Ärzte Zeitung online, 16.04.2015

Gröhe

Mehr Klinik-Personal für mehr Patientensicherheit

Zum Geburtstag gab es einen Korb: Gesundheitsminister Gröhe lobt das Aktionsbündnis Patientensicherheit - und lehnt einen Förderantrag ab.

BERLIN. Das Bundesgesundheitsministerium (BMG) lehnt einen Antrag des Bundesrates ab, wonach gesetzliche Krankenkassen Einrichtungen der Patientensicherheit mit 500.000 Euro jährlich fördern sollten.

"Wir wissen seit gestern, dass dies so nicht umgesetzt wird", sagte APS-Vorsitzende Hedwig François-Kettner beim Auftakt der Jahrestagung in Berlin. Der Bundesrat hatte dies im Rahmen des Verfahrens zum Versorgungsstärkungs-Gesetzes beantragt.

Professor Hartmut Siebert, stellvertretender APS-Vorsitzender, sagte der "Ärzte Zeitung", dass das BMG bei der Initiative unter anderem den Einbezug der privaten Krankenversicherung vermisst habe.

Die APS arbeitet bislang weitgehend ehrenamtlich. Benötigt werde, so Siebert, eine Basisförderung von etwa 200.000 Euro pro Jahr.

François-Kettner betonte auf der Jahrestagung, dass die APS mit der Aktion "Saubere Hände", einem Lehrstuhl für Patientensicherheit an der Uni Bonn und der aktiven Mitarbeit am Patientenrechtegesetz in den vergangenen zehn Jahren dazu beigetragen habe, die Sicherheitskultur im Gesundheitswesen zu verbessern.

Patientensicherheit - Pflichtprogramm der Regierung

Gesundheitsminister Gröhe (CDU) nannte in seiner Rede die Patientensicherheit "ein Pflichtprogramm" der Regierung.

Mit dem Zehn-Punkte-Programm gegen multiresistente Keime, dem neuen Institut für Qualitätssicherung und Transparenz im Gesundheitswesen (IQTiG) und den künftigen Termin-Servicestellen werde für eine schnelle und sichere Versorgung der Patienten gesorgt.

Er kündigte an, bei Telemedizin-Projekten "etwas Druck machen zu wollen", damit die elektronische Gesundheitskarte ihren Nutzen vor allem in Notfällen und bei der Medikationsplanung entfalten könne. "Patientensicherheit bedeutet, die Versorgung intelligent nach Qualitätsaspekten zu steuern", sagte Gröhe.

Mit Blick auf die Krankenhausplanung sei dazu eine "Arbeitsteilung" zwischen Zentren für seltene Erkrankungen, Hochschulambulanzen, Maximalversorgern und Telemedizin nötig.

Auch die Förderung von zusätzlichen Pflegestellen als Teil der Krankenhausreform, stärke die Patientensicherheit. (wer)

[18.05.2015, 14:54:12]
Andrea Gerber 
Kann das „Pflegestellenförderprogramm“ den Pflegenotstand beheben?
Die meisten Kliniken leiden unter einem dramatischen Mangel an Pflegekräften, auf der einzelnen Pflegekraft lastet ein enormer Druck. Im Zuge ihrer Krankenhausreform will die Bundesregierung Abhilfe schaffen. Der neue Referentenentwurf des Gesetzes sieht u. a. vor, dass mit dem „Pflegestellenförderprogramm“ von 2016 bis 2018 zunächst bis zu 660 Millionen Euro ausschließlich für die „Pflege am Bett“ bereitgestellt werden. Doch zehn Prozent der Personalkosten müssen die Krankenhäuser selbst finanzieren.

Damit könnten, so heißt es aus dem Bundesgesundheitsministerium, etwa 6.350 neue Stellen geschaffen werden. Das sind durchschnittlich etwa drei zusätzliche Stellen für jedes der derzeit 2000 bundesdeutschen Kliniken. Bringt das wirklich eine strukturelle Verbesserung? Eine Expertenkommission soll prüfen, ob der Bedarf an Pflegekräften bisher angemessen ermittelt wurde.

Unter den Krankenpflegern herrscht die Meinung vor, die vorgesehenen Mittel seien nur "ein Tropfen auf den heißen Stein". Jede Pflegekraft habe viel zu viele Patienten zu versorgen, eine Situation, die die Kranken bereits jetzt gefährde. Die Belastung ist immens, viele gehen inzwischen mit Angst zur Arbeit und fragen sich jeden Tag, ob sie dieses Pensum überhaupt schaffen können.

Hier muss dringend Abhilfe geschaffen werden. Wenn nicht weitere Mittel für die Einstellung von Pflegekräften und deren Weiterbildung bereitgestellt werden, wird die Qualität der Pflege weiter leiden und immer mehr Pflegekräfte fallen wegen Krankheit aus oder drehen der Pflege den Rücken. Die Sicherstellung einer guten Pflege ist auch abhängig von der vollumfänglichen korrekten Abrechnung der erbrachten Krankenhausleistungen. Viele Krankenhäuser verzichten unbewusst auf ihnen zustehende Erlöse durch unzureichende DRG-Kodierung, durch nicht sachgerechte Dokumentation und durch wenig erfahrene Kräfte in der Auseinandersetzung bei strittigen Fällen mit dem MDK. Zu leichtfertig wird häufig Erlöskürzungen zugestimmt. Die bei der Behandlung bereits entstandenen Kosten verbleiben bei den Krankenhäusern und müssen anderweitig eingespart werden. An Personalaufstockungen im Bereich der Pflege ist in solcher Situation nicht zu denken. Daher ist es für Krankenhäuser immanent wichtig, sicherzustellen, dass alle erbrachten Leistungen vollumfänglich und korrekt dokumentiert und abgerechnet werden. Das nachfolgende MDK-Management gehört in die Hände sowohl medizinisch als auch abrechnungstechnisch und in der Rechtsprechung erfahrener Kräfte und kann nicht von Stationsärzten oder Kodierkräften „nebenbei“ erledigt werden.
 zum Beitrag »
[16.04.2015, 14:32:16]
Monika Geissler 
Mehr Pflegekräfte in Krankenhäusern
Dieser Vorschlag wird bestimmt bei den Wählern gut ankommen. Allerdings sagt er nichts aus,inwieweit dadurch die pflegerischen Leistungen auch verbessert werden. Zudem stehen die Krankenhäuser unter besonderem Kostendruck und daher ergibt sich auch die Frage, zu wessen Lasten erhöhte Personalkosten gehen werden. Der Bund wird vermutlich wenig dazu beitragen. (Gute Vorschläge zu Lasten Dritter)! zum Beitrag »

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Mehr Pneumonien unter Benzodiazepinen

Benzodiazepine sind bei Patienten, die an Morbus Alzheimer leiden, mit einer Häufung von Lungenentzündungen assoziiert. Für Z-Substanzen gilt das womöglich nicht. mehr »

Schelte für die SPD und die Bürgerversicherung

Bei der Eröffnung des 120. Deutschen Ärztetags nahm BÄK-Präsident Montgomery die Gerechtigkeitskampagne der SPD ins Visier. Lob gab es hingegen für Gesundheitsminister Gröhe. mehr »

Psychotherapie bei Borderline nur mäßig erfolgreich

Spezifische Psychotherapien sind bei Borderline-Patienten unterm Strich zwar wirksamer als unspezifische Behandlungen: Allerdings fällt die Bilanz in kontrollierten Studien eher mager aus. mehr »