 % als Höchstgrenze würde bundesweit die Auflösung von 9.902 Facharztsitzen, bei 110 % Versorgung die Aufgabe von 16.196 fachärztlichen Sitzen als ‚tabula rasa‘bedeuten. Vgl.:
https://www.gkv-spitzenverband.de/upload/Gutachten_Aufkauf_Arztpraxen_110630_16991.pdf

Auch mit dem aktuell mir noch nicht vorliegenden Prognos-Vertragsarzt-Honorargutachten (Honorar nicht mit Umsatz verwechseln!) soll wieder eine perfide Verunsicherung gestartet werden, um KBV und Länder-KVen einzuschüchtern. Die Spitze der GKV-Kassen zeigt nicht die Spur von Interesse, gemeinsam mit allen Vertragspartnern die vertragsärztliche Versorgung in Deutschland flächendeckend sicherstellen zu wollen. Denn wie die KBV zu Recht fordert, Versorgungsrealität und Demografie Problematik müssen verbessert, Strukturprobleme des ländlichen Raums, der sozialen Brennpunkte und wirtschaftlichen Randgebiete angegangen und Krankheitsbewältigung bzw. Gesundheitsziele der Versicherten formuliert werden.

So verkommt allerdings jedes von der GKV in Auftrag gegebene Gutachten zum sybillinischen Orakel des Griechischen Gottes der Vorhersehung namens Prognos und wird zugleich zu einer Heimsuchung für uns Alle!

Mf+kG, Dr. med Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund

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