Ärzte Zeitung online, 05.12.2014

Zi-Vergleich

AOK Sachsen-Anhalt spart sich reich

Einige Kassen erhalten aus dem Gesundheitsfonds nach ZI-Angaben deutlich mehr Geld als sie für die Versorgung ihrer Versicherten ausgeben. Die Folge: Hohe Rücklagen und Deckungsbeiträge. Die Unterschiede zwischen den Kassen sind enorm.

AOK Sachsen-Anhalt spart sich reich

Die Kassen haben unterschiedlich hohe Geldtürmchen.

© Felix Jork / fotolia.com

BERLIN. Der Gesundheitsfonds sorgt für eine massive Umverteilung zwischen den Krankenkassen. Einige Kassen können durch die Zuweisungen hohe Rücklagen bilden.

Das geht aus Zahlen des Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung (ZI) hervor. Es hat dafür Pflichtveröffentlichungen von Kassen im Bundesanzeiger ausgewertet.

Mit dem Versorgungsstruktur-Gesetz sind Kassen verdonnert worden, zentrale Finanzkennzahlen nach einheitlichem Muster zu veröffentlichen (Paragraf 305b SGB V). 121 von 130 waren dem bis zum 2. Dezember nachgekommen.

Das ZI hat unter anderem die Differenz zwischen den Zuweisungen des Gesundheitsfonds pro Versichertem und den Leistungsausgaben verglichen. Die Analyse birgt Überraschungen.

154 Euro Deckungsbeitrag bei AOK Sachsen-Anhalt - 5 Euro bei Barmer 

So erhielt laut ZI die AOK Sachsen-Anhalt so hohe Zuweisungen, dass sie einen positiven Deckungsbeitrag von 154 Euro je Versichertem erzielen konnte. Die Rücklage bei der Kasse mit knapp 690.000 Versicherten beläuft sich pro Kopf auf 315 Euro - ein Spitzenwert unter den untersuchten Kassen.

Anders die Barmer GEK mit 8,6 Millionen Versicherten: Dort beträgt der Deckungsbeitrag für jeden Versicherten lediglich 5,10 Euro, die Rücklage beläuft sich auf 31,80 Euro pro Versichertem.

Bei einigen Betriebskrankenkassen ist der Deckungsbeitrag sogar negativ: Fast 20 Euro je Versichertem sind es bei der Deutschen BKK (770.000 Versicherte), minus 15,7 Euro sind es bei der BKK Mobil Oil.

KBV-Chef Dr. Andreas Gassen forderte, Kassen sollten keine Rücklagen anhäufen oder mit niedrigen Beitragssätzen werben, sondern in eine bedarfsgerechte ambulante Versorgung investieren. Tatsächlich hat die AOK Sachsen-Anhalt für das nächste Jahr einen vergleichsweise niedrigen Beitragssatz von 14,9 Prozent angekündigt (siehe auch Die Kassen-Beitragssätze 2015).

Große Bandbreite bei den Ausgaben für ärztliche Behandlungen

Nach ZI-Angaben variieren auch die Anteile für die ärztliche Behandlung an den gesamten Leistungsausgaben enorm, und zwar um mehr als fünf Prozentpunkte. Spitzenreiter in dem vom ZI veröffentlichten Sample sind BKK Mobil Oil und Techniker Krankenkasse (20,3 Prozent), Audi BKK (20,2 Prozent) sowie HKK (20,1 Prozent).

Die AOK Sachsen-Anhalt und AOK Nordwest bilden mit jeweils 14,6 Prozent das Schlusslicht. Barmer GEK (17,9 Prozent) und DAK-Gesundheit (17,3 Prozent) liegen bei den Ausgabenanteilen für die ärztliche Versorgung im Mittelfeld.

Gassen forderte, der Gesetzgeber solle kassenspezifische Gesamtverträge erlauben, um so flexibler auf den unterschiedlichen Versorgungsbedarf zu reagieren. (fst)

[08.12.2014, 09:26:27]
Dirk Hansen 
Ausgaben für ärztliche Versorgung
Die unterschiedlichen Anteile für ärztliche Behandlung haben nicht primär mit der Höhe der Vergütung zu tun, sondern mit der Versichertenstruktur. Sie suggerieren im letzten Absatz einen falschen Zusammenhang.

Sie müssten die vertraglich ausgehandelten Fallpauschalen vergleichen, um die Vergütung zu diskutieren; außerdem die extrabudgetären Vereinbarungen. zum Beitrag »

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text
Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Langes Arbeiten kann tödlich sein

Eine lange Wochenarbeitszeit erhöht das Risiko für Herzerkrankungen und Krebs. Forscher konnten die Stundenzahl sogar exakt angeben, ab der sich das Risiko stark erhöht. mehr »

Ausschuss reißt Frist des Gesetzgebers

Das neue Qualitätsmaß für Pflegeheime gerät in Verzug. Eine Studie bietet eine Alternative an. mehr »

Jeder dritte Demenz-Fall vermeidbar

Finge die Demenz-Prävention bereits in der Kindheit an, könne die Krankheit bei einem Drittel aller Erwachsenen verhindert werden – so eine Studie. mehr »