Ärzte Zeitung, 12.12.2013

Sachsen-Anhalt

Die Pläne des neuen Hausärzte-Chefs

Kürzere Arbeitszeiten, mehr Geld, neue Strukturen - dafür will sich der frisch gewählte Hausärzte-Chef von Sachsen-Anhalt, Stefan Andrusch, einsetzen.

Von Petra Zieler

Die Pläne des neuen Hausärzte-Chef

Stefan Andrusch, Vorsitzender des Hausärzteverbands in Sachsen-Anhalt.

© Zieler

MAGDEBURG. "Ein bisschen liegt es auch an uns selbst, wenn junge Leute keine Lust auf Allgemeinmedizin haben", sagt Stefan Andrusch, neugewählter Chef des Hausärzteverbands in Sachsen-Anhalt.

Oft bekämen Studenten während ihrer Praktika in Hausarztpraxen Auslassungen über zu viel Bürokratie und zunehmende Belastung zu hören. "Wer nicht mit Freude bei der Arbeit ist, kann auch keine Freude am Beruf vermitteln."

Dabei will der Allgemeinmediziner aus Halberstadt die Probleme nicht klein reden: "Vor zehn Jahren haben die Hausärzte im Land deutlich weniger Patienten behandelt, heute sind es im Schnitt 1100 pro Quartal." Für immer mehr ältere Menschen stünden immer weniger Ärzte zur Verfügung.

Jede dritte Hausarztpraxis kann bereits heute nicht mehr besetzt werden. "Das ist zum Teil der demografischen Entwicklung geschuldet: Die Anzahl der älteren Menschen in Sachsen-Anhalt mit schweren chronischen Erkrankungen liegt deutlich über dem Bundesdurchschnitt."

"Weniger Ärzte haben mehr zu tun. Das spiegelt sich nicht in der Honorierung wider - ein Knackpunkt." Viel Arbeit, wenig Ehr‘ - vielleicht haben sich Andruschs Söhne (26 und 28 Jahre) auch deshalb lieber für den Ingenieursberuf und gegen ein Medizinstudium entschieden.

Manch' alter Zopf muss ab

Der Vater jedenfalls will es Hausärzten künftig leichter machen, will sich starkmachen für kürzere Arbeitszeiten, angemessene Honorierung, Ärztenetze, neue Strukturen.

Forderungen stellt er nicht nur an Politik und Kassen, sondern auch an den eigenen Berufsstand. Manch‘ alter Zopf, sagt er, müsse abgeschnitten werden.

Andrusch, selbst seit über 20 Jahren in eigener Praxis, zeigt sich überzeugt, dass der Arzt als Einzelkämpfer ein Auslaufmodell ist. Mehr Vertragsärzte sollten sich in Netzen zusammenschließen.

"In Regionen wie Magdeburg und Schönebeck, aber auch bei uns im Harz, sind wir auf gutem Weg."

Die 14 Haus- und vier Fachärzte aus dem Bereich Wernigerode, Halberstadt, Osterwieck seien derzeit dabei, eine papierlose Vernetzung aufzubauen.

Dann wollen sie einheitliche Therapiepfade entwickeln - im Sinne der Behandlungsqualität. Gleichzeitig erleichtere dies auch Kooperationen untereinander.

Mehr VERAHs

Stichwort Wochenarbeitszeit: "Wir können natürlich nicht hoffen, dass viel mehr Ärzte in unsere Region kommen." Strukturmodelle müssten her, die "dem Doktor auch mit noch höherem Patientenaufkommen als heute genügend Freizeit für die Familie, zur Regeneration lassen".

Der 53-Jährige plädiert an seine Kollegen, das medizinische Personal besser in Praxisablauf und -organisation einzubeziehen. Voraussetzung dafür sei gezielt Qualifizierungen - zu Praxismanagerinnen oder Versorgungsassistentinnen in der Hausarztpraxis (VERAH).

Auf politischer Ebene will sich Andrusch neben einer besseren Vergütung vor allem für ein Pflichtquartal Allgemeinmedizin innerhalb des PJ sowie für die Pflicht zur ambulanten Weiterbildung in der Assistenzarztzeit einsetzen.

"Dazu brauchen wir eine adäquate Vergütung für beide Bereiche." Dann entscheidet sich eines Tages vielleicht Andruschs heute 13-jährige Tochter, in die Fußstapfen ihres Vaters zu treten.

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