Ärzte Zeitung, 14.11.2011

Arztrechnungen sollen ins Internet

Was hat der Arzt für meine Behandlung abgerechnet? Die Antwort auf diese Frage finden Kassenpatienten in Zukunft im Web. Denn die Regierung will die Krankenkassen dazu verpflichten, die Arztrechnung offenzulegen.

Arztrechnungen stehen künftig im Web

Eine Arztrechnung: Geht es nach der Regierungskoalition, sollen künftig die Kassen die Rechnungen für GKV-Versicherte ins Netz stellen.

© suedraumfoto / imago

BERLIN (sun). GKV-Versicherte sollen künftig auf der Homepage ihrer Krankenkasse einsehen können, was der Arzt tatsächlich für ihre Behandlung abgerechnet hat.

Darauf haben Gesundheitsexperten der Union und FDP in Berlin verständigt. Die Pläne sollen bereits mit dem Versorgungsstrukturgesetz zum 1. Januar 2012 in Kraft treten.

Mehr Transparenz für die Patienten

"Für die Patienten bedeutet dieser Schritt wesentlich mehr Transparenz", sagte CSU-Gesundheitsexperte Johannes Singhammer der "Ärzte Zeitung".

Man setze mit den Plänen auf bestehendes Recht auf: Bereits heute hätten Patienten die Möglichkeit, eine sogenannte Patientenquittung in der Arztpraxis einzufordern. Diese werde aber nur selten genutzt. Datenschutzrechtlich gebe es keine Bedenken, so Singhammer.

Kassen sind skeptisch

Der GKV-Spitzenverband bleibt skeptisch: Zwischen Praxisbesuch und Rechnungsstellung lägen viele Monate. Daher müsse "über den tatsächlichen Erkenntnisgewinn" für Patienten nachgedacht werden, sagte Verbands-Sprecherin Ann Marini.

Wer meine, "mit diesem Vorstoß elegant durch die Hintertür die Kostenerstattung zu etablieren, sei "auf dem Holzweg".

Lesen Sie dazu auch den Kommentar:
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[15.11.2011, 23:30:29]
Uwe Schneider 
Keine Killerapplikation für Kostentransparenz und -bewusstsein, aber ein Gewinn für die GKV
Das GKV-Honorar der Vertragsärzte macht diese Patientenquittung, man sollte evtl. besser sagen Krankenkassenquittung, in der Tat nur sehr bedingt transparent. Insofern ist die Kritik des GKV-Spitzenverbandes und der Vorkommentatoren nicht unberechtigt. Allerdings werden immerhin die Leistungspositionen, die die Vertragsärzte an die Krankenkasse liefern, dem Patienten offengelegt, was schon einen gewissen Erkenntnis- und Kontrollgewinn bringen kann. Außerdem werden die fixen Preise aus anderen Bereichen wie Krankenhaus oder Arznei-, Hilfs- und Heilmittel samt Zuzahlungen aufgelistet, was dem Versicherten eine gute Übesicht bietet und gegebenenfalls auch für die Frage nach der Inanspruchnahme von Wahltarifen, der Geltendmachung einer Zuzahlungsermäßigung oder von außergewöhnlichen Belastungen (steuerlich gesehen) von Bedeutung ist. Alles in allem sicher keine Killerapplikation für mehr Kostenbewusstsein in der GKV, aber sicher ein Gewinn für die GKV, da die elektronische Variante kostengünstiger als die Papier-Version erbacht werden dürfte (bei der klassischen Patienten-/Quartalsquittung machte allein das Proto große Summen aus). zum Beitrag »
[15.11.2011, 09:09:28]
Dipl.-Med Jens-Uwe Köhler 
Welche Arztrechnungen denn?
Welche Arztrechnung ist denn gemeint?
Es kann sich doch nur um die Summe aus der Pauschale, qualifikationsgebundene Zusatzvergütungen und Präventionsleistungen handeln, die der Niedergelassene nach der Quotierung erhält.

Sehr geehrter Herr Johannes Singhammer, haben Sie übersehen, dass das schon seit jahren imInternet abrufbar ist? (z.B. hier: http://www.kvbb.de/content/kvbb/category/kvbb000300/Fallwerte_III-2011_web.pdf )

Ich habe nichts dagegen, unseren Patienten immer wieder zu sagen, dass ich für die Rund-um-die-Uhr-Betreuung eines Kindes in Brandenburg knapp 40.-Euro Grundpauschale bekomme, von denen ich noch meine Betriebskosten, Altersvorsorge und Steuern abziehen muss. Bleiben maximal 10 Euro pro Patient in 3 Monaten übrig.

Toll Herr Singhammer !
Aber es ginge doch viel einfacher oder?
 zum Beitrag »
[15.11.2011, 08:01:28]
Prof. Dr. Martin Hermann 
Das wäre doch mal wirklich interessant....
...wenn die Arztrechungen unserer Politiker einschl. Diagnosen im Internet gehackt werden könnten. Ein wirklich spannender Vorschlag. Man könnte daraus ganze Zeitschriften nach dem Muster der "Bunten" machen und im Wartezimmer auslegen.... zum Beitrag »
[14.11.2011, 20:40:08]
Dr. Bernhard Fries 
Man darf gespannt sein
Ein prima Plan - wenn die reell geflossenen Gelder angegeben werden und der Punktwert so niedrig, wie er ist, berücksichtigt wird. Wenn nicht mit den noch keinen Tag gezahlten 5,1 Cent/ Punkt gerechnet wird. Und wenn die unzahligen Konsultationen zum 0 -Tarif mit aufgeführt werden. Wenn schon Transparenz, dann aber bitte richtig und ungeschönt unter Berücksichtigung all der Einschränkungen und mit Darlegung der Pauschalen. Das Interesse der Patienten wird dann riesengroß sein - wir verstehen unsere Abrechnung schon nicht, RLV und QZV und und - der Patient wird kein Wort verstehen.

Ich fürchte eher, daß dies so nicht geplant ist - sondern ein fiktiver Euro -Betrag ohne Erläuterungen angegeben wird, der in Wirklichkeit nie gezahlt wurde.... zum Beitrag »
[14.11.2011, 19:49:26]
Dr. Christian Kinast 
transparentes GKV Honorar
Endlich ist es soweit dass Arzt und Patient dann wissen welchen € und Cent Betrag die aktuelle KOnsultation erbringt. Dann wird der Patient sicher gerne ein Trinkgeld dazu zahlen. Oder wird er denken, das kann kein guter Arzt sein, der so billig ist und lieber dann einen Privatarzt oder Heilpraktiker aufsuchen. Es geht voran. Nur müssen sich die Ärtzeorganisationen endlich aufraffen und den Sicherstellungsauftrag kündigen.
Schönen Abend Christian Kinast  zum Beitrag »

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