Ärzte Zeitung, 30.09.2016

Medikationsplan

Harsche Kritik aus dem Norden an KBV-Spitze

Der Vorstand der KV Schleswig-Holstein ist unzufrieden mit den auf dem Tisch liegenden Eckpunkten zur Honorierung des Medikationsplans.

Harsche Kritik aus dem Norden an KBV-Spitze

BAD SEGEBERG. Die von Ärzten als unzureichend empfundene Honorierung für den Medikationsplan schlägt hohe Wellen im Norden. Der Vorstand der KV Schleswig-Holstein macht KBV-Vorstand Regina Feldmann persönlich verantwortlich.

Grund für diese Einschätzung: Im KBV-Vorstand wird nach Wahrnehmung der Nord-KV nicht abgestimmt gearbeitet. "Wieder war die hausärztliche KBV-Spitze nicht in der Lage, frühzeitig und rechtzeitig eine koordinierte Abstimmung in der KBV herzustellen", sagte KV-Chefin Dr. Monika Schliffke in der Abgeordnetenversammlung.

"Isolierte Stellung"

Sie vermisst eine gemeinsame Abstimmung der Folgen für beide Versorgungsbereiche. "Frau Feldmann tönt zwar laut, aber sie redet nicht. Wenn ich die hausärztliche KBV-Spitze als isolierte Stellung begreife, die mit Fachärzten nichts zu tun haben will, kommt so etwas dabei heraus", sagte Schliffke.

Auch ihr Vorstandskollege Dr. Ralph Ennenbach kann bei der KBV keine Strategie für Honorarverhandlungen erkennen, diese werden nach seiner Wahrnehmung dort nicht als "Mannschaftssport", also fachübergreifend, begriffen.

"Ein verantwortungsvoller KBV-Vorstand bewertet gemeinsam die Realität, kommuniziert abgestimmt, macht eine Chancen- und Risikoabwägung, erörtert dies mit den Fraktionen und holt einen mehrheitlichen Konsens sein", sagte Ennenbach – und ließ deutlich erkennen, dass eben dies nach seiner Beobachtung in der KBV nicht geschieht.

Fehler der vergangenen 20 Jahre

Deutliche Kritik kommt aus der Nord-KV auch am vorliegenden Referentenentwurf für ein GKV-Selbstverwaltungsstärkungsgesetz. In der geplanten Ausweitung der Kontrollrechte der Aufsicht sieht Schliffke eine "Rechnung, mit der man sich KBV-Fehler der letzten 20 Jahre bezahlen lässt – und das ohne zu wissen, welche sich tatsächlich in den laufenden Verfahren als relevante Fehler herausstellen."

Insbesondere die Wahlvorgaben regen die Nordlichter auf – geplant ist unter anderem, dass Abstimmungen künftig grundsätzlich nicht mehr geheim sein dürfen. "Hier setzt man einfach so ein Grundrecht außer Kraft, um sich Haftungsansprüche zu sichern. Eine Vertreterversammlung ist doch kein chinesischer Volkskongress", sagte Schliffke.

Auch viele Abgeordnete zeigten sich bestürzt von diesen Plänen. Für sie ist unverständlich, dass entsprechende Pläne aus einem deutschen Ministerium kommen. Sie setzen darauf, dass der Entwurf in der vorliegenden Fassung einer Rechtsprüfung nicht standhalten wird. (di)

[01.10.2016, 23:00:17]
Wolfgang Bensch 
Kritik aus dem Süden via Neugebauer-Gutachten
Nicht mehr "taufrisch" aber immerhin jetzt hier öffentlich für jeden, den es interessiert, zugänglich (facebook-community braucht es allerdings auch noch):
https://lookaside.fbsbx.com/file/Neubauer%20Gutachten%20Teil%201.pdf?token=AWxl6tdBuN-tqkqK_VsTMIgEa5Gmbpjc6QXdS3tHmyz0aBEt4NipA091Y0MDyMBXshcIm8vZi_0oVdIId8CPY9XTqt8jjwyiNz5iyXVqatqkO-CRVrFLqDUn2gGAPFSYgqSEqQcJk62nmfCTmPwhsOj-9z7v0pl5X14lUEr4UTZPEQ

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[01.10.2016, 20:42:47]
Thomas Georg Schätzler 
Ergänzung zum Medikationsplan - berechtigte Kritik der KV Schleswig-Holstein
Es sind gar nicht die Apothekerinnen und Apotheker, die in ihrer Offizin Eigeninteresse an Einspar-Rabatten hätten. Es sind die medizin- und versorgungsferne Politik, Ärzte-, Apotheker- und Kassenfunktionäre bzw. der GBA (Gemeinsame Bundesausschuss), die mit geheimen Rabattverträgen, Cent-Fuchsereien und Relaxationen gezielt und systematisch Verwirrung stiften.

Und wenn alle Apotheken korrekt Dosierung und Einnahmeanweisung auf Umverpackungen übertragen: Es bleibt dabei, dass der Patient unmündig gehalten, ihm das Rezept-Original im Gegensatz zu privat Versicherten vorenthalten und Irrtümern bzw. Verwechslungen damit nicht vorgebeugt wird. Und wie oft landen die Medikamenten-Pappschachteln zu Hause im Papiermüll?

Das ist und bleibt ein eklatanter Fehler der überwiegend fremdbestimmten Gesundheitspolitik und des SGB V (5. Sozialgesetzbuch) und hat erst zur Notwendigkeit geführt, einen Medikationsplan in der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) gesetzlich zu etablieren.

Im Gegensatz zur Privaten Krankenversicherung (PKV), in der die absolute Mehrheit der Bundestagsabgeordneten versichert ist. Die haben das grundlegende Problem bis heute noch nicht verstanden!

Ansonsten verweise ich auf mein Interview in der Ärzte-Zeitung print und online:
"Ärzte Zeitung, 30.09.2016 - Interview - Einen selbsterklärenden Medikationsplan gibt es nicht"
http://www.aerztezeitung.de/praxis_wirtschaft/special-arzt-patient/article/920301/interview-selbsterklaerenden-medikationsplan-gibt-nicht.html

Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund
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