Ärzte Zeitung, 18.11.2010

Fragebogen kommt bald per Postbote ins Haus

Seit Juni können AOK-Versicherte ihre Haus- und Fachärzte online bewerten. Jetzt werden die Zugangswege zur Befragung erweitert - besonders für Versicherte, die das Internet nicht so häufig nutzen.

Fragebogen kommt bald per Postbote ins Haus

AOK-Versicherte in Thüringen bekommen bald Post: den Fragebogen zum Arztnavi in Papierform.

© durst/fotolia.com

BERLIN (hom). In Thüringen können AOK-Versicherte ihre Erfahrungen bei einem Arztbesuch schon in Kürze über einen schriftlichen Fragenbogen mitteilen. Damit erweitert die AOK den Zugang zu der Befragung, der bisher nur über die Internetseite www.aok-arztnavi.de möglich war.

Ab der kommenden Woche sollen AOK-Versicherte in Thüringen mit einem Fragebogen angeschrieben werden. Auch in der Pilotregion Berlin soll die schriftliche Befragung für die Online-Arztsuche demnächst getestet werden. "Wir wollen dadurch auch Patienten, die nicht über einen Internetanschluss verfügen, die Teilnahme ermöglichen", begründet Jürgen Graalmann, Vize-Chef des AOK-Bundesverbandes, den Schritt.

Die Ergebnisse der schriftlichen Befragung fließen wie die Online-Ergebnisse auch in die Arztsuche ein. Sie werden unter www.aok-arztnavi.de und www.weisse-liste.de veröffentlicht, sobald eine aussagekräftige Anzahl von Beurteilungen vorliegt.

Initiatoren der Online-Arztsuche sind AOK und Weisse Liste, ein Projekt der Bertelsmann Stiftung und der Dachverbände von Patienten- und Verbraucherorganisationen. Seit Juni können AOK-Versicherte in den Pilotregionen Berlin, Hamburg und Thüringen per Internet zu ihren Erfahrungen beim Besuch einer Arztpraxis Auskunft geben.

Der Fragebogen des Arztnavigators, den AOK-Versicherte jetzt auch in Papierform erhalten, besteht aus 33 Fragen. "Der Fragebogen deckt alle Leistungsbereiche innerhalb einer Arztpraxis ab, mit denen ein Patient in Berührung kommt und die er selbst beurteilen kann", erklärt Uwe Schwenk, Programmleiter bei der Bertelsmann Stiftung.

Die Fragen sind aufgeteilt in die Bereiche Praxis und Personal, Arztkommunikation, Behandlung sowie Gesamteindruck der Praxis. Freitextfelder zur Eingabe von Kommentaren seien im Portal nicht vorgesehen, um Schmähkritik von vornherein auszuschließen, betont Schwenk.

Für den Einsatz des Papier-Fragebogens gelten dieselben methodischen Standards wie für die Online-Befragung. So werden beispielsweise Mehrfachbeurteilungen eines Arztes und gezielte Manipulationen ausgeschlossen. Die Ärzte haben nach der Veröffentlichung des Ergebnisportals die Möglichkeit, ihre Ergebnisse zu kommentieren oder sperren zu lassen. Entscheidet sich der Arzt für eine Sperrung, wird dies allerdings auf der Seite entsprechend vermerkt.

Langfristig wollen AOK und Weisse Liste das Projekt nicht nur auf AOK-Versicherte beschränkt wissen. Auch Kassen außerhalb des AOK-Verbunds sollten sich beteiligen können, "um das Portal auf eine breite Basis zu stellen und einen neuen Standard für die Online-Arztbewertung zu schaffen", sagt Graalmann.

Auch AOK-Aufsichtsratsvorsitzender Fritz Schösser hofft auf möglichst viele Versicherte, die am Arztnavi teilnehmen. "Je mehr Menschen sich dort einfinden, umso präziser wird das Ganze."

Erste Krankenkassen haben auch schon ihr Interesse signalisiert. So peilt etwa die Barmer GEK eine Beteiligung am Projekt im Laufe des nächsten Jahres an. "Gemeinsam wollen die Partner das Portal weiterentwickeln - zum Beispiel durch die Entwicklung spezieller Fragebögen für Zahnärzte und Psychotherapeuten, die derzeit noch nicht bewertet werden können", so Graalmann.

Die "Ärzte Zeitung" berichtet über den Arztnavigator als Medienpartner der AOK und des Projektes Weisse Liste.
Zur Sonderseite

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Ärzte können künftig Medizinalhanf verordnen

Nach jahrelanger Debatte regelt das Parlament heute den Umgang mit Cannabis als Medizin völlig neu. Krankenkassen müssen künftig die Kosten im Regelfall erstatten. mehr »

Kein Schmerzensgeld für die künstliche Ernährung des Vaters

Das Münchener Landgericht hat die Klage gegen einen Hausarzt, der einen Patienten vermeintlich unnötig lange künstlich ernähren ließ, abgewiesen. Gleichwohl attestierte es einen Behandlungsfehler. mehr »

Droht Briten eine zweite Creutzfeldt-Jakob-Welle?

In Großbritannien ist ein Mann an einer ungewöhnlichen Creutzfeldt-Jakob-Erkrankung gestorben. Dies nährt Befürchtungen, wonach mehr als 20 Jahre nach der BSE-Krise eine zweite Erkrankungswelle ansteht. mehr »