Ärzte Zeitung, 12.07.2012

Neuer Navigator: Was taugt eine Kasse?

Neuer Navigator: Was taugt eine Kasse im Ernstfall?

Krankenkassen werden traditionell aus der Perspektive meist gesunder Versicherter bewertet. Aber was taugen die Kassen für Kranke? Eine neue Initiative fragt nach dem Urteil von Ärzten und MFA.

NEU-ISENBURG (HL). Was eine Krankenkasse wirklich wert ist, stellt sich oft erst dann heraus, wenn der Ernstfall - etwa eine schwere Erkrankung - eingetreten ist.

Dann entscheidet ein geordnetes und zügiges Zusammenwirken von Kasse, behandelndem (Haus-)Arzt und seinem Praxisteam darüber, ob der Patient die aus medizinischer Sicht gebotenen Heil- und Hilfsmittel, die Anschlussheilbehandlung oder etwa häusliche Krankenpflege reibungslos erhält.

Solche Aspekte der Leistung von Krankenkassen bleiben aber bei konventionellen Bewertungen von Krankenkassen, die auf Versicherten-Befragungen basieren, unberücksichtigt, bemängelt Helmuth Jarchow von der "Initiative Kassen-Navigator".

Bei herkömmlichen Bewertungen dominiert die Einstellung des meist gesunden Versicherten, aus dessen Sicht die Erhebung oder Nicht-Erhebung eines Zusatzbeitrags oder Zusatzleistungen in Randsortimenten der GKV - Stichwort Satzungsleistungen - das Urteil über die Güte einer Kasse bestimmt.

Urteil auch der MFA

Jarchow will mit seiner Initiative den Blick auf die Kernleistung von Krankenkassen konzentrieren und dabei deren Güte aus der Perspektive von Ärzten und ihren Medizinischen Fachangestellten beurteilen lassen.

Der Startschuss für die Bewertung fällt am kommenden Mittwoch, 18. Juli: Dann wird der "Ärzte Zeitung" ein umfassender Fragebogen beiliegen, auf dem Ärzte und ihre Mitarbeiter ihre Einschätzung über den Wert, aber auch über die Defizite der Kommunikation zwischen Krankenkassen und Praxen abgeben können.

Besonderen Wert legt Jarchow dabei auf das Urteil der Medizinischen Fachangestellten: Sie seien es, die dem Arzt in wachsendem Umfang administrative Aufgaben abnehmen müssen; Qualifikation und Bedeutung dieses Berufs werden in Zukunft zunehmen, damit der Arzt sich auf seine medizinische Kernkompetenz konzentrieren kann.

Die MFA ist es auch, die im Regelfall den Erstkontakt mit einem Patienten hat, seine Bedürfnisse erkennen muss, organisatorische Abläufe steuert oder zumindest ausführt und damit zum wichtigen Scharnier zwischen Praxis und Krankenkasse wird.

Im Idealfall, so hofft Jarchow, werden die Ergebnisse des "Kassen-Navigators" von den Kassen genutzt, ihre Kommunikation mit den Praxen zu optimieren.

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