Ärzte Zeitung, 31.01.2012

Kommentar

Abenteuerliche Wertewelten

Von Christoph Fuhr

Sie sorgen alle Jahre für Irritationen - zumindest bei Menschen, die sensibilisiert sind für die Bedeutung von Solidarität: Zahlen, aus denen hervorgeht, wie viele Menschen in den USA keine Krankenversicherung haben.

17 Prozent waren es 2011, bei Einwohnern mit hispanischen Wurzen lag die Quote mit 40 Prozent noch viel höher. Die Statistik von Gallup und Healthways zeigt auch: Wer Geld hat, sichert sich ab, die Armen sind die Gelackmeierten.

Ob Barack Obamas Gesundheitsreform ab 2014 mit der Versicherungspflicht tatsächlich greift, steht in den Sternen. Blanker Marxismus, alles Teufelzeug, giften republikanische Präsidentschaftskandidaten.

Und Bewerber Ron Paul, ein Ex-Luftwaffenarzt, setzt allem die Krone auf: Warum sollten sich nicht Ärzte bei der Behandlung von armen US-Bürgern in die Pflicht nehmen - kostenlos, aus einer persönlichen Verantwortung heraus, natürlich ohne jeden Rechtsanspruch für die Kranken?

Abenteuerliche Wertewelten sind das, die aus deutscher Sicht im Grunde nur einen Schluss nahelegen: Wie gut, dass es bei uns das Solidarprinzip gibt. Wie gut, dass wir sie trotz Verwerfungen und Widersprüche immer noch haben: eine gesetzliche Krankenversicherung.

Lesen Sie dazu auch den Bericht:
Immer mehr Nichtversicherte in den USA

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