Ärzte Zeitung online, 29.04.2015

Referentenentwurf

Schöne neue Klinik-Welt

Der Referentenentwurf zur Krankenhausreform liegt nun vor: So ist geplant, dass Kliniken künftig auch nach der Qualität ihrer Behandlungen bezahlt werden.

Von Anno Fricke

So soll die Klinikversorgung umgekrempelt werden

Finanzspritze für die Kliniken: Strukturfonds wird insgesamt mit einer Milliarde Euro ausgestattet.

© Kzenon / fotolia.com

BERLIN. Mit einem Milliarden Euro schweren Strukturfonds wollen Bund und Länder in den kommenden drei Jahren die Krankenhauslandschaft neu ordnen.

Aus dem Fonds sollen der Abbau von Überkapazitäten, die Schaffung von Fachzentren und die Umwandlung von Krankenhäusern in lokale Versorgungseinrichtungen, zum Beispiel Pflegezentren und Hospize, gefördert werden.

Das geht aus dem Entwurf des Krankenhaus-Strukturgesetzes hervor, der der "Ärzte Zeitung" vorliegt.

Der Strukturfonds soll einmalig 500 Millionen Euro aus dem Gesundheitsfonds erhalten. Damit ein Strukturprojekt umgesetzt werden kann, muss das jeweilige Land die gleiche Summe zuschießen, die aus dem Strukturfonds entnommen wird.

Insgesamt müssen die Länder also höchstens 500 Millionen Euro zusätzlich zur Investitionskostenfinanzierung bereit stellen. Ende 2018 soll geprüft werden, was der Strukturfonds erreicht hat.

Das Gesundheitsministerium geht von Einsparpotenzialen in dreistelliger Millionenhöhe aus, die der Fonds mit auslösen könnte.

Elemente einer qualitätsorientierten Vergütung geplant

An den Ländern ist damit der Kelch vorübergegangen, für eine auskömmliche Investitionsfinanzierung der Krankenhäuser zu sorgen.

Um an Geld aus dem Strukturfonds zu kommen, werden sie lediglich dazu verpflichtet, den Durchschnitt ihrer finanziellen Beiträge aus den Jahren 2012 bis 2014 weiter beizubehalten, heißt es in dem Entwurf, der in den vergangenen Tagen im Bundesgesundheitsministerium (BMG) erarbeitet wurde.

Diese Summe liegt zusammen bei rund 2,7 Milliarden Euro im Jahr, nach Berechnungen der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG) zufolge mehr als drei Milliarden Euro im Jahr zu wenig.

Mit der Reform sollen Elemente einer qualitätsorientierten Vergütung in die Finanzierung von Krankenhäusern eingeführt werden. Gute Qualität soll höher honoriert, schlechte soll mit Abschlägen oder gar keiner Honorierung abgestraft werden.

Selbst Schließungen von Kliniken aufgrund qualitativ mangelhafter Ergebnisse schließt der Gesetzentwurf nicht aus. Um die Pflegequalität aufzuwerten, will die Regierung bis 2018 rund 660 Millionen Euro für Pflegekräfte zur Verfügung stellen.

An dieser Stelle stieß der Entwurf auf Zustimmung bei den Kostenträgern. "Es ist überfällig, dass sich die Kliniken künftig an den Parametern Qualität und Transparenz ausrichten müssen", sagte Günter van Aalst, Leiter der Landesvertretung NRW der Techniker Krankenkasse der "Ärzte Zeitung".

Die Kassen werfen den Krankenhäusern seit geraumer Zeit vor, dass sie die ausbleibenden Investitionsmittel durch Mengenausweitungen bei Operationen kompensierten.

Krankenhausgesellschaft nicht zufrieden

Die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) sprach von einer "Mogelpackung". "Die Koalition verfehlt ihre eigenen Ziele deutlich."

An der Reform gebe es noch massiven Änderungsbedarf, ehe sie für die Krankenhäuser akzeptabel ist, sagte DKG-Präsident Thomas Reumann am Mittwoch.

Qualität, Sicherheit und Hygiene erforderten eine gute Bausubstanz und moderne medizinische Geräte, so Reumann. Deshalb müssten die Investitionskosten ohne Wenn und Aber finanziert werden.

Aus der Koalition erhielt der Entwurf von Hermann Gröhe (CDU) Zustimmung. "Weniger Krankenhäuser, weniger Operationen und mehr Qualität - das ist unser Ziel. Und mit einer Reihe von gesetzlichen Maßnahmen und finanziellen Anreizen erreichen wir damit endlich strukturelle Veränderungen beim größten Ausgabenblock der Gesetzlichen Krankenversicherung", sagte der Sprecher der Unionsfraktion Jens Spahn.

2013 wandten die gesetzlichen Krankenkassen knapp 65 Milliarden Euro für Krankenhausbehandlungen auf, mehr als ein Drittel ihrer Gesamtausgaben.

[12.05.2015, 15:08:28]
Dr. Wolfgang P. Bayerl 
solche "Gesundheits"-Politiker werden dann sicherlich auch selbst freiwillig auf eine Op verzichten
Welche genau müssen natürlich die Ärzte natürlich selbst wissen, oder???
Ok, verstehe erst mal die teuren,
Mensch mit kaputter Leber muss sterben, schon kappiert (Göttingen hat geschlossen).
Mit Herz-Op´s ist man in der Öffentlichkeit ja etwas mitfühlender,
obwohl,
muss man wirklich noch mit 83 einen 4-fach-bypass machen??? (Helmut Schmidt 2002)

Wirklich kaum zu glauben, das man so etwas unvernünftiges öffentlich fordern darf.
Sitzen da Heilpraktiker im Gesundheitsministerium?
Die Hüft-Op´s sind ja von wirklichen Ökonomen (international) als besonders ökonomisch erkannt worden,
wissen sogar die Amerikaner:
ein Dollar Therapie spart 5 Dollar Pflege. zum Beitrag »
[12.05.2015, 14:41:10]
Andrea Gerber 
Weitere Kürzungen der Krankenhauserlöse durch die Krankenhausreform
Die Krankenhausreform hat nach dem jüngsten Gesetzesentwurf konkrete Hauptziele: weniger als die derzeit etwa 2000 Kliniken zu erhalten, weniger Operationen durchzuführen und die Qualität der Leistungen zu erhöhen. Dafür sollen bis 2020 immerhin 6,4 Milliarden Euro ausgegeben, aber nur dreistellige Millionenbeträge eingespart werden. Ausgerechnet der MDK soll über die Einhaltung von Qualitätskriterien, die mit Entgeltkürzungen bewehrt sein sollen, wachen.

Damit die Gesamtleistung der Krankenhäuser auch mit veränderten Versorgungsstrukturen angemessen vergütet wird, soll es die Möglichkeit einer Vereinbarung „von befristeten krankenhausindividuellen Zuschlägen“ für Leistungen außerhalb der DRG-Kalkulation und der Landesbasisfallwerte geben. Zudem ist geplant, die Rahmenbedingungen für die „Anwendung von Sicherstellungszuschlägen“ zu präzisieren. Zuschläge sind auch für die Teilnahme an der Notfallversorgung oder für die Übernahme besonderer Aufgaben vorgesehen. Man darf gespannt sein, wie diese Maßnahmen konkret aussehen werden.

Was die Krankenhäuser durch die „Neuausrichtung der Mengensteuerung“ erwartet, z. B. durch die vorgesehene Regelung im GKV-Versorgungsstärkungsgesetz „zur Einholung von Zweitmeinungen bei mengenanfälligen planbaren Eingriffen“, ist bisher noch nicht absehbar. Was so lapidar klingt, lässt allerdings eine weitere Eingriffsmöglichkeit für den MDK und einen zusätzlichen Verwaltungsaufwand für die Medizincontroller in den Häusern befürchten.

Mengenausweitungen sollen ab 2017 nicht mehr pauschal über den Landesbasisfallwert gekürzt werden, sondern über Mehrleistungsabschläge direkt in den betroffenen Häusern. Sollen die Häuser aus eigener Tasche dafür aufkommen, wenn sich aufgrund ihrer höheren Qualität oder aufgrund der Alterung der Bevölkerung mehr Patienten gerade in diesem Krankenhaus behandeln lassen? Der Referentenentwurf lässt noch viele Fragen offen. Es zeichnet sich jedoch schon jetzt ab: Viele geplante Veränderungen gehen zu Lasten der Krankenhäuser und lassen dort den administrativen Aufwand bei der Leistungsplanung, -abrechnung und in der Auseinandersetzung mit dem MDK weiter ansteigen. Zudem sind die Vertreter der Krankenhäuser dringend gehalten, frühzeitig aktiv zu werden, um das Schlimmste noch zu verhindern.
 zum Beitrag »
[30.04.2015, 11:02:01]
Dr. Richard Barabasch 
Für wie blöd halten manche andere "Manche" ?
"Weniger Krankenhäuser, weniger Operationen und mehr Qualität - das ist unser Ziel" -
sagt "die Koalition .
Und das ist dann - sagt "die Koalition" - die Lösung des Problems für 95 % der Deutschen Bürger,
weil 95 % der Bevölkerung KRANKENKASSENPFLICHTVERSICHERTE sind. Es liegt also N I C H T an den Zu-Behandelnden,
sondern es liegt an all denen, die den Zu-Behandelnden ihr jeweils geprüftes und inzwischen Evidence-basiertes Wissen und Können und somit Wissen der Behandlung von Krankeheiten der Zu-Behandelnden zur Verfügung stellen im System der bundesdeutschen Krankenkassenpflichtversicherung für 95 % der Bevölkerung . . . . Ach so !!!
meint
R.B. zum Beitrag »

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