Ärzte Zeitung, 11.07.2016

Flüchtlinge

Ärzte fordern Sprachmittlung auf GKV-Kosten

Ärzte warnen vor einer Lücke in der medizinischen Versorgung von Flüchtlingen. Weil die Kassen keine Dolmetscherleistungen bezahlen, droht vielen Traumatisierten ein Bruch in der Therapie. Die Bundesärztekammer fordert mehr Geld für diese Dienste.

Von Anno Fricke

BERLIN. Deutlich weniger Flüchtlinge kommen in Deutschland an. Wie Innenminister Thomas de Maizière am Freitag bekannt gab, warten derzeit knapp eine halbe Million Menschen auf die Bearbeitung ihrer Asylanträge. Die Verzögerungen dauern an.

Nach wie vor ist die Übernahme von Kosten der medizinischen und psychotherapeutischen Versorgung der oft seelisch traumatisierten Menschen aus den Kriegsgebieten des Nahen Ostens oder Afghanistans nicht geklärt.

Wie viele der nach Deutschland geflüchteten Menschen betroffen sein könnten ist nicht klar. Die Erfahrungen aus den Psychosozialen Zentren zeigten, dass rund 40 Prozent der Flüchtlinge aus Kriegsgebieten psychotherapeutischen Behandlungsbedarf aufwiesen, schätzen Vertreter der Bundesärztekammer.

Für Ärzte und Psychotherapeuten sind das keine guten Nachrichten. Weil das Asylbewerberleistungsgesetz und die Regelversorgung durch die gesetzlichen Krankenkassen nicht verzahnt seien, drohe bei vielen Flüchtlingen ein Bruch in der Behandlung, warnten Fachleute am Wochenende bei einem Symposium zur Verbesserung der psychischen Gesundheit traumatisierter Flüchtlinge in Berlin. Ausgerichtet wurde die Tagung von der Landesärztekammer Baden-Württemberg und der Ständigen Konferenz Ärztlicher Psychotherapeutischer Verbände.

"Der Versuch, der Politik die Bedeutung von Sprachmittlung als professionelle Aufgabe in Gesundheitspraxen begreifbar zu machen, schreitet nur langsam voran", sagte Dr. Ulrich Clever, Präsident der Landesärztekammer Baden-Württemberg im Vorfeld der Tagung.

In den ersten 15 Monaten sind nach dem Asylbewerberleistungsgesetz die Kommunen für die Dolmetscherleistungen zuständig. Danach erhalten die Flüchtlinge Hartz IV, ihre Gesundheitskosten werden ab dann von den Kassen übernommen.

"Die Kassen sind aber nicht verpflichtet, die Kosten für Dolmetscherdienste bei psychotherapeutischen Behandlungen zu übernehmen", klagt Clever. Dabei gelinge die Integration mit Psychotherapie besser. "Die Sprachmittlung muss ins GKV-System", so seine Forderung.

Clever warnt davor, auf qualifizierte Dolmetscherdienste zu verzichten. Die Erfahrung zeige, dass bei nichtprofessionellen Sprachmittlern nicht eins zu eins übersetzt werde. Probleme seien schambesetzte Begriffe oder selbst politische Differenzen zwischen Dolmetscher und Patient.

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