Ärzte Zeitung App, 06.12.2013

Geplant

Ein Schlaganfallnetzwerk für den Norden

In Schleswig-Holstein haben Teilnehmer einer Konferenz Ideen für ein Netzwerk bei Schlaganfall entwickelt. Künftig soll es mehr Vernetzung geben. Auch Patientenlotsen sollen zum Einsatz kommen.

Von Dirk Schnack

Ein Schlaganfallnetzwerk für den Norden

Reha-Übungen nach einem Schlaganfall. Im Norden sollen künftig Prävention und Nachsorge besser verknüpft werden.

© Illian

KIEL. In Schleswig-Holstein soll die Schlaganfallversorgung künftig interdisziplinär gestaltet werden. Ziel sind Versorgungslösungen, in deren Entwicklung auch Patienten und Selbsthilfegruppen eingebunden sind.

Dafür sollen ein Schlaganfallnetzwerk etabliert und das Schnittstellenmanagement verbessert werden.

Ein weiteres Netzwerk von Selbsthilfegruppen soll Patienten und Angehörige dabei unterstützen, nicht nur medizinische, sondern auch psychologische und familiäre Herausforderungen eines Schlaganfalls zu bewältigen.

Dies sind die wichtigsten Ergebnisse einer Schlaganfallkonferenz in Kiel, zu der Beteiligte aus allen Bereichen des Gesundheitswesens im Norden gekommen waren.

Neben Ärzten und ärztlichen Körperschaften waren auch Patienten, Selbsthilfegruppen, Krankenkassen, Politiker, Pflegevertreter und Wissenschaftler vertreten.

Alle Anliegen sind zulässig

Die vom Unternehmen Pfizer veranstaltete Tagung war ein Open Space Format ohne Vorträge und Vorgaben wie etwa ein Tagungsprogramm. Jeder Teilnehmer konnte eigene Themen für Workshops vorschlagen, in denen anschließend in kleinen Gruppen diskutiert wurde.

Dabei folgt jeder Teilnehmer dem, was für ihn interessant und wichtig ist und es gilt: Alle Anliegen sind zulässig, auch wenn sie vermeintlich nicht zum Gesamtthema der Veranstaltung passen. Gesamtrunden mit allen Beteiligten finden nur zu Beginn zur Orientierung und zum Abschluss statt.

"Open Space hat den Beteiligten einen interdisziplinären Austausch auf Augenhöhe ermöglicht. Eine solche Konstellation ist sonst kaum möglich", sagte Initiator Dr. Herme Rijnberk vom Pharma-Unternehmen Pfizer.

Positiv war nach seiner Ansicht, dass neben einem Erfahrungsaustausch auch ein Kennenlernen unterschiedlichster Akteure aus dem Gesundheitsbereich stattfand.

Auf Wunsch der Teilnehmer wurde über die Themen Prävention, Versorgung in der Fläche, Nachsorge, Überleitungsmanagement, Finanzierungsmodelle, stationäre Pflege und Verzahnung gesprochen.

Prävention und Nachsorge verzahnen

Handlungsbedarf sehen die Teilnehmer insbesondere in der Verzahnung aller an der Prävention und Nachsorge beteiligten Partner.

Hier schwebt ihnen ein Schnittstellen- und Überleitungsmanagement etwa durch Patientenlotsen vor. Defizite sehen sie auch durch die Versorgungsunterschiede in Stadt und Land.

Standardlösungen wurden nicht präsentiert. Stattdessen setzen die Teilnehmer auf gezielte Maßnahmen für unterschiedliche regionale Voraussetzungen.

Der Auftaktkonferenz in Kiel sollen nun weitere folgen. Im nächsten Jahr werden die Schleswig-Holsteinischen Akteure erneut eingeladen, um Fortschritte zu diskutieren.

Bis dahin werden die kleinen Gruppen, die sich zum Auftakt gebildet haben, auf Wunsch bei der Umsetzung ihrer Ziele vom Unternehmen unterstützt. Pfizer überlegt derzeit, vergleichbare Konferenzen auch in anderen Bundesländern anzubieten.

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