Ärzte Zeitung, 27.01.2016

KV Nordrhein

Termineservicestellen werden zu Ernüchterung führen

Ein Blick in die nahe Zukunft: Nach Einführung der Terminservicestelle könnte nur eine elektronische Portallösung die Akzeptanz erhöhen, meint die KV Nordrhein.

DÜSSELDORF. Die KV Nordrhein (KVNo) rechnet damit, dass es zunächst viele Anfragen bei der neuen Terminservicestelle (TSS) geben wird, die Nachfrage dann aber wieder abebben wird.

Ein Grund dafür wird nach Einschätzung des KVNo-Vorsitzenden Dr. Peter Potthoff sein, dass manche Erwartungen der Patienten enttäuscht werden.

Sie würden schnell erkennen, dass sie bei der TSS keinen Wunschtermin bei ihrem Wunscharzt erhalten. "Der Patient geht zu einem Arzt, den er nicht kennt, zu einem Zeitpunkt, den er sich nicht ausgesucht hat", sagte Potthoff in Düsseldorf. Das wird sich negativ auf die Termintreue auswirken, erwartet er.

Bedarf nicht einzuschätzen

Die Akzeptanz der TSS und die Termintreue werden steigen, wenn Patienten eine elektronische Portallösung nutzen können. Sie wird es den Patienten erlauben, im Internet zu sehen, welche Ärzte Termine frei haben und dann den passenden Zeitpunkt für sich zu blocken.

Zum jetzigen Zeitpunkt sei die Inanspruchnahme der TSS nicht einzuschätzen, sagte Potthoff. Immerhin gebe es in Nordrhein 50 Millionen Arzt-Patienten-Kontakte im Jahr. Seit 2012 habe die KVNo bei Bedarf für die AOK Rheinland/Hamburg Termine vermittelt. Das waren bislang rund 200 im Jahr.

Auch die Vorgaben zur zumutbaren Entfernung könnten nach Ansicht Potthoffs zu Ernüchterung führen. Die Erreichbarkeit innerhalb von 30 Minuten mit öffentlichen Verkehrsmitteln oder 60 Minuten bei hochspezialisierten Ärzten beziehe sich nicht auf den Wohnort des Patienten, sondern den nächst gelegenen Arzt der Fachrichtung, erinnerte er.

1800 freie Termine sind gemeldet worden

In Nordrhein werden zunächst 19 Mitarbeiter mit der Terminvermittlung befasst sein. Zwölf nehmen die Wünsche der Patienten auf und sieben suchen den passenden Arzt und teilen den Termin dem Patienten dann per Brief mit.

"Die Kosten können wir noch nicht beziffern", sagte Potthoff. Bislang hätten Fachärzte der KVNo rund 1800 freie Termine gemeldet, quer über alle Fachgruppen.

Ob das zunächst reicht, ist nicht klar. "Wir kennen den Bedarf in den einzelnen Fachgruppen nicht." Wenn die KVNo merkt, dass nicht genügend Termine zur Verfügung stehen, will sie einzelne Fachärzte gezielt ansprechen. So will sie verhindern, dass Patienten an Kliniken verwiesen werden müssen und damit der Honorartopf aller Fachärzte geschmälert wird.

Laut den Vorgaben kann die TSS für Termine bei Augen- oder Frauenärzten direkt vom Patienten kontaktiert werden. Das gelte aber nicht, wenn es um einen dringlichen Termin geht, betonte Potthoff. Die Dringlichkeit müsse ein Arzt feststellen. (iss)

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