Donnerstag, 17. April 2014
Ärzte Zeitung, 02.10.2012

Woldegk

Im Gesundheitshaus ist Platz für Honorarärzte

Mitten in Woldegk entsteht ein Gesundheitshaus. Eine Chance, weitere Ärzte für den Ort im südlichen Mecklenburg zu interessieren.

Von Dirk Schnack

Im Gesundheitshaus ist Platz für Honorarärzte

Platz für mehrere ärztliche Arbeitsplätze, eine Physiotherapie und für barrierefreie Wohnungen: das geplante Gesundheitshaus in Woldegk.

© milatz.schmidt architekten gmbh

WOLDEGK. Das Haus steht bisher nur als Modell im Computer, doch es trägt bereits viele Hoffnungen: Auf mehreren Etagen sollen ab 2014 verschiedene Gesundheitsberufe ins neue Gesundheitshaus in Woldegk einziehen, hofft Bürgermeister Dr. Ernst-Jürgen Lode.

Ärzte könnten dort in dauerhafter Niederlassung arbeiten oder auch auf Honorarbasis. Ein solches Modell hält auch der Manager des Ärztehauses an der Marienkirche im 25 Kilometer entfernten Neubrandenburg, Gernot Kunzemann, für realisierbar.

Kunzemann managt das Haus mit einigen Dutzend Arztpraxen seit Jahrzehnten. Auch Patienten aus Woldegk kommen ins Zentrum.

Seine Idee ist inzwischen in einer Absichtserklärung zwischen der KV Mecklenburg-Vorpommern, der KV-Kreisstelle, der Kommune, dem Ärztehaus Neubrandenburg und dem Klinikum in Neubrandenburg festgehalten.

Modell hat Vor- und Nachteil

Danach betreibt die Kommune das Gesundheitshaus als Eigeneinrichtung und erhält von der KV die dafür erforderliche hausärztliche Zulassung.

Die Betreibergesellschaft des Ärztehauses kommt ins Spiel, wenn sie die hausärztliche Präsenz an fünf Tagen die Woche in Woldegk garantiert.

"Mit niedergelassenen oder zur Niederlassung berechtigten Ärzten", betont Kunzemann. Das schließt etwa Ärzte, die nicht mehr in Vollzeit berufstätig sind oder Honorarärzte aus anderen Regionen ein.

Das Modell wäre für die Ärzte einfach: Sie erhalten von der Betreibergesellschaft ein vorher festgelegtes Honorar. Die Gesellschaft rechnet mit der Einrichtung ab, die das KV-Honorar erhält.

Das Modell hätte den Nachteil, dass die Woldegker unter Umständen täglich einen anderen Arzt vor Ort hätten. "Für jeden Patienten einen, aber nicht seinen Arzt", fasst Kunzemann zusammen.

Dafür aber "seine" Schwester: denn Kunzemann schwebt auch vor, dass die Eigenrichtung mit fest angestellten MFA arbeitet, die möglichst mit Schwester-Agnes-Qualifikation auch Arzt entlastende Tätigkeiten vornehmen dürfen.

Dies hätte den Vorteil, dass es vor Ort Angestellte gibt, die die Patienten kennen, mit der Software vertraut sind und den Arzt schnell einweisen können.

Viele noch ungelöste Probleme

Für Lode ist die Absichtserklärung der Beteiligten ein wichtiger Schritt: "Damit ist uns eine große Last genommen."

Dass das Modell nicht für jeden Beteiligten optimal ist, weiß auch Kunzemann. Er sagt aber auch: "Alle Beteiligten müssen alte Zöpfe abschneiden, damit man zu einem realisierbaren Modell kommt."

Er sieht bislang eine hohe Bereitschaft, auch in den Schweriner Ministerien, zu einer Lösung zu kommen. Für die fachärztliche Präsenz ist die allerdings noch nicht in Sicht.

Für Kunzemann ist zwar eine nach Fächern wechselnde fachärztliche Präsenz vor Ort denkbar - etwa einen Nachmittag pro Woche Urologie, einen Nachmittag HNO, einen Nachmittag Pädiatrie oder HNO. Besetzen könnten dies Fachärzte aus dem Ärztehaus in Kooperation mit den Kollegen aus dem Neubrandenburger Klinikum.

Doch anders als für die hausärztliche Versorgung sind dafür hohe Investitionen in Medizintechnik erforderlich, die sich bei einer eingeschränkten Präsenz nicht amortisieren.

"Wer bezahlt den Gyn-Stuhl oder die HNO-Basiseinheit? Und wie soll die Zulassung für die Fachärzte erfolgen: 20 Prozent Urologie, 20 Prozent Pädiatrie, 20 Prozent Gynäkologie usw. - so etwas gibt es nicht", zählt Kunzemann die noch nicht gelösten Probleme auf.

2014 soll Betrieb aufgenommen werden

Unterdessen laufen die Vorbereitungen für den Bau des Gesundheitshauses weiter. Die Kommune hat die dafür erforderlichen Grundstücke erworben, alte Gebäude entfernen lassen und befindet sich mitten im Genehmigungsverfahren für das dreistöckige Gebäude. Baubeginn soll im Frühjahr 2013 sein.

Im Gesundheitshaus werden auf über 500 Quadratmetern im Erdgeschoss Räume unter anderem für zwei hausärztliche Arbeitsplätze und eine Therapieeinheit und für fachärztliche Untersuchungen geschaffen.

Im ersten Stock wird Platz sein für eine Physiotherapie und für eine noch offene Nutzung. Im zweiten Obergeschoss sowie in einem zweiten Gebäude entstehen insgesamt 14 barrierefreie Wohnungen.

Finanziert werden die Gebäude von einer Investitionsgemeinschaft, an der sich die Wohnungsbaugesellschaft mit 1,8 Millionen Euro für die Wohnungen und die Stadt mit 1,2 Millionen Euro für den medizinischen Teil beteiligen.

2014 könnte der Startschuss für die ersten hausärztlichen Untersuchungen fallen.

Lesen Sie dazu auch:
In Mirow: Gesundheitshaus auf Initiative einer Ärztin

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