Ärzte Zeitung, 15.12.2014

Zufrieden mit der Klinik?

AOK informiert Hausärzte

Hausärzte sollten als Zuweiser wissen, wie Patienten ihren Klinikaufenthalt beurteilen, so die AOK.

Von Ilse Schlingensiepen

DÜSSELDORF. Die AOK Rheinland/Hamburg informiert interessierte Hausärzte über die Ergebnisse von Patientenbefragungen nach Krankenhausaufenthalten. Das soll den Ärzten ermöglichen, die Zufriedenheit der Patienten bei ihren Zuweisungen zu berücksichtigen.

 "Wir sehen die Ärzte als strategische Partner", sagt Vorstandsmitglied Matthias Mohrmann. "Wenn wir die Versorgung im Gesundheitswesen verbessern wollen, brauchen wir die Kommunikation mit den Ärzten."

Die Kasse hat seit diesem Jahr einen speziellen "Arzt-Service", der sich zunächst an Hausärzte richtet. Mitarbeiter in den Regionaldirektionen stehen den Hausärzten als feste Ansprechpartner zur Verfügung.

"Es gibt bürokratische Ärgernisse, für die sich im persönlichen Kontakt am besten Lösungen finden lassen", erläutert Mohrmann. Der Service ist ein freiwilliges Angebot. Bislang sei die Resonanz sehr gut. "90 Prozent der Hausärzte finden das positiv", berichtet er.

Wenn die Ärzte einverstanden sind, besuchen die AOK-Mitarbeiter sie in ihren Praxen. Dabei können sich die Ärzte auch ein Bild darüber verschaffen, wie die Krankenhäuser in ihrer Region in den Augen der Patienten abschneiden.

Die Kasse setzt auf Steuerungseffekte. "Wir wollen, dass unsere Versicherten optimal versorgt werden", sagt der Vorstand.

86.000 Antworten von Versicherten liegen vor

Der aktuellen Auswertung der Patientenzufriedenheitsstudie, an der sich neben der AOK Rheinland/Hamburg auch die Barmer GEK und die hkk sowie das Projekt "Weiße Liste" beteiligt haben, liegen 86.000 Antworten von Versicherten im Alter von 18 bis 80 Jahren zugrunde.

Patienten, die mindestens zwei Übernachtungen im Krankenhaus hatten, werden zwei bis acht Wochen nach der Entlassung befragt.

In die aktuelle Erhebung waren 149 Krankenhäuser und 560 Abteilungen einbezogen. Damit sind rund 95 Prozent der Kliniken im Rheinland erfasst. Die Beteiligung der Patienten lag bei rund 40 Prozent.

"Das zeigt, dass Patienten ein großes Bedürfnis haben, ihre Erfahrungen anderen Patienten zur Verfügung zu stellen", sagt Mohrmann.

Die Befragung umfasst die Bereiche ärztliche Versorgung, pflegerische Betreuung, Organisation und Service sowie die Weiterempfehlungsbereitschaft.

Im Schnitt aller Kliniken schneiden die Punkte "Umgang der Ärzte mit Patienten", "Qualität der medizinischen Versorgung" und "Umgang der Pflegekräfte mit Patienten" mit Werten über 80 Prozent am besten ab. Dabei entsprechen 80 Prozent der Schulnote "gut". 100 Prozent "sehr gut", 0 Prozent "ungenügend".

Enorme Spannbreite zwischen Krankenhäusern

"Zwischen den einzelnen Krankenhäusern gibt es eine enorme Spannbreite", berichtet der AOK-Vorstand. So liegt bei der Weiterempfehlungsbereitschaft die beste rheinische Klinik bei 94 Prozent, die schlechteste bei 62 Prozent.

Bei der ärztlichen Versorgung reicht die Bandbreite von 90 Prozent bei 73 Prozent, bei der pflegerischen Betreuung von 89 Prozent bis 69 Prozent und bei Organisation und Service von 90 Prozent bis 65 Prozent.

Die Kassen informieren die einzelnen Häuser über die Ergebnisse, damit sie Konsequenzen ziehen können. "Die Kliniken können erkennen, wo sie vielleicht einmal genauer hingucken müssen."

Das Vorgehen hat bei manchen Krankenhäusern in der Vergangenheit durchaus gefruchtet. Eine deutliche allgemeine Qualitätsverbesserung lässt sich im Rheinland seit der ersten Befragung im Jahr 2009 allerdings nicht feststellen. "Wir sind nicht glücklich, weil wir insgesamt nicht die Veränderungen haben, die wir uns vorstellen könnten", sagt Mohrmann.

Wie in den vorherigen Befragungen haben die rheinischen Kliniken erneut etwas schlechter abgeschnitten als der Bundesdurchschnitt. "Das ist in jeder Kategorie der Fall, besonders in der pflegerischen Versorgung."

Den Kassen liegen keine Erkenntnisse darüber vor, worin die unterdurchschnittlichen Ergebnisse im Rheinland begründet liegen und ob etwa die schlechte Investitionsfinanzierung in Nordrhein-Westfalen eine Rolle spielt. "Über die Ergebnisse sprechen wir auch mit dem Landesgesundheitsministerium", betont Mohrmann.

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