Ärzte Zeitung, 02.05.2013

Sachsen

Mammografie-Zoff spitzt sich zu

Radiologen in Sachsen sollen falsche Mammografie-Befunde ausgestellt haben. Das wirft ihnen zumindest eine Klinik vor. Jetzt mischt sich die KV ein. Sie spricht von einer gezielten Kampagne gegen eine niedergelassene Ärztin.

Von Thomas Trappe

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Beurteilung einer Mammografie. In Riesa sorgen vermeintlich falsche Befunde für Wirbel.

© Vadim Kozlovsky / shutterstock.com

RIESA/DRESDEN. Im Streit zwischen der Klinik-Leitung und niedergelassenen Ärzten im sächsischen Riesa hat die KV Sachsen deutlich Position für die Praxen bezogen und der Klinik eine Kampagne vorgeworfen. KV-Chef Heckemann spricht von "einer nie dagewesenen Aktion".

Auch die Aufsichtsräte des kommunalen Elblandklinikums haben inzwischen die Reißleine gezogen und die beiden Klinik-Vorstände beurlaubt. Vorausgegangen waren diesem Entschluss Vorwürfe der Klinik gegen drei niedergelassene Radiologen.

Zum Hintergrund: Nach langwierigen Auseinandersetzungen mit niedergelassenen Ärzten wandte sich das Elblandklinikum vor wenigen Wochen zunächst an die KV und wenig später auch an die Öffentlichkeit: Drei Riesaer Radiologen, so hieß es, stünden im Verdacht, falsche Mammografie-Befunde ausgestellt zu haben.

KV bestätigt Vorwürfe nicht

Mit der Folge, dass bis zu 290 Patientinnen in der Region an Brustkrebs erkrankt seien, ohne es zu wissen. Die KV versprach, die Vorwürfe zu prüfen und Nachbefundungen durchzuführen. Jetzt kam die KV zu einem klaren Ergebnis: Die Vorwürfe sind aus der Luft gegriffen.

In einem Schreiben, das der "Ärzte Zeitung" vorliegt, schreibt Dr. Klaus Heckemann, Vorstandsvorsitzender der KV Sachsen, an eine der betroffenen Radiologen. Demnach gebe es keinen Zweifel daran, dass die Befundungen allesamt richtig seien.

"Es gibt im Ergebnis dieser Maßnahmen nicht den geringsten Zweifel an der Korrektheit Ihrer ärztlichen Tätigkeit." Ein gegenteiliges Urteil fällt die KV zur Klinik.

Die Vorgänge seien "an Merkwürdigkeiten kaum zu überbieten", heißt es. Die Kassenärztliche Vereinigung sei von der Klinik "als ein Mittel zu einem Zweck missbraucht" worden, "der wohl kaum in der Sorge um das medizinische Wohl der Patientinnen bestand".

Untersuchungen laufen noch

Die KV kündigte Konsequenzen an. "Durch die nunmehr gezeigte Haltlosigkeit der Vorwürfe sehen wir uns veranlasst, nun unsererseits gegen den Verursacher aktiv zu werden", heißt es.

Dieser habe ein "überaus perfides Spiel" gespielt. Die Untersuchungen zur Affäre laufen derzeit noch.

Nachdem im Aufsichtsrat des Elblandklinikums schon länger über den Verbleib des Vorstands debattiert wurde, gibt es nun erste Entscheidungen. Die beiden Vorstände Markus Funk und Dr. Stefan Geiger wurden beurlaubt, ebenso der Chefarzt der Gynäkologie.

Die Klinik verbreitete zur Personalie nur eine Stellungnahme des Aufsichtsratschefs, Meißens Landrat Arndt Steinbach (CDU): "Es bleibt nun Raum, die positive Entwicklung der medizinischen Versorgung der Bevölkerung im Landkreis Meißen zu verstetigen."

Zu den Elblandkliniken gehören drei Kliniken und mehrere Gesundheitszentren.

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