Ärzte Zeitung, 30.08.2010

Brustkrebs: Frühes Screening zahlt sich aus

Weniger Leid bei Frauen, weniger unnötige Operationen und weniger Brustkrebstote: Das Mammographie-Screening setzt sich hehre Ziele.

Von Anno Fricke

Brustkrebs: Frühes Screening zahlt sich aus

Rechtzeitige Vorsorge schützt vor Krebs: Eine Frau beim Mammografie-Screening.

© Kooperationsgemeinschaft Mammographie

BERLIN. Pro Jahr erkranken bundesweit rund 57 000 Frauen an Brustkrebs, mehr als 17 000 sterben daran. Der erste Qualitätsbericht zum Mammographie-Screening-Programm für die Jahre 2005 bis 2007 zeigt, dass in den Reihenuntersuchungen wesentlich häufiger kleine Tumoren unter 15 Millimeter Größe aufgespürt werden. Der Anteil der invasiven Tumore von einer maximalen Größe von einem Zentimeter liege im Screening bei rund 30 Prozent, sagte Dr. Wolfgang Aubke bei der Vorstellung des Berichts am Freitag in Berlin. Vor Einführung des Screenings seien es nur 14 Prozent gewesen.

Erfreulich für alle Frauen: Werden im Screening Tumore entdeckt, sind die Lymphknoten in zwei Dritteln aller Fälle noch nicht befallen. In der Vor-Screening-Ära seien es nur 49 Prozent gewesen, sagte der Vorsitzende des Beirats der Kooperationsgemeinschaft Mammographie.

Die Deutsche Gesellschaft für Senologie stützt diese Ergebnisse. Seit Einführung des Screenings könnten Operateure in 85 Prozent aller Fälle die Brust erhalten. Viele Chemotherapien und viel psychisches Leid bleiben den Frauen erspart. Vorher hatte dieser Wert zwischen 60 und 70 Prozent geschwankt.

Trotz der extrem hohen Qualitätsanforderungen des Screening-Programms an die Ärzte, das technische Personal und die Geräte ist das Verfahren nicht perfekt. Offen klären die Verantwortlichen die Frauen darüber auf, dass sie psychisch belastet werden, wenn bei einer Auffälligkeit Gewebe entnommen wird, das sich später als gutartig herausstellt.

Sie gestehen ein, dass überflüssigerweise auch gutartige Tumore behandelt werden oder dass Frauen Leid zugefügt werden kann, weil ein nicht mehr heilbarer Krebs gefunden und therapiert wird, ohne dass sich die Lebenszeit bei guter Lebensqualität verlängere. "Diese Informationen setzen die Frauen in die Lage, eigenverantwortliche Entscheidungen zu treffen", sagte Dr. Andreas Köhler, Chef der Kassenärztlichen Bundesvereinigung.

Am Verfahren beteiligt sind niedergelassene Radiologen und Gynäkologen, Zentren für weitergehende Diagnostik und Pathologen. Um die Organisation kümmern sich ein Lenkungsausschuss, ein Projektteam der KVen und die Arbeitsgemeinschaft der Krankenkassen.

Derzeit hätten rund zehn Millionen Frauen zwischen 50 und 69 Jahren Anspruch auf die kostenlose Kassenleistung. Weil das System noch nicht komplett aufgebaut war, haben sich zwischen 2005 und 2007 rund 1,4 Millionen Frauen beteiligt. Von ihnen erhielten 95 Prozent die frohe Botschaft, dass es keinen auffälligen Befund gab. Eingeladen haben die Screening-Zentren die doppelte Anzahl von Frauen. Was das Wegbleiben von 50 Prozent der Frauen aussagt, ist noch unklar. Darunter könnten viele Frauen sein, die regelmäßig zur Vorsorge gehen, aber die Einladung zum Screening nicht beachten. Es könnte auch an der Aufmachung der Einladungspost liegen. Aus Datenschutzgründen steht das Wort "Screening" nicht auf dem Umschlag. Viele Einladungen landen daher möglicherweise im Papierkorb.

2002 hatten Bundestag und Bundesrat beschlossen, ein Mammographie-Screening-Programm auf Basis Europäischer Leitlinien in Deutschland einzuführen. Danach erhalten Frauen im Alter zwischen 50 und 69 Jahren alle zwei Jahre eine Einladung zur Mammographie.

Ziel des Programms ist, durch eine frühzeitige Diagnose von Brustkrebs eine schonende Therapie der bösartigen Tumore zu erreichen und die Sterblichkeit betroffener Frauen zu senken. Angaben zur Sterblichkeit enthält der Qualitätsbericht nicht.

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