Ärzte Zeitung, 26.02.2010

Unter den Krankenkassen wird munter geheiratet

Der Wille des Gesetzgebers wird Realität: Das neue Fusionsrecht haben die Kassen intensiv genutzt. Das Ergebnis: Ehen zwischen unterschiedlichen Kassenarten und über Ländergrenzen hinweg.

Von Dieter Leopold

Unter den Krankenkassen wird munter geheiratet

Die Gesundheitsreform wirkt - Kassen schließen sich zusammen. © dpa

NEU-ISENBURG. Immer schneller dreht sich das Fusionskarussell in der GKV. Hatte es zum Jahresende 2008 noch 215 gesetzliche Krankenkassen gegeben, waren es zum Jahresbeginn 2010 noch 169.

Betroffen von der Fusionswelle sind alle Kassenarten. Ursächlich sind nicht nur zunehmender Wettbewerb und der Zwang zum Sparen von Verwaltungskosten, sondern vor allem der Gesundheitsfonds. Seit seinem Start hat sich die Kassen-Zahl binnen eines Jahres um fast 50 verringert.

Zum 1. Januar 2010 gab es noch 14 Allgemeine Ortskrankenkassen (AOK) und damit eine weniger als vor Jahresfrist. Die AOK Berlin und die AOK Brandenburg haben zu Jahresbeginn fusioniert. Die neue Kasse ist mit über 1,3 Millionen Versicherten die größte in der Region. Konkrete Formen könnte die Fusion der AOK Rheinland/Hamburg und der AOK Westfalen-Lippe zur Jahresmitte 2010 oder zum 1. Januar 2011 annehmen. Mit fast fünf Millionen Versicherten wäre sie die größte AOK.

Einen möglichen Zusammenschluss prüfen auch die AOK Hessen und die AOK Plus. Die Verwaltungsräte beider Krankenkassen haben den Weg für Fusionsverhandlungen freigemacht, um über Sitz der Kasse, Namen und Spitzenmanager zu beraten. Während die AOK Plus in Sachsen und Thüringen 2,73 Millionen Versicherte betreut, verzeichnet die AOK Hessen rund 1,5 Millionen Versicherte. Noch nicht vom Tisch sind Gedankenspiele von AOK Sachsen-Anhalt und AOK Mecklenburg-Vorpommern zur Fusion.

Besonders ausgeprägt ist die Konzentration bei den BKKen. Ihre Zahl ging 2009 von 155 auf 130 zurück. Ihre Kompetenzen gebündelt haben die Neue BKK und die BKK Siemens (SBK) und sich zum Jahresbeginn 2010 zusammengeschlossen. Die neue Kasse vereint fast eine Million Versicherte. Ebenfalls neu schlossen sich Pronova BKK und BKK Ford & Rheinland und Goetze & Partner zusammen und weisen jetzt über 500 000 Versicherte auf. Bereits zum Oktober 2009 hatten Taunus BKK und BKK Gesundheit zur mit 1,2 Millionen Versicherten größten BKK unter dem Namen BKK Gesundheit fusioniert. Am 1. Januar 2010 folgte die Fusion mit der BKK Fahr. Jetzt hat die Kasse 1,5 Millionen Versicherte.

Die Innungskrankenkassen als einstige Aushängeschilder des Handwerks fusionieren mehr und mehr, auch über Kassengrenzen hinweg. Zurzeit gibt es noch neun mit fast fünf Millionen Versicherten, vor Jahresfrist waren es noch 14. Die größte IKK mit über 1,8 Millionen Versicherten bilden seit Januar 2010 die bisherigen vier IKKen von Baden-Württemberg/Hessen, Hamburg, Sachsen und Thüringen, die neue IKK classic

Intensiv auf der Suche nach einem Fusionspartner ist die IKK Niedersachsen (300 000 Versicherte). Dabei favorisiert die Versichertenseite im Verwaltungsrat einen Zusammenschluss mit der AOK Niedersachsen. Die Vertreter der Arbeitgeber plädieren hingegen zu einem Partner aus dem IKK-Lager.

Von der aktuellen Entwicklung bleiben auch Ersatzkassen nicht ausgenommen. Bundesweit gibt es jetzt noch sechs. Am meisten Aufsehen hat der Zusammenschluss von Barmer Ersatzkasse (BEK) und Gmünder Ersatzkasse (GEK) zum 1. Januar 2010 erregt. Mit 8,6 Millionen Versicherten und einem Marktanteil von fast 13 Prozent ist sie jetzt Branchenführer. Am Jahresbeginn hat sich die Deutsche Angestellten Krankenkasse die Hamburg Münchener Ersatzkasse (HaMü) mit 300 000 Versicherten einverleibt und trägt nun den Namen DAK Unternehmen Leben.

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